ARD Themenwoche:

Stürmischer Auftakt in eine tolerante Woche

Mehr Toleranz wollte die ARD mit ihrer Themenwoche schaffen – und muss sich jetzt massive Vorwürfe gefallen lassen. Was läuft hier schief?

Ist ein Stirnkuss unter Männern „Normal oder nicht normal?“ Das Plakat klärt scheinbar nicht auf.
Thomas Leidig/BR/ARD Ist ein Stirnkuss unter Männern „Normal oder nicht normal?“ Das Plakat klärt scheinbar nicht auf.

Vermutlich hat die ARD gegenüber ihrer Werbekampagne mehr Toleranz erwartet. Bevor die Themenwoche unter dem Titel „Anders als du denkst“ überhaupt losgegangen ist, musste der Sender Vorwürfe über sich ergehen lassen. Plakate mit Abbildungen eines Schwarzen, eines Rollstuhlfahrers, eines schwulen Paares und eines schreienden Kindes verstanden Kritiker als „intolerant“. Vor allem wegen Slogans wie „Normal oder nicht normal?“ und „Belastung oder Bereicherung?“

An diesem Sonnabend geht es nun um 10.45 Uhr im „Ersten“ los – mit dem Beitrag „Grenzgänger – Wie tolerant bist Du?“ über Vorurteile unter Jugendlichen. „Wir hoffen, dass sich die Diskussion jetzt auf die gesellschaftlich wichtigen Themen der Toleranzwoche konzentriert“, sagt der Koordinator der Themenwoche, Hans-Martin Schmidt.

Schnell entstanden Kalauer mit Fotomontagen

Nicht nur Publikationen und Foren der schwulen Community greifen das Projekt an. Auch der Paritätische Gesamtverband fand die Poster „sehr unglücklich und wenig reflektiert“. Mit einigen Interessensverbänden und Vereinen, unter anderem der Heinrich-Böll-Stiftung, hat der Grünen-Bundestagspolitiker Volker Beck einen Offenen Brief an die Geschäftsführerin der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz verfasst: „Sie verlassen als öffentlich-rechtliche Medien allerdings Ihren gesetzlichen Auftrag, wenn Sie Teile unserer Gesellschaft in ihrer Existenz infrage stellen.“

In sozialen Netzwerken gab es in vielen Beiträgen Vorwürfe oder Kalauer mit Fotomontagen, die die Poster aufspießten. Twitter-Userin Julia Probst schrieb etwa: „Die #ardthemenwoche ist ja ein Reinfall, wenn man sich mal so die Plakatsprache und die Aussage darauf anguckt.“

Beistand bekam die ARD aber auch: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält die Themenwoche nach Angaben seines Sprechers für „einen wichtigen Beitrag einer lebendigen Toleranzkultur in Deutschland“.

Die gute Idee werde nicht deutlich

Schmidt tut es leid, „wenn Menschen sich persönlich betroffen fühlen durch diese Kampagne. Das ist natürlich nicht die Intention gewesen.“ Aber: Wenn man die Nutzerkommentare betrachte, seien die Meinungen „durchaus differenzierter“.

Jens Vogelgesang, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Münster, erklärt das Problem der Kampagne so: Auf den Plakaten stehen nach seinen Worten Sätze, „die zwei Deutungen zulassen. Es gibt Leute, die so denken: Ein Schwuler ist nicht normal. Und das wird dann auf den Postern nicht eingeordnet“, sagte Vogelgesang. Die gute Sache dahinter, die die ARD bezweckt habe, werde nicht deutlich.

Ein Höhepunkt der Themenwoche wird am Mittwoch das Drama „Das Ende der Geduld“ (20.15 Uhr) sein. Es geht um die Jugendrichterin Corinna Kleist (Martina Gedeck), inspiriert von der wahren Geschichte der Berliner Richterin Kirsten Heisig. Sie hatte gegen alle Widerstände das Neuköllner Modell initiiert, nach dem die Straftaten von Jugendlichen in wenigen Wochen geahndet werden – und nicht erst Monate später. Der Film fragt auch, was falsch gelaufen ist bei der Integration von jungen Einwanderern. Heisigs Suizid schlug im Jahr 2010 bundesweit hohe Wellen.

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