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Tukurs neuer Tatort bricht alle Rekorde

Rekordverdächtige 47 Tote und unzählige Anspielungen: Der neue „Tatort“ mit Ulrich Tukur ist bereits vor Ausstrahlung preisgekrönt. Er sprengt das Format der ARD-Reihe und dürfte damit polarisieren.

Kommissar Felix Murot als LKA-Ermittler (Ulrich Tukur) in einer Szene der „Tatort“-Folge „Im Schmerz geboren“.
HR Kommissar Felix Murot als LKA-Ermittler (Ulrich Tukur) in einer Szene der „Tatort“-Folge „Im Schmerz geboren“.

William Shakespeare und Sergio Leone, François Truffaut und Quentin Tarantino, Ludwig van Beethoven und Vincent van Gogh: Der neue „Tatort“ aus Wiesbaden mit Ulrich Tukur strotzt nur vor Anspielungen und Zitaten aus Theater, Film, Musik und Kunst. Ein Erzähler, zugleich Bösewicht gespielt von Alexander Held, führt nach der Manier des antiken Theaters die Zuschauer durch den Film – einem Rachefeldzug im Geiste Shakespearischer Dramen.

Außer der Titelmelodie erinnert in dem vierten Fall von LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) kaum etwas an das übliche Format der beliebten Krimireihe. Zwei Auszeichnungen hat das ambitionierte Experiment bereits erhalten: Den Medienkulturpreis von Ludwigshafen und den Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis des Filmfests München. „Packendes Fernsehen, das für Diskussionsstoff sorgen wird“, befand die Jury in München.

Alte Bekanntschaft macht es Ermittler schwer

Worum geht es? Die Handlung ist erzählt wie in den großen Dramen von Liebe, Tod, Verrat und Rache. Es geht auch um eine Lebenslüge, um Vater-Sohn-Beziehungen und das Wesen von Freundschaft. Ermittler Murot wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als sein alter Freund Richard Harloff (Ulrich Matthes) aus Bolivien zurück kehrt, wo er Jahrzehnte lang im Drogenkrieg mitgemischt hat.

Harloff hat einige Rechnungen offen und will diese begleichen. Die beiden Männer verbindet ihre gemeinsame Zeit auf der Polizeischule, vor allem aber die Liebe zu einer Frau. Die Dreiecksbeziehung mit tödlichem Ausgang ist eine Anlehnung an François Truffauts 60er-Jahre-Liebesfilm „Jules und Jim“.

Es bleibt nicht Ulrich Tukurs letzter Fall

Regisseur Florian Schwarz hat nach dem Drehbuch von Michael Proehl eine dichte Geschichte in Szene gesetzt, nicht nur voller Anspielungen auf allerlei kulturelle Perlen, sondern auch mit ungewohnten, beeindruckenden Bildern - etwa wenn die beiden alten Freunde direkt neben dem Trupp eines Spezialeinsatzkommandos Kaffee trinken. Die schauspielerische Leistung der Antagonisten Tukur und Matthes wird voraussichtlich auch jene Zuschauer mitreißen, denen die Geschichte überdreht oder überladen vorkommen mag.

Und Tukur ermittelt weiter: Die Dreharbeiten für seinen fünften „Tatort“ sollen im November beginnen. „Wer bin ich?“ lautet der Titel, bei dem es um einen Film im Film gehen soll. Zunächst ist aber am 22. Februar 2015 die letzte Solofolge mit Joachim Król als Frank Steier („Das Haus am Ende der Straße“) zu sehen. Der erste Fall des neuen Ermittler-Duos Margarita Broich und Wolfram Koch wird am 17. Mai ausgestrahlt; die Dreharbeiten für den zweiten haben gerade begonnen.

Die Produktion des Hessischen Rundfunks mit dem Titel „Im Schmerz geboren“ ist an diesem Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen.