Und der Emmy geht an ... :

TV-Oscar für „Unsere Mütter, unsere Väter“

In New York jubelten zehn Deutsche – nicht elf wie beim WM-Finale in Brasilien. Aber die Ausgelassenheit war kaum geringer: Die Miniserie hat einen International Emmy gewonnen.

Riesenjubel beim Team von „Unsere Mütter, unsere Väter‘ nach der Entscheidung.
Andrew Gombert Riesenjubel beim Team von „Unsere Mütter, unsere Väter‘ nach der Entscheidung.

Es war nun wirklich nicht der erste deutsche Emmy, aber er wurde so gefeiert. Ausgelassen bejubelten die fünf Hauptdarsteller von „Unsere Mütter, unsere Väter“ am Montagabend (Ortszeit) in New York den Preis, Produzent Nico Hofmann sprach gar vom „glücklichsten Moment in meinem Berufsleben“. Kein Wunder, die Gala in New York hat Prestige und deutsche Unterhaltung international ansonsten nicht den besten Stellenwert. Und doch bleibt ein Beigeschmack beim deutschen Fernsehblick auf den Zweiten Weltkrieg.

Das Staunen und die hochgereckten Fäuste der fünf Darsteller Volker Bruch, Tom Schilling, Katharina Schüttler, Ludwig Trepte und Miriam Stein, das gemeinsame Hochspringen für die Kamera, das wirkte noch begeisterter als bei den Gewinnern in den anderen Sparten. Deutschland jetzt auch Weltmeister bei den Miniserien? Es ist der Ritterschlag für den ZDF-Dreiteiler, der die deutsche Sicht auf den Zweiten Weltkrieg anhand der Schicksale von fünf jungen Leuten darstellen wollte. Den International Emmy – mehr kann eine nichtamerikanische Produktion in der Welt nicht gewinnen.

Emmy ging viermal nach Dänemark

Aber was ist der Preis überhaupt wert? Um es kurz zu machen: in den USA nicht viel. Die International Emmys haben nicht mal annähernd den Glanz der Emmys für das amerikanische Fernsehen. Der internationale Ableger taucht in den US-Medien am Dienstag praktisch nicht auf. Es ist fast so, als hätte in Deutschland Arte einen eigenen Fernsehpreis vergeben – und niemand hat es so recht gemerkt.

Dabei gibt es in den USA durchaus einen kleinen Markt für ausländische Produktionen. Britische und kanadische sowieso, aber gerade die Dänen sind mit guten Ideen und unkonventionellen Produktionen erstaunlich stark. Der Emmy für Dramaserien ging in den vergangenen zwölf Jahren viermal nach Dänemark. Deutschland: null.

"Bequeme Vereinfachung der Sichtweise"

Auch wenn der Emmy für die beste Miniserie immer wieder nach Berlin, Potsdam oder München geht (etwa für „Die Manns“ 2002 oder „Die Wölfe“ 2009), deutsche Produktionen sind vor allem bei den Dokumentationen stark. Gelingt da ein besonders guter, realistischer Blick auf die Zerrissenheit junger Deutscher im Zweiten Weltkrieg? Im Ausland waren viele skeptisch. So waren die Polen empört über einen antisemitischen Widerstandskämpfer – obwohl einige Holocaustüberlebende genau das beschreiben.

„Geschichtsstunde, retuschiert“ überschrieb dann auch die „New York Times“ ihre Kritik der Miniserie. Die Zeitung ist mit der Geschichte ihres eigenen Landes kritisch und erkennt sonst durchaus den Willen der Deutschen zur Auseinandersetzung mit der Nazizeit an. Aber der Film „stellt zumindest zum Teil wieder die Auffassung her, dass die einfachen Deutschen von den Nazis verführt wurden und keine Ahnung von ihren Verbrechen hatten.“

Auch andere Zeitungen bescheinigen „Generation War“ Spannung und Dramatik – aber eben auch den Versuch „ein paar Flecken von der Weste zu wischen“ („Los Angeles Times“). Auch die „Washington Post“ fand, dass die Filmemacher eine Generation, die Schuld auf sich geladen habe, zu einfach vom Haken ließen. Allerdings schreibt das Blatt auch: „Aber um ehrlich zu sein: ,Generation War‘ macht genau das gleiche, was viele amerikanische Kriegsfilme tun, nur eben von der anderen Seite: Die Vereinfachung der Sichtweise, damit es bequemer für alle wird.“