Neu im Kino:

US-Komödie „The Boss“ bietet derbe Zoten und wenig dahinter

Melissa McCarthy ist in den USA kaum zu stoppen. In ihrem neuesten Film „The Boss“ bleibt die Schauspielerin beim Klamauk und hat damit an den amerikanischen Kinokassen großen Erfolg - doch die Kritiker haben anders reagiert.

Melissa McCarthy als Michelle Darnell in einer Szene des Kinofilms "The Boss".
Universal Pictures Melissa McCarthy als Michelle Darnell in einer Szene des Kinofilms "The Boss".

Melissa McCarthy ist ein Phänomen: Hierzulande kennen nur wenige ihren Namen, doch in den USA ist sie einer der erfolgreichsten Filmstars der Stunde. Egal ob „Spy - Susan Cooper Undercover“, „Taffe Mädels“ oder „Brautalarm“: Wenn die 45-Jährige in derben Frauen-Komödien mitspielt, klingeln die Kinokassen. Eine eigene Kleiderkollektion beim Homeshopping-Sender HSN und sympathische Auftritte wie zuletzt bei der Late-Night-Show von Jimmy Fallon runden den Eindruck ab: McCarthy ist „Everybody’s Darling“. In Deutschland ist das noch ein wenig anders und so wie es aussieht, wird ihr neuester Film „The Boss - Dick im Geschäft“ daran nichts ändern.

Es geht darin um Michelle Darnell, schwerreiche Vorstandsvorsitzende von drei Riesenunternehmen, Motivationstrainerin und Powerfrau, wie es sie nur im Land von Oprah Winfrey und Martha Stewart geben kann. Das schöne Leben hat kurz ein Ende, als Darnell wegen Insiderhandel ins Gefängnis muss. Zurück in Freiheit, quartiert sie sich bei ihrer alleinerziehenden früheren Assistentin (Kristen Bell) und deren Tochter Rachel ein. Bei deren Pfadfinder-Treffen soll der Wohltätigkeitsverkauf von Keksen vorangebracht werden, aber Darnell schmiedet einen eigenen Plan. Mit einem Brownie-Imperium soll es zurückgehen an die Spitze der US-Unternehmenswelt. 

Unwitzigste Filmszene des Jahres

Das liest sich nicht nur wie ein reichlich hanebüchener Plot, sondern kam bei der US-Kritik auch genau so an. Die Charaktere blieben platt und der Inhalt sei „dünn wie Papier“, hieß es da. Ein Straßenkampf zwischen den „Darnell’s Darlings“ und einer gegnerischen Pfadfindergruppe ist nach Meinung der „Chicago Sun“ die „verachtenswerteste, schlechtest-beratene, furchtbar ausgeführte und absolut spektakulär unwitzigste Filmszene des Jahres“. 

Doch letztlich hat der Film nicht nur allgemein bei der Handlung, sondern auch in Sachen Witz ein Problem. Einige Sprüche landen dank des guten Gespürs für Timing von McCarthy. Den Kern aber bilden Zoten über Geschlechtsteile, Vagina-Operationen und Oralverkehr - mutmaßlich umso witziger, je lauter sie vor Kindern gerissen werden.

Zugute gehalten werden kann dem Film vielleicht noch, dass McCarthy zwar erneut das Abziehbild der lauten Dicken gibt, aber ihre massive Statur nicht für laue Gags eingesetzt wird. Aus anderen Filmen sind Zuschauer da durchaus Schlimmeres gewohnt. Gut getroffen ist auch der viele Unternehmenssprech: Mit Worthülsen über „das große Geld“ und den Weg an die Spitze durch harte Arbeit werden die stets vom Reichtum faszinierten Show-Großkapitalisten à la Donald Trump gut aufs Korn genommen.

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