Freie Erde:

Vom Parteiorgan zur seriösen Tageszeitung

Das Vorgänger-Blatt des Nordkurier war eine Partei- und Staats-Zeitung. Es wurde damals streng darüber gewacht, was und wie berichtet wurde. Nicht nur in Neubrandenburg.

Von 1952 bis 1990 belieferte die "Freie Erde" die Menschen in der Region mit Informationen. Als Partei- und Staats-Zeitung wurde aber nur gedruckt, was erlaubt war.

Die Staatspartei SED rief die Freie Erde 1952 als Zeitung für den neu entstandenen DDR-Bezirk Neubrandenburg ins Leben.

Zunächst wurde allerdings noch nicht in der Bezirkshauptstadt, sondern in Neustrelitz produziert - zum Teil mit den Hinterlassenschaften des enteigneten örtlichen Verlegers Henry Pape. 

Die neue Zeitung war ein reiner Parteibetrieb. Der Verlag und die Druckerei "Erich Weinert" gehörten der SED. Die Zustellung und Verwaltung der Abonnements erfolgte - wohl kontrolliert - über den staatlichen Postzeitungsbetrieb PZV. 

Zeitung folgte der SED-Bezirksleitung

Nachdem der Rat des Bezirkes und die SED-Bezirksleitung 1969 nach Neubrandenburg gezogen waren, folgte die Freie Erde im April 1974. Mit dem neuen Produktionsstandort an der heutigen Woldegker Straße änderte sich auch das Druckformat des Blattes, die Zeitung wurde größer. Das jährliche FE-Pressefest mit bis zu 80.000 Gästen feierte man allerdings schon Jahre vor dem Umzug in Neubrandenburg.

Zu Beginn der Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts haben die 14 Bezirkszeitungen noch Gewinne in die Parteikasse gespült, zum Ende der DDR wurden auch sie subventioniert. Der Kaufpreis war in der Planwirtschaft auf 15 Pfennig festgelegt. So erreichte die Freie Erde die festgelegte Maximalauflage von 200.000 Exemplaren. Mehr war im Bezirk mit 620.000 Einwohnern aber nicht drin, weil die Kosten für Papier und Energie nicht ausgeglichen werden konnten.

Der Sekretär für Agitation und Propaganda in der SED-Bezirksleitung hatte direkten Zugriff auf die Inhalte. Bei wichtigen Ereignissen schaute er abends in der Redaktion vorbei und nahm Änderungen vor. Der Chefredakteur wurde vom Zentralkomitee (ZK) in Berlin berufen und war Mitglied der SED-Bezirksleitung. Es handelte sich nicht um eine unabhängige Redaktion, die unter Zensur stand. Vielmehr waren alle Redakteure Parteimitglieder und erfüllten ihren Auftrag als politische Agitatoren.

10.000 demonstrieren gegen die Berichterstattung

Am Montag, den 4. Dezember 1989, demonstrierten über 10.000 Menschen vor dem Verlagsgebäude gegen die Partei-Presse und für Meinungsfreiheit. Danach änderte sich die Zeitung schrittweise. Die Freie Erde erschien ab 18. Dezember als „Sozialistische Tageszeitung im Bezirk Neubrandenburg“ mit Sonderseiten der Bürgerbewegungen. Am 18. Januar 1990 hieß es dann in der Unterzeile: "Unabhängige Tageszeitung", im April erschien der erste Nordkurier, der zunächst von der Treuhandanstalt verwaltet wurde. 

Unterstützung fanden die Zeitungsmacher nach der SED-Zeit bei den drei mittelständischen Zeitungsverlagen Kieler Nachrichten, Schwäbische Zeitung und Augsburger Allgemeine, die seit 1991 zu gleichen Teilen Gesellschafter des Kurierverlags in Neubrandenburg sind. 

2012 hat die Berliner Historikerin Christiane Baumann die Geschichte der Freien Erde im Rahmen eines Forschungsprojekts der MV-Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen zusammen mit dem Nordkurier aufgearbeitet. In ihrer Arbeit stellte sie fest, dass in der damaligen Belegschaft eine hohe Zahl inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die Staatssicherheit gearbeitet hatte. Der Nordkurier hat Baumanns Forschungsarbeit in einer Artikel-Serie sowie im Buch "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" publiziert. 

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