Neues Album veröffentlicht:

Sting bricht Schreibblockade mit Werft-Musical

Seit zehn Jahren hat er kein Album mehr mit eigenen Songs veröffentlicht. Es war ein Musical über das Ende des Schiffbaus in seiner nordenglischen Heimat, das ihm die Lust am Songschreiben zurückbrachte. Jetzt kommt es zunächst als Album heraus.

Nach zehn Jahren die ersten eigenen Songs samt Broadway-Stück: Stings Schaffenskraft kann sich hören lassen.
Marc Müller Nach zehn Jahren die ersten eigenen Songs samt Broadway-Stück: Stings Schaffenskraft kann sich hören lassen.

Nun also ein Musical: Sting (61) hat in den vergangenen Jahren Musik aus dem Mittelalter auf der Laute gespielt und ein Album mit alten Liedern über den Winter aufgenommen. Mit „The Last Ship“ folgt nun ein Bühnenstück über Schiffbauer in seiner Heimat bei Newcastle. Ein Jahr vor der geplanten Broadway-Premiere erscheinen die Lieder zunächst als Album, von Sting selbst gesungen. Und es ist seine erste Sammlung neuer Songs seit zehn Jahren.

Denn im Herbst 2003, nach dem Album „Scared Love“, habe er festgestellt, dass er keine Lust mehr hatte, der bisherige Sting zu sein, bekannte der Musiker jüngst in Interviews. Weg war der „brennende Wunsch, Sachen auf Papier zu bringen“, sagte er der „New York Times“. Die „Nabelschau, Beichten und Besessenheit mit sich selbst“, die zum Songschreiben dazugehören, fand er nur noch ermüdend.

Neben dem Erforschen alter Musik machte er Wein auf seinem Gut in der Toscana, tourte mit seiner wiederbelebten Band The Police und solo – nur neue Songs wollten nicht gelingen. Und dann stieß Sting auf eine Meldung über polnische Werftarbeiter, die ihren Betrieb besetzen wollten, damit er nicht schließt. Die Geschichte traf einen Nerv: Sting wuchs auf in der kleinen Stadt Wallsend, eine seiner ersten Kindheitserinnerungen waren die gewaltigen Schiffsrümpfe in der Werft am Ende der Straße, die die kleinen Häuser überragten. Sein Großvater arbeitete dort. Nachdem Sting bereits in die große Welt ausgezogen war, blieb die Schiffbau-Tradition auf der Strecke im globalen Wettbewerb.

Eingängige Melodien und Streicher-Einlagen

„The Last Ship“ ist ein Musical über Werftarbeiter, die in den 80er Jahren ihre Werft besetzen, um noch ein allerletztes Schiff zu bauen. Eine Geschichte über andere zu schreiben, habe ihn von der jahrelangen Schreibblockade geheilt, sagte Sting: „Es öffnete die Schleusen, ich stand nicht mehr im Weg.“ Zusätzlich zum Werft-Drama gibt es einen Vater-Sohn-Konflikt und ein Liebes-Dreieck.

Es ist ein Album, auf das sich Sting-Fans erst einlassen müssen. „The Last Ship“ ist weit entfernt von dem Jazz-Rock, der ihn einst zum Weltstar gemacht hat. Es ist zuallererst ein Musical mit eingängigen bühnentauglichen Melodien, viel Walzer-Rhythmus, Melancholie, Streicher-Einlagen, Mundharmonika und traditionellen nordenglischen Klängen. Die Erkenntnis von „The Last Ship“ ist aber auch: Der Mann kann immer noch Songs schreiben. Musical oder nicht.

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