Geschützt oder Gemeingut?:

Streit ums Urheberrecht von Anne Frank

Anne Frank schrieb ein weltberühmtes Tagebuch. Doch gut 70 Jahre nach dem Tod des jüdischen Mädchens gibt es Streit darum, wer die Texte nutzen und veröffentlichen darf.

Arno Burgi Um das Tagebuch von Anne Frank tobt ein Streit um das Urheberrecht.

Was Anne Frank in ihrem holländischen Versteck ins Tagebuch schrieb, bewegt die Menschen noch heute. Generationen von Jugendlichen haben anhand ihrer ergreifenden Texte nachvollzogen, was der Nationalsozialismus für ein jüdisches Mädchen bedeutete. Ein historisches Dokument, das zum Ärger des Anne Frank Fonds nun frei im Internet publiziert wurde. Jetzt tobt ein Streit um das Urheberrecht - und indirekt auch um die Frage, wie das Erbe Anne Franks am besten bewahrt werden kann.

Der in der Schweiz beheimatete Anne Frank Fonds, gegründet von Annes Vater Otto Frank und Alleinerbe der Autorenrechte, hält die Veröffentlichung dagegen für einen Rechtsbruch. Auch wenn es sich nur um eine "Kurzversion" auf Niederländisch aus dem Jahr 1947 handele, verletze sie dennoch das Copyright, sagt Fonds-Sprecher Yves Kugelmann. Die Stiftung argumentiert mit der komplizierten Geschichte der Veröffentlichungen des Tagebuchs - der Schutz gelte deshalb noch viele Jahre weiter.

Die Amsterdamer Anne Frank Stiftung, die die Original-Schriften als Dauerleihgabe vom niederländischen Staat erhalten hat, und der Baseler Fonds trafen sich wegen der Urheberrechte sogar schon vor Gericht. Der Fonds hatte zuletzt gegen die geplante Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Studie der Stiftung geklagt. Doch ein niederländisches Gericht entschied anders. Texte aus dem Tagebuch dürfen nach dem Urteil vom Dezember für wissenschaftliche Zwecke kopiert und veröffentlicht werden. Die Freiheit der Wissenschaft habe Vorrang vor dem Urheberrecht.

Die Richter bestätigten aber auch die Verlängerung des Urheberrechts. Da noch 1986 die textkritische Gesamtausgabe mit bis dahin unveröffentlichten Textpassagen erschienen war, gelte das Urheberrecht weitere 50 Jahre bis 2036 - zumindest in den Niederlanden. Dem stimmt auch die Stiftung zu und legte ihren Plan einer erneuten Veröffentlichung auf Eis.

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