Diskussion um Theaterreform:

Springen Neustrelitzer Tänzer und Sänger über die Klinge?

Nachdem das Land im vergangenen Jahr die Weichen in Sachen Theaterreform für Schwerin und Rostock gestellt hat, sind in den kommenden Monaten die Theater im Osten des Landes dran. Die große Frage ist, ob sich Neubrandenburg/Neustrelitz auf der einen und Greifswald/Stralsund auf der anderen Seite einigen können.

Noch werden am Theater in Neustrelitz Opern und Operetten produziert. Ob alle Sparten erhalten bleiben können, ist allerdings fraglich.
             
Büttner Noch werden am Theater in Neustrelitz Opern und Operetten produziert. Ob alle Sparten erhalten bleiben können, ist allerdings fraglich.  

Der eine Satz könnte in dem langen Nordkurier-Interview mit Landrat Heiko Kärger (CDU) schnell überlesen werden. Zur anstehenden Theaterreform erklärte der Verwaltungschef der Mecklenburgischen-Seenplatte: "Philharmonie und Konzertkirche sowie das Landestheater als Produktionsstandort in einer Sparte, mehr werden wir nicht hinbekommen." Das heißt im Klartext: Von dem jetzt noch existierenden Viersparten-Theater Neubrandenburg/Neustrelitz - Orchester, Schauspiel, Musiktheater, Ballett - werden nur noch zwei Sparten übrigbleiben. Wobei der Erhalt der Philharmonie Neubrandenburg zusammen mit der Konzertkirche wohl gesetzt ist.

Damit haben der Landrat und Neubrandenburgs Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) offensichtlich schon mal einen wichtigen Pflock gesetzt, ehe die konkreten Verhandlungen mit dem Theater Vorpommern (Greifswald und Stralsund) überhaupt begonnen haben. Das Zitat von Kärger war am Donnerstag offensichtlich noch gar nicht richtig im Ensemble angekommen. Auch im Rathaus der Residenzstadt mit ihrer jahrhundertealten Theater-Tradition dürfte die Ansage des Landrats für einiges Aufsehen sorgen.

Denn immerhin könnte das Jahr 2014 zum Schicksalsjahr für das Landestheater werden. Geht es nach dem Willen von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) soll im Sommer das Gutachten des vom Land beauftragten Beratungsunternehmens Metrum vorliegen, sagte er dem Nordkurier. Die Voraussetzung dafür war die Unterzeichnung des so genannten "Letter oft Intent" durch die Stadtvertretungen in Greifswald und Stralsund. Dabei geht es um eine Absichtserklärung, die festlegt, welche Modelle näher durch Metrum untersucht werden sollen. In Neubrandenburg und Neustrelitz war das Papier schon im Frühjahr 2013 abgesegnet worden.

Brodkorb sieht für die Theater im Ostteil allerdings auch nicht den Handlungsdruck wie im Westen. "Die betriebswirtschaftliche Situation im Westen ist deutlich dramatischer", erklärte er. Zudem seien die Gespräche im Ostteil über die Theaterreform "schon immer konstruktiver" gewesen. Trotzdem werden auch die Häuser in Ostmecklenburg und Vorpommern nicht um Kürzungen herum kommen. So sieht die Metrum-Variante 4, die jetzt neben der Staatstheater-Variante auch im Osten näher untersucht wird, die Zusammenlegung aller Musiktheater-Sparten zu zwei Opernkompanien vor, die dann durch das Land übernommen würden. Im Klartext hieße das für den Osten: Aus zwei Philharmonien wird eine. Ein Insider schätzt ein, dass ein Orchester mit 100 bis 110 Musikern den gesamten Ostteil des Landes bespielen könnte. Zum Vergleich: Allein Neubrandenburgs Philharmonie zählt zurzeit 70 Mitglieder.

Landesweit soll dieses Modell einen Einspareffekt von knapp zehn Millionen Euro pro Jahr bringen. Verbunden mit der "Zusammenlegung der Sängerensembles, der Chöre und der Orchester" ergebe sich allerdings auch eine Reduzierung von 162 Stellen, heißt es in einer Metrum-Analyse. Schluckt das Theater Vorpommern möglicherweise die Kröte Orchesterabbau, um dafür den Großteil des Musiktheaters zu erhalten? Was wiederum für Neustrelitz heißen könnte, dass Opern- und Operetten-Sänger sowie Tänzer über die Klinge springen? Zu solchen Fragen will sich Brodkorb derzeit nicht äußern. "Ich will nicht spekulieren!".

 

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