Bundesvision Songcontest:

Tiefpunkt erreicht - Guaia Guaia werden Letzte bei Raab

Die beiden Musiker aus Neubrandenburg wollten disqualifiziert werden, stattdessen wurden sie einfach ignoriert. Inzwischen distanziert sich Antenne MV als Präsentator von der Band.

Uwe Anspach Nach dem Auftritt der Neubrandenburger hatten die Bühnentechniker gut zu tun

Sie waren die einzigen Bewerber, die für Mecklenburg-Vorpommern bei Stefan Raabs Musik-Wettbewerb antreten wollten, heißt es. Da kann man sich natürlich Einiges erlauben. Am Ende wurden sie Letzte mit acht Punkten. 

Die beiden ehemaligen freiwillig Obdachlosen zerschlugen um 20.40 Uhr auf der Bühne einen Großteil der Dekoration und ihre Instrumente. Dass sie bei dem ausgeklügelten Sendeablauf der ProSieben-Show nicht mitmachen wollten, hatten sie zuvor im Nordkurier angekündigt. Die ersten Reaktionen in der Nacht auf Facebook waren gemischt: "Alles Müll" - "Die verstellen sich wenigstens nicht". 

Antenne MV "entsetzt"

Am Morgen nach dem TV-Contest distanzierte sich der Radio-Partner von der Band. Moderator Timo Close von Antenne MV schrieb auf Facebook: 

"Wir möchten klarstellen, dass auch wir überrascht bzw. entsetzt über die Leistung, das Auftreten und die Aussagen der Band Guaia Guaia sind. Im Vorfeld hat die Band uns allerdings keinen Anlass gegeben, dieses Verhalten zu erwarten. Der Song ist sicher Geschmackssache – allerdings wurden die Jungs in diversen Medien gerade für diesen sozialkritischen Sound gelobt und galten u.a. in einigen Publikationen als Geheimtipp. Auf den Auftritt dann in der Show und die Videoeinspieler haben wir keinen Einfluss."

Der Sender wolle zudem "klar stellen, dass wir nicht für die Auswahl der Künstler zuständig sind. Diese Entscheidung trifft im Vorfeld die Produktionsfirma."

Das Minuten-Protokoll: So verlief der Abend 

0 Uhr: Guaia Guaia haben den MV-Landesrekord von Jennifer Rostock (2008 5. Platz) und die wenigsten Punkte (Niedersachsen 2010, 4) knapp verpasst. Dafür hat Bosse gewonnen. Und mit einem passenden Zitat aus dem Siegersong "So oder so" wünsche ich eine gute Nacht!

Das Leben ist bitter und süß wie Feigen
Du musst runterkommen und dich entscheiden
Zwischen hinterher rennen und gelassen
Ich mein' unverkrampft die Dinge kommen lassen

23:38 Uhr: Bosse oder Johannes Oerding. Passt schon. Guaia Guaia werden von der Republik ignoriert. Passt schon. Und der NRW-Radiomensch sagt die Punkte alleine an, das ist zur Abwechslung mal äußerst entspannend.

23:32 Uhr: Nora Sanne von Antenne MV meldet sich aus dem Mau-Club in Rostock. Nomen und Omen. Aber MV ist cool, keine 12 Punkte für sich selbst, sondern für Bosse.

23:26 Uhr: Die Punktevergabe von Rheinland-Pfalz legt die Latte schon ziemlich hoch: Übergroße Winkehände und halbnackte Frauen winken unter Dauergekreische um die Wette.

23:21 Uhr: Bevor die ersten Ergebnisse eintrudeln, mal meine zwei Cent zu Guaia Guaia: Bei ihrem Auftritt musste ich an Thomas denken, der in der Schule immer genau das Gegenteil gemacht hat. Der prinzipiell dagegen war, egal, worum es ging. Konventionen zu brechen ist ein legitimes Mittel, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Ich hätte das Theater dann gut gefunden, wenn Elias und Luis gut gesungen hätten. So war es ein bisschen sehr dürftig, egal, wie gewollt alles gewesen sein mag. Aber für das Raabsche Antlitz nach dem Auftritt hat sich diese Merkwürdigkeit fast schon gelohnt.

23:08 Uhr: Nach einem längeren Blick in die angeschlossenen Netzwerke darf ein Sieg für den MV-Vertreter Guaia Guaia wohl ausgeschlossen werden. Bosse, DCVDNS, De Fofftig Pens, Max Herre werden da öfter mal genannt, aber was weiß denn schon das Internet. Noch zwei Minuten kann abgestimmt werden.

22:55 Uhr: Verdammt, das geht hier noch eine ganze Stunde? Mit Elton, Reklame, Überbrückungsmoderation und betrunkenen Nachwuchskünstlern? Wann kommen endlich die Radiostationen?

22:35 Uhr: MC Fitti stellt sich für Berlin gleich selbst vor: "Fitti mit’m Bart". Das bonbonbunte Liedlein richtet sich eindeutig an die Jüngeren im Publikum, für mich hatte es am Ende dann doch etwas ein zu hohes Trash-Niveau. So, und jetzt wird gewählt! Mein Platz 17 steht jetzt schon fest: Die verkrampfte Moderation von Stefan Raab und Sandra Rieß.

22:25 Uhr: Bosse singt "So oder so" für Niedersachsen. Der Mann hat Spaß auf der Bühne und schunkelt sich mit vier recht locker gekleideten Tänzerinnen durch den eingängigen Refrain. Wäre zum Beispiel so ein Kandidat für den Sieger.

22:19 Uhr: Das Thema "Ich brauche keine Wohnung" haben The toten Crackhuren im Kofferraum doch ganz klar bei Guaia Guaia geklaut, ist doch klar. Schülerbandstimmen, Schülerbandchoreographie, Schülerband-Makeup. Keine Chance für Sachsen.

22:10 Uhr: Baden-Württemberg, Max Herre und Sophie Hunger, "Fremde". Total unlustig sowohl der Mann als auch sein Song, das gefällt. Aber der Auftritt war für eine Titelverteidigung dann wohl doch etwas zu anspruchsvoll.

22:03 Uhr: Ein Höhepunkt des Abends steht natürlich noch bevor: 16 ausgeflippte Radiostationen präsentieren nachher die Wahlergebnisse aus den einzelnen Bundesländern. Das wird ein Spaß!

21:55 Uhr: Keule für Brandenburg. Mittlerweile würde ich mich zur Abwechslung mal über eine total unkomische Selbstvorstellung der Teilnehmer sehr freuen. "Ja genau" besticht durch simple NDW-Melodien, auf der Bühne fallen die Popgymnastikerinnen, die Hochzeitsverkleidungen und die Karaoke-Untertitel auf. Bisschen sehr lustig, das alles.

21:49 Uhr: De fofftig Penns, "Löppt" für Bremen. Mit Tuba, Akkordeon, Friesenmantel, drei Bühnen-Omis und ’n büschen Dubstep. Recht wirre, aber gut. Nordisch by nature eben.

21:45 Uhr: Halleluja! Adolar preisen irgendetwas für Sachsen-Anhalt, leider konnte man nicht verstehen, was. Die Show war okay, die Mukke auch, und Texte sind ja auch nicht immer wichtig.

21:40 Uhr: Aua! "Wo kommt man raus, wenn man durch Sachsen per Anhalter fährt?" Vielleicht sollte nicht Markus Lanz einen neuen Gag-Schreiber bekommen, sondern Stefan Raab. (Das man das mal schreiben muss, auweia!)

21:38 Uhr: Daumen hoch für den Lowrider auf der Bühne und den prima Titel "Eigentlich wollte Nate Dogg die Hook singen". Aber die Buddy-Holly-Brille hat’s dann versaut. Schade eigentlich, denn das war sehr unterhaltsam.

21:35 Uhr: Die Redaktion leert sich zunehmend. DCVDNS rappt für das Saarland. Ob beides miteinander zusammenhängt? Wer weiß.

21:31 Uhr: Nochmal zu Guaia Guaia: Es braucht sich niemand zu beschweren. Sie hatten es schließlich vorher angekündigt: "Es ist der tiefste Punkt unserer Karriere".

21:21 Uhr: Pohlmann für Nordrhein-Westfalen. Mit Lasershow und Mitgröhlrefrain verbreitet er ’ne Menge guter Laune und lächelt auch dauernd beim Singen. Wirkt sehr sympathisch, aber das Lied: Naja.

21:13 Uhr: Luna Simao, "Es geht bis zu den Wolken" für Schleswig-Holstein. I couldn’t care less auf deutsch. Aber immerhin mit Bläsern auf der Bühne, das sieht immer gut aus.

21:08 Uhr: Oh, Falco lebt! Gegen den 80er-Billig-Pop namens "Dreckige Namen" von "Charly Bravo" für Bayern war Guaia Guaia allerdings die reinste Kulturexplosion.

21:04 Uhr: Johannes Oerding interpretiert für Hamburg "Nichts geht mehr". Die Kollegin ist ganz hingerissen, der Kollege eher unbeeindruckt. Doch das stimmungsvolle Bühnenbild und der sanfte norddeutsche Dialekt gefällt sehr.

20:59 Uhr: In der Werbepause tröpfeln die ersten Reaktionen auf den ungewöhnlichen MV-Beitrag ins Netz. Die Bandbreite reicht erwartungsgemäß von "Episch!" bis zu "Häh?".

20:45 Uhr: Nach dem dann doch sehr ambivalenten Auftritt von Guaia Guaia hat es Hannes Kinder und seine Band für Thüringen natürlich sehr schwer. In Erinnerung bleibt der Reim Deja-vu ... Fondue und das niedliche Glockenspiel im Hintergrund.

20:40 Uhr: Sie wollten dem Publikum "ins Gehirn scheißen" und beenden ihren Auftritt mit einem veritablen Zerstörungsparforceritt quer über die Bühne. Stefan Raab ist nicht amüsiert.

20:37 Uhr: Eine "ganz verrückte Geschichte" habe MV, staunt die Moderatorin: Den längsten Namen und gleichzeitig die niedrigste Bevölkerungsdichte. Jetzt also "TV-Punk" von Guaia Guaia. Go MV!

20:35 Uhr: "Sing um dein Leben" ist ein "The Voice of Germany"-Mischmasch. Und das hört man auch: Vier Damen und Herren mit schönen Stimmen. Doch trotz halbspektakulärer Bodypainting-Einlage bleibt der Song am Ende dann doch zu beliebig.

20:30 Uhr: Mega Mega machen viel Krach und Licht für Rheinland-Pfalz. Sehr viel "Strobo", ganz nett – aber kein Siegersong.

20:23 Uhr: Jawoll! Erster Auftritt von Luis, der auf die rheinisch-aufgedrehte Ansprache von Elton ein lässig-norddeutsches Brummeln erwidert.

20:16 Uhr: Sehr schön: Wenn Xavier Naidoo jetzt schon singt, macht er ausnahmsweise mal nicht im Wettbewerb mit.

20:10 Uhr: Gleich geht’s los. Nach zwei achten Plätzen in den Vorjahren drückt MV seinen Vertretern heute Abend beide Daumen.

19:50 Uhr: Einen Titel haben Guaia Guaia jedenfalls jetzt schon gewonnen: Sie dürften heute Abend die einzigen Teilnehmer sein, die jüngst von der Polizei ein paar Schuhe geschenkt bekommen haben.

19:30 Uhr: Tja, das haben Guaia Guaia jetzt von ihrem Understatement: Die Bravo hat die Jungs zum Geheimfavoriten ausgerufen.

19:15 Uhr: In einer Stunde geht es los. 

18:50 Uhr: Der erste Fan auf Twitter meldet sich:

 

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Kommentare (2)

Peinlich? Nein! Endlich mal wieder Rock and R`oll gegen massenkompatible Langweil- und Einschlafmusik. Weiter so, Jungs!

... war vor allem die Punktedurchsage aus dem Mau-Club. Ein mikrofonhaltendes Mädel und eine Handvoll Leute, die krampfhaft versucht haben, Stimmung zu machen. Und wenn die Kamera weiter aufgezogen hätte, wäre die große Leere drumrum noch besser zu sehen gewesen ... Peinlich.