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Ulrike Folkerts ist der weibliche Schimanski

25 Jahre und 60 Fälle – Kommissarin Lena Odenthal ist ein Dauerbrenner im „Tatort“. Darstellerin Ulrike Folkerts debütierte noch vor dem Mauerfall. Im Interview mit Carsten Rave und Jasper Rothfels spricht sie über Wünsche und was sie von einer Rollen-Rente mit 65 hält.

Die Schauspielerin Ulrike Folkerts ist für viele eines der Gesichter des Tatorts - kein Wunder, sie ermittelt im 60. Fall.
Patrick Seeger Die Schauspielerin Ulrike Folkerts ist für viele eines der Gesichter des Tatorts - kein Wunder, sie ermittelt im 60. Fall.

25 Jahre „Tatort“. Wie hat Lena Odenthal sich in dieser Zeit entwickelt?

25 Jahre, ein Vierteljahrhundert, 1989 Mauerfall, mit 25 ist man 7 Jahre volljährig, das ist eine irre lange Zeit, auch in meinem Leben. Lena O. ist durch viele verschiedene Entwicklungsstadien gegangen, von der Ruppigen, Toughen, zur Verständnisvollen und Empathischen. Dann der Versuch des Senders, einen Frauentyp zu entwerfen, der zwar weiblich einfühlsam und dennoch stark, intelligent und emanzipiert ist. Wenn ich das heute betrachte, war das fast zu viel Betroffenheit anstelle von Auseinandersetzung. Mich reizt heute mein altes Image: „der weibliche Schimanski“. Das bedeutet, Lena Odenthal ist sperrig, sportlich, eine einsame Wölfin, sie ist natürlich heute erfahrener, verlässt sich noch mehr auf ihre Intuition, wird Vorbild oder Identifikationsfigur, sie steht für Authentizität.

Sie hatten in Ihrem „Tatort“ ja schon viele Krimi-Konstellationen. Welche Art von Fall fehlt noch im Ludwigshafener Tatort, was hätten Sie gerne?

Eine intelligente Undercover-Geschichte würde ich gerne machen. Die Kommissarin ermittelt in einem bestimmten Milieu, darf nicht auffliegen und begibt sich dadurch auf gefährliches Terrain. Oder einen „Tatort“, bei dem der Zuschauer von Anfang an den Täter oder die Täterin kennt und ein irres Schauspiel beginnt. Ein Zweikampf, der beide Seiten an seine Grenzen bringt, ein Kräftemessen, das gab es früher öfter und war sehr spannend! Letztlich ist ausschlaggebend für die Spannung eines Krimis, dass wir ein kluges, virtuoses, nicht vorhersehbares Drehbuch vorliegen haben. Dann steht einer guten Umsetzung kaum noch was im Weg.

In einem Interview hatten Sie sich kürzlich beklagt, der „Tatort“-Kommissar sei politisch korrekt, das hemme Drehbuchschreiber, das Leben zu zeigen, wie es ist. Was sollen sie zeigen?

In „Blackout“ hatte Lena Odenthal die Möglichkeit zu zeigen, was passiert, wenn eine Kommissarin aus dem Gleichgewicht gerät, wenn sie Fehler begeht, wenn sie nicht mehr funktioniert wie bisher, wenn sie ausrastet, ungerecht wird, unfähig wird, sich mitzuteilen. Für mich als Schauspielerin war dieser „Tatort“ interessant zu spielen, weil die Figur wirklich etwas durchmacht. Und ich gehe davon aus, dass es auch für die Zuschauer spannend sein wird, mit Lena ihren 60. Fall zu lösen.

Im Jubiläums-“Tatort“ sieht man die toughe Lena Odenthal von ungewohnter Seite: Sie hat Herzrasen, bricht zusammen, weint. Sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht?

Das reale Leben ist eine Inspirationsquelle für „Tatort“-Geschichten. Nicht nur ich kenne in meinem Umfeld immer mehr Menschen, die in ihrem Beruf und Leben komplett an ihre Grenzen kommen und ein Burnout haben. Das Besondere am Burnout ist, dass viele Betroffene versuchen, ihre „Grenze der Belastbarkeit“ zu kaschieren. Und genau das passiert Lena, sie will sich nicht eingestehen, dass sie schwach ist. Wichtig in diesen Situationen ist das Umfeld, in diesem Fall Lenas Kollege Kopper, der sie so gut kennt, dass er als einziger reagiert. Dem macht sie nichts vor.

Wie fühlt es sich an, die Dienstälteste in der Runde zu sein?

Das ist cool – ich bin doch in guter Gesellschaft.

Werden Sie – wie der Durchschnittsdeutsche – mit 65 als „Tatort“-Kommissarin in Rente gehen?

Durchschnittsdeutsche – das klingt ja furchtbar. Nein, ich mache das anders, wie, das bleibt mein Geheimnis.

 

„Blackout“ – Der Jubiläums-„Tatort“ mit Lena Odenthal läuft am Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD.