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Songtexte von Frei.Wild erneut im Visier

Frei.Wild würden am rechten Rand nach Fans fischen, meinen Kritiker. Die Südtiroler weisen jede extremistische Tendenz von sich. Nun sollte die Bundesprüfstelle eine mögliche Jugendgefährdung abschätzen. Doch daraus wird nichts.

Sänger Philipp Burger (rechts): „Ich muss sagen, der Song ist aus heutiger Sicht ein Dreckslied ...“
Britta Pedersen Sänger Philipp Burger (rechts): „Ich muss sagen, der Song ist aus heutiger Sicht ein Dreckslied ...“

Schon lange steht der Vorwurf im Raum: Die angebliche Rechtslastigkeit der Brixener Rockgruppe Frei.Wild sorgte zuletzt auch beim Echo für Wirbel. Andere Bands wie Kraftklub und MIA sagten ihre Teilnahme an der Musikpreisgala aus Protest gegen eine Nominierung der Gruppe ab. Immer wieder gibt es Demos vor den häufig ausverkauften Frei.Wild-Konzerten. Doch ist es nun einfach Deutsch- oder deutscher Rechtsrock, der da aus Südtirol über die Alpen in die deutschen Charts stürmt? Ein Prüfauftrag an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), der sich gegen eine mögliche Gewaltverherrlichung richtete, scheiterte nun an technischen Fragen.

Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) hatte den Auftrag erteilt und als Beleg zwei Links zum Frei.Wild-Song „Rache muss sein“ bei der Bonner Prüfstelle mit einreichen lassen. Diese zielten auf ein Youtube-Video und den Liedtext auf der Homepage der Band. „Zwischenzeitlich ist das Angebot nicht mehr abrufbar“, begründete die BPjM-Vorsitzende Elke Monssen-Engberding nun die Einstellung des Indizierungsverfahrens. „Wenn keine Texte da sind, können wir auch nicht prüfen.“ Inhaltlich habe man sich nicht mit dem umstrittenen Song befasst, der Textpassagen wie „Jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut. Das Blut auf meinen Fäusten, ich find das steht mir gut“ enthält.

Kuban: Verbreitung von Hass auf Andersdenkende

Ein Journalist, der unter dem Pseudonym Thomas Kuban seit Jahren über die rechte Szene berichtet, war mit einer Anfrage beim Sozialministerium in Erfurt Auslöser des Prüfauftrags. Regierungen, Politiker und Behörden im ganzen Land hatte er angeschrieben und exemplarisch sieben Frei.Wild-Texte analysiert. Kuban kritisiert, dass die Musik für Kinder freigegeben ist, obwohl die Band „in ihren Liedern unter anderem Hass auf Andersdenkende verbreitet, Gewalt verherrlicht, mit geschichtsrevisionistischen Anspielungen arbeitet und antisemitische Stereotype bedient“.

Das Einstellen des Indizierungsverfahrens ist für Kuban ein Versteckspiel hinter Paragrafen und „an Absurdität kaum mehr zu überbieten“. „Wenn die Bundesprüfstelle ein bisschen googeln würde, könnte sie Medien mit dem fraglichen Lied problemlos finden und entsprechende Prüfverfahren realisieren.“

Zwar wird laut Kuban auch in anderen Länderministerien über einen Prüfauftrag nachgedacht. Zur Tat schritt man bislang aber nur in Thüringen. „Wir überlegen noch, wie wir weiter verfahren“, so Ministeriumssprecher Uwe Hübner am Dienstag. Möglich wäre beispielsweise die Vorlage einer CD mit dem entsprechenden Song bei der Bonner Prüfstelle.

Zugehörigkeit zur rechten Szene als Fehler bezeichnet

Frei.Wild weist indes alle Vorwürfe von sich. „Alle Tonträger wurden ja schon von Gutachtern überprüft und als bedenkenlos eingestuft“, sagt Frontmann Philipp Burger, ein ehemaliger Skinhead, der seine frühere Zugehörigkeit zur rechten Szene heute als Fehler bezeichnet. Im genannten Fall „Rache muss sein“ räumt er allerdings Fehler ein. „Ich muss sagen, der Song ist aus heutiger Sicht ein Dreckslied, mit dem wir uns überhaupt nicht mehr identifizieren wollen.“

Dem Verkaufserfolg der Gruppe schadet die Diskussion um ihr angeblich völkisches Liedgut nicht. Das neue Album „Still“ schaffte es laut Media Control von null auf eins in die deutschen Album-Charts.