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Spektakuläre Kunstausstellung in Wolgast

Man muss nicht unbedingt nach Berlin, Hamburg oder München fahren, um ganz große Kunst zu erleben. Es genügt ein Besuch im Wolgaster Stadtmuseum, das derzeit lange verborgen gebliebene Werke von acht Meistern der Moderne zeigt.

Das Picasso-Gemälde „Faunes et Chèvre“ (1960) ist eine der in Wolgast ausgestellten Arbeiten des Meisters der Moderne.
Ralph Sommer Das Picasso-Gemälde „Faunes et Chèvre“ (1960) ist eine der in Wolgast ausgestellten Arbeiten des Meisters der Moderne.

Das Ausstellungsmotto soll provozieren: „Acht Künstler der Moderne in der Provinz“ – soll heißen: „Leute, nutzt die Kunstangebote in Eurer Region, sie sind oft viel besser als erwartet“. Das kleine stadthistorische Museum in Wolgast stellt dies unter Beweis. Seit Samstag präsentiert die von Barbara Roggow geleitete Einrichtung einmal mehr eine Ausstellung, die das Zeug hat, weit über Landesgrenzen hinaus wahrgenommen zu werden.

Denn Roggow ist es gelungen, insgesamt 60 Originalwerke von acht der wichtigsten Vertreter der Moderne an den Peenestrom zu holen – Kunstwerke zumal, die in dieser Form noch nie der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Die 41 Grafiken sowie 19 Keramiken und Skulpturen aus Meisterhand stammen allesamt aus Privatbesitz und wurden für sechs Wochen als Leihgabe an die Wolgaster „Kaffeemühle“ übergeben.

Der in Mecklenburg-Vorpommern lebende Besitzer der praktisch unbezahlbaren Arbeiten habe anonym bleiben wollen, sagt Roggow. Wie so oft in der Kunstszene sei der Kontakt vor einigen Monaten eher zufällig, während einer Begegnung im Museum, zustande gekommen. „Der Kunstliebhaber war sehr erstaunt über die Qualität einer unserer Ausstellungen gewesen und hatte von seiner eigenen Sammlung geschwärmt“, erinnert sich die Kunstexpertin. Schnell sei man sich dann einig geworden, in der Geburtsstadt von Philipp Otto Runge, dem eigentlichen Begründer der Romantik, eine neue Ausstellung zu präsentieren.

Nun also die Moderne, jene künstlerische Umbruchperiode, die malerisch von so namhaften Künstlern wie Pablo Picasso (1881-1919), Paul Gauguin (1848-1903) oder Paul Klee (1879-1940) geprägt wurde. Dem unbekannten Mäzen und der Stadt Wolgast als Förderer der Ausstellung ist es nun zu danken, dass bislang wenig bekannte Arbeiten dieser Vertreter und fünf weiterer Meister der Moderne jetzt im Original in der vermeintlichen Provinz besichtigt werden können.

Kunstwerk mit einer versteckten Besonderheit

Für Überraschung könnten zum Beispiel Keramikarbeiten sorgen, die von Picasso selbst gefertigt wurden. Präsentiert werden von ihm mehrere Vasen und Teller mit der für Picasso typischen Handschrift. Auch der französische Maler Paul Gauguin, der zu Lebzeiten seine finanziellen Probleme zeitweilig sogar mit einem Job beim Bau des Panamakanals lösen musste, ist mit Bildender Kunst vertreten. Auch von dem Deutschen Paul Klee, der 1924 zusammen mit Lyonel Feininger sowie den Russen Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky die Künstlergruppe „Die Blauen Vier“ gründete, werden Original-Grafiken ausgestellt.

Sogar der vermutlich bedeutendste deutsche Maler der Moderne, Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), ist vertreten. Der Künstler ist mit Zeichnungen sowie einer seiner typisch überlängerten Porträtfiguren, der „Sinnenden“, zu sehen. Interessante Skulpturen wie „Die Hand Gottes“ aus dem Jahre 1902 stammen aus der Werkstatt des Franzosen Auguste Rodin (1840-1917). Und von seinem Landsmann Henri Matisse (1869-1954) werden Originaldrucke für dessen ebenfalls ausgestelltes „Künstlerbuch“ vorgestellt.

Als italienischen Vertreter der Moderne zeigt die Wolgaster Exposition den Maler und Bildhauer Amedeo Modigliani (1884-1920), der im Alter von nur 35 Jahren an Tuberkulose gestorben war. Und als ein Kuriosum der besonderen Art ist in der „Kaffeemühle“ das Gemälde „L‘oiseau migrateur“ (Der wandernde Vogel) des Spaniers Joan Miro (1893-1983) zu sehen, ein Bild mit einer witzigen Zeichnung des Künstlers auf der Rückseite. Um das versteckte Detail auch für die Ausstellungsbesucher sichtbar zu machen, haben Museumshandwerker eigens eine von zwei Seiten einsehbare Zwischenwand gebastelt.

„Acht Künstler der Moderne in der Provinz“, Stadtgeschichtliches Museum „Kaffeemühle“, Rathausplatz 6 in Wolgast, Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, am Wochenende 11 bis 16 Uhr. Zu sehen bis zum 9. August.