Interview zur neuen ARD-Reihe:

TV-Star Natalia Wörner macht jetzt in Politik

Für Natalia Wörner ist es ein furioser Einstieg in die Dreharbeiten: Um sich auf Ihre neue Rolle in der ARD-Reihe „Die Diplomatin“ vorzubereiten, hat sie den Außenminister auf einer Reise begleitet. Die Schauspielerin sprach mit Maurizio Gambarini und Michael Kieffer über ihre Reise und Politik.

Eine Schauspielerin auf dem politischen Parkett: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die Natalia Wörner flogen gemeinsam nach Südkorea und Indonesien.
Maurizio Gambarini Eine Schauspielerin auf dem politischen Parkett: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die Natalia Wörner flogen gemeinsam nach Südkorea und Indonesien.

Frau Wörner, in Deutschland kommt Politik in Fernsehserien bisher nicht so gut an ...

In Deutschland tun wir uns sehr, sehr schwer mit politischen Stoffen. Es läuft entweder Satire – oder es sind Komödien, die für alle Beteiligten recht unwürdig sind.

In der Sat.1-Komödie „Die Staatsaffäre“ zog Veronica Ferres kürzlich als Kanzlerin Kritik auf sich. Und jetzt probieren Sie es mit der ARD-Reihe „Die Diplomatin“?

Unser Anliegen bei dieser Reihe ist, dass deutsche Politik erzählt wird, aber nicht als Kulissenschieberei. Sprich: Wir versuchen nicht, vor der Kulisse des Auswärtigen Amtes irgendwelche mehr oder minder emotionalen Geschichtlein zu erzählen, sondern wir versuchen, den politischen Alltag zu erzählen. Der Film wagt sich in ein Terrain, das es bei uns so noch nie gab – inhaltlich, vom Genre und auch von der Erzählstruktur her.

Worum geht es?

Ich möchte die Handlung natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es geht um die Diskussion um Waffenexporte, um Rüstungspolitik, um den Umgang mit Entführungsfällen. Das hat eine Aktualität bekommen in den letzten Wochen und Monaten, die wir vorher nicht vermuten konnten. Ich spiele eine Frau, die durchaus einen komplexen Charakter hat.

Sind wir in Deutschland zu unpolitisch?

Ich glaube schon, dass wir als Gesellschaft politischer werden müssen. Und wenn ich von meiner Branche und von mir als Zuschauerin ausgehe: Ich bin ein bisschen krimimüde. Wir haben sehr viele Krimis, auch tolle Formate, aber es ist inflationär, nach meinem Geschmack. Deswegen freue ich mich als Schauspielerin, mich in eine Welt zu bewegen, wo wir ein bisschen Pionierarbeit leisten.

Und dabei hoffen Sie auch auf das Publikum ...

Ich wünsche mir natürlich, dass das breite Publikum eine Affinität dafür hat. Ohne dass man jetzt pädagogisch werden möchte: Aber die Stoffe werden nicht die einfachsten sein, es ist nicht nur Unterhaltung. Es ist eine Welt, auf die man sich einlassen muss – eine Welt, die manchmal unangenehm ist.

Was nehmen Sie von der Reise mit Außenminister Steinmeier mit?

Es war toll, dass ich auf dieser Reise im Geschehen sein konnte. Ich habe die letzten Wochen viel Zeit im Auswärtigen Amt verbracht, aber ich hatte natürlich nie die Gelegenheit, so mitten in der Crew zu sein – zu sehen, wie sich ein ganzer Stab vorbereitet, wie die Hierarchien laufen und was an Aufwand und Komplexität zu bewältigen ist. Ich habe jetzt Einblicke bekommen, wie ich es mir nicht erträumen ließ vorher. Ich komme sozusagen mit vollem Gepäck zurück. Das ist der furioseste Einstieg in einen Dreh, den ich überhaupt je erlebt habe.