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Und immer wieder rutscht das Mieder

Zwar setzt der Liederabend „Männerbeschaffungsmaßnahmen“ auf Klischees, aber gelacht werden darf trotzdem ganz ordentlich.

Männerbeschaffungsmaßnahmen: Ein Stück nicht nur für Frauen.
Männerbeschaffungsmaßnahmen: Ein Stück nicht nur für Frauen.

Im Jogginganzug poltert Christiane auf die Bühne. Hechelt, schnaubt und schimpft wie ein Kesselflicker. Natürlich geht’s ums Gewicht, um den Stress und die Hektik des Alltags. Sie ist angewidert von den Teilnehmerinnen ihres Männerfindungsseminars. Birgit Lenz macht ihre Figur zur echten Tussi. Zickig und egozentrisch bis dort hinaus. Der Zuschauer weiß nicht, ob er sie mögen soll, weil sie mit all dem gleichen Kram zu kämpfen hat wie alle im Publikum. Oder ob der Betrachter denken soll: Oh nein, wieder so ’ne Unterhaltung, die auf Klischees und Stereotypen aufbaut.

Unbeschönigt: Bis zu einem gewissen Grad ist es so. Fünf Frauen fabulieren, sinnieren und lamentieren darüber, wie sie sich verlieben und wieder entlieben, wie sie einen Mann angeln und ihn wieder los werden, wie sie die Tränen trocknen und es dem Scheißkerl heimzahlen. Doch was die Hauptdarsteller daraus machen, das lässt „Männerbeschaffungsmaßnahmen“, die im Schauspielhaus Neubrandenburg Premiere feierten, zu dem werden, was es ist: ein unglaublich amüsanter Abend, bei dem manche Dame – und mancher Herr, so viel muss man über sich selbst schmunzeln können – im Publikum Tränen lacht. Die 22 eingeflochtenen Lieder von Trude Herr über Rosenstolz bis James Brown bringen Schwung in die Bude, selbst wenn die Schauspieler unterschiedlich gute Talente aufweisen.

Fünf Charaktere eindrucksvoll gespielt

Da sind also diese wundervollen und wahrlich fünf grandiosen Typen mit ihren Macken, Ecken, Kanten und Schrullen. Und die Besetzungen – sehr gut gewählt. Dass Karin Hartmann in dieser Riege nicht fehlen darf, muss eigentlich gar nicht erwähnt werden. In so vielen Stücken hat sie ihr komisches, schnoddriges Talent mit einem furztrockenen Humor schon bewiesen. Ihre Angela, pardon: Antschela, hoppelt zur Entspannung auf einem Sitzball und kullert wie ein fallen gelassener Apfel meterweit über die Bühne. Ein Riesenlacher. Ganz klar!

Sie empfindet Küssen als Schwachsinn. „Bin ich 17?“, fragt sie mit stark hochgezogener Stimme am Ende des Satzes, den der Zuschauer mit einem „Ich will lieber heißen Sex“ in Gedanken vervollständigt. Das Kücken der Truppe, Anna Jamborsky, überrascht mit einer tollen Stimme. Schon den zweiten Titel, „It’s Raining Men“, pfeffert sie mit so viel Schmackes über die Rampe, dass man das Schauspielhaus am liebsten in eine Disco verwandeln möchte. Im nächsten Moment gibt sie ihrer Sabine eine herrliche Weinerlichkeit, dass das Kinn zuckt und die Mundwinkel hängen. Amanda Fiedermann überzeugt als burschikose, robuste, kernige Laura. Der Zuschauer wäre kaum überrascht, würde sie sich am Ende als Kampflesbe outen. Dafür stimmt mit Chantal etwas nicht. Heiko Gülland schmuggelt sich als Transe mit Blumen-Taftoberteil und violetten Pumps in die Frauenselbstfindungsgruppe, ehe er sich entblättert und ihm die Weiber am gar nicht so adonisigen Körper hängen. Alles köstlich, ganz köstlich.

Weitere Vorstellungen: 1.11, 10.11, 28.11., 26.12., 9.1., 17.1., 26.1. und 15.2. im Schauspielhaus Neubrandenburg und am 15.11. und 21.12. im Landestheater Neustrelitz.