Perspektivwechsel in Hollywood:

Warum sich Stars hinter die Kamera verkrümeln

Vielen Schauspielern wird es vor der Kamera zu langweilig. Angelina Jolie will nur noch Regie führen. Auch Russel Crowe feiert nun sein Regie-Debüt. Was reizt die Darsteller am Perspektivenwechsel?

Schauspielerin Angelina Jolie liebt die Arbeit hinter der Kamera so sehr, dass für sie feststeht, die Arbeit vor der Kamera irgendwann in der Zukunft an den Nagel zu hängen.
UNIVERSAL AUSTRALIA AND NEW ZEALAND Schauspielerin Angelina Jolie liebt die Arbeit hinter der Kamera so sehr, dass für sie feststeht, die Arbeit vor der Kamera irgendwann in der Zukunft an den Nagel zu hängen.

So viel Aufmerksamkeit für sein zweites Regiewerk hat der kanadische Komödiant Seth Rogen bestimmt nicht erwartet. Bekannt wurde er mit Rollen in Blödelfilmen wie „Bad Neighbors“, „Superbad“ und „Ananas Express“, dann wechselte Rogen hinter die Kamera. 2013 inszenierte er zusammen mit Evan Goldberg die Nonsense-Comedy „Das ist das Ende“.

Nun legte das Regie-Duo eine schräge Satire nach, die weltweit einen Riesenwirbel auslöste. In „The Interview“ wird Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un Zielscheibe eines fiktiven Attentats. Das Filmstudio Sony Pictures wurde wegen des Films Ziel eines massiven Hackerangriffs. Zudem gab es Terrordrohungen gegen Kinos. Sony wollte „The Interview“ zurückziehen, entschied sich dann aber für eine Veröffentlichung. All dies hätte wohl nicht werbewirksamer sein können.

Viele Stars führen Regie

Mit dem Wechsel hinter die Kamera liegt Rogen voll im Trend. Russell Crowe
gibt sein Regiedebüt, Angelina Jolie dreht einen weiteren Film, Jake Gyllenhaal ist auf der Suche nach einem geeigneten Stoff.

Das Filmepos „Das Versprechen eines Lebens“ von Regie-Neuling Crowe feierte kürzlich in Australien Premiere. Der Oscar-Preisträger („Gladiator“) erzählt darin die Geschichte eines Farmers, der 1919 in die Türkei reist, um dort seine im Ersten Weltkrieg verschollenen Söhne zu suchen. Hollywoodstar Angelina Jolie bringt mit dem Kriegsdrama „Unbroken“ ihr zweites Regiewerk ins Kino.

Angelina Jolie will Schauspielerei aufgeben

Nach Jahren vor der Kamera sagte sie kürzlich der Zeitschrift „Du Jour“: „Als Schauspieler habe ich mich nie wohlgefühlt, ich habe es nie gemocht, vor der Kamera zu stehen“. Als Regisseurin sei sie glücklicher. In ihrem nächsten Film „By the Sea“ tut sie noch beides: Sie ist Co-Star von Brad Pitt und gibt zugleich ihrem Ehemann Regieanweisungen.

Robert Downey Jr. vertraute dem Filmportal „Deadline.com“ im Dezember an, dass Regie führen für ihn „in Sicht“ ist. Er wisse aber, dass es ein äußerst strapaziöser Job ist. Auch Jake Gyllenhaal, der mit seiner Rolle in „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ für einen Golden Globe als bester Dramadarsteller nominiert ist, sucht einen fesselnden Regiestoff. Er müsse aber noch etwas „überheblicher“ werden, bevor er ein Projekt anpackt, flachste der Star im Oktober auf einer Filmkonferenz in New York. Andere habe weniger Hemmungen. Rupert Friend will im Frühjahr mit der Roadmovie-Komödie „Barton and Charlie and Checco and Bill“ sein Regiedebüt geben. Emily Blunt, die mit ihm „Young Victoria“ drehte, will eine Hauptrolle spielen. Auch Ryan Gosling („Drive“) ist unter die Filmemacher gegangen. 2015 soll sein Fantasy-Thriller „Lost River“ mit Christina Hendricks und Saoirse Ronan auf die Leinwand kommen.

Dustin Hoffman („Rain Man“, „Tootsie“) ließ sich vom Alter nicht bremsen. Mit 74 Jahren führte der zweifache Oscar-Preisträger erstmals Regie. „Quartett“ ist ein berührender Film über einen Opernsänger in einem Altersheim.

Oscar-Gewinn als Regisseur statt als Schauspieler

Für viele gestandene Schauspieler hat sich der Wechsel ins Regie-Fach mit Trophäen bezahlt gemacht. Clint Eastwood gewann seine vier Oscars nicht als Darsteller, sondern als Regisseur und Produzent von „Million Dollar Baby“ und „Erbarmungslos“. Auch Kevin Costner holte seine beiden Goldjungen als Regisseur und Produzent des Indianerepos „Dances With Wolves“ („Der mit dem Wolf tanzt“). Mel Gibson gewann mit „Braveheart“ den Regie-Oscar. Für sein drittes Regie-Werk „Argo“ wurde Ben Affleck 2013 mit dem Oscar als Produzent des besten Films gekürt.

Multitalent George Clooney ist nach politischen Filmen wie „Good Night, and Good Luck“ und „The Ides of March – Tage des Verrats“ noch ohne Regie-Oscar. Die Trophäe gewann er 2006 als bester Nebendarsteller in „Syriana“. Trotz seiner Vorliebe für Regie bleibt Clooney seiner ersten Karriere treu. Mit den Coen-Brüdern dreht er derzeit „Hail, Caesar!“.

Jodie Foster holt ihn im Frühjahr für das Geiseldrama „Money Monster“ vor die Kamera. Angelina Jolie schlägt andere Töne an. Auf die Frage des „Du Jour“-Magazins, ob sie die Schauspielerei ganz aufgeben wolle, kam eine
unmissverständliche Antwort. „Unbedingt“, sagte der Welt-Star.

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