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„Was kann man über die Liebe schon lehren?“

Diane Keaton (68) ist eine stilprägende Legende unter den Hollywoodstars. Nun stand sie erstmals gemeinsam mit Michael Douglas für die romantische Komödie "Das grenzt an Liebe" vor der Kamera. Über große Gefühle, Fotografie und ihre Bücher hat André Wesche mit der Schauspielerin gesprochen.

Diane Keaton.
Walter Bieri Diane Keaton.

Ms. Keaton, kann man Ihre Rolle in „Das grenzt an Liebe“ auch als eine Annie Hall 35 Jahre später sehen?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, aber es ist interessant. Sie haben absolut Recht, so kann man das interpretieren. Sie ist erwachsen und eine nette Frau geworden.

Welche Ratschläge zum Thema Liebe geben Sie Ihren beiden Kindern mit auf den Weg?

Was kann man über die Liebe schon lehren? Niemand hat mir da etwas beigebracht. Meine Mutter hat gelegentlich von der Liebe gesprochen, aber das hat mir damals nicht weitergeholfen. Ich weiß nur, wie sehr ich meine Mutter geliebt habe. Es waren meine eigenen Gefühle, die mich die Liebe gelehrt haben, nicht die Worte eines Anderen. Was können meine Kinder von mir also über die Liebe erfahren? Ich bin mir sicher, dass sie schon einige Erfahrungen in dieser Beziehung gesammelt haben. Und natürlich sage ich ihnen ständig, dass ich sie liebe. Inwiefern ich sie beeinflusst habe, ist schwer zu sagen. Ich hoffe, ich habe ein paar kleine Eindrücke hinterlassen. Ich bin mir ja nicht mal sicher, ob ich das selbst so gut hingekriegt habe.

Der Film „Das grenzt an Liebe“ dreht sich auch um zweite Chancen. Haben Sie sich manchmal eine gewünscht?

Oh ja, natürlich. Ich hätte gern eine zweite Chance bei einigen Beziehungen meines Lebens gehabt. Rückblickend bedaure ich manches. Ich glaube, ich war zu fordernd. Ich wünschte, ich hätte mehr gegeben. Man möchte doch ein guter Partner sein, danach sucht man am Ende. Man möchte das Leben mit jemandem teilen, man möchte geben und nehmen. Ich hätte etwas mehr geben sollen. Früher habe ich mich mehr in den romantischen Aspekten einer Beziehung verloren als in der Realität. Das führt dazu, dass man zu hohe Ansprüche stellt.

Sie sind mit Ihren ehemaligen Partnern weiterhin gut befreundet, das ist eine sehr seltene Qualität.     

Ich bin mit manchen nach wie vor befreundet, aber nicht mit allen. Mit einem allerdings besonders. Je älter man wird, umso wichtiger wird Freundschaft. Die Definition von „Freundschaft“ verändert sich mit zunehmendem Alter. Man hängt wesentlich stärker von seinen Freunden ab, sie sind fast wie eine Familie. Ich habe Freundschaften, die seit 40 Jahren bestehen und sie bedeuten mir sehr viel.

Ist es für Sie eine normale Sache, vor einem Publikum zu singen, so wie Sie es in „Das grenzt an Liebe“ tun?

Ich habe schon an der High School mit dem Singen begonnen, ich habe dort an etlichen Musicals mitgewirkt. Ich habe zum Beispiel die Maria in „The Sound of Music“ gespielt. Ja, ich habe viel gesungen und ich dachte eine Zeit lang, dass ich diesen Weg weiter beschreiten würde. Dann habe ich die Schauspielschule besucht und die Musicals traten in den Hintergrund. Ich habe „Hair“ gemacht und das war´s. Ich habe es aber immer geliebt, zu singen.

Weshalb musste man so lange auf das Duo Keaton-Douglas warten?

Ich weiß nicht. Das Leben bringt dich an unterschiedliche Orte. Michael ist mehr der internationale Typ. Ich hänge am Westen meines Kontinents, an Kalifornien, Arizona, den Wüstengebieten. Michael ist sehr international, es hat ein Haus in Spanien und fühlt sich überall wohl. Ich bin der Kalifornien-Typ.

Die Rolle von Michael Douglas, dessen Sohn im Film inhaftiert wird, weist gewisse Parallelen zum wahren Leben auf. Haben Sie darüber gesprochen?

Die Parallelen sind offensichtlich vorhanden. Wir haben sie aber nicht diskutiert. Und sicherlich war das nicht der Grund, aus dem er den Film gemacht hat. Gelegentlich wird er wohl darauf angesprochen. Dann reagiert er mit echter Größe. Er ist ein Profi. Einer der professionellsten Schauspieler, mit denen ich je gearbeitet habe.

Sie lieben Fotografie. Haben Sie Ihre Kamera stets mit auf Reisen?

Das Telefon ist auch meine Kamera. Ich bin nicht wirklich eine Fotografin, eher eine Bilder-Sammlerin. Einige der Bildbände, die ich herausgegeben habe, sind entstanden, weil ich Sammlungen aufgekauft habe. Ich habe die Sammlung eines Mannes namens Bill Wood, Jr., erworben. Er hat seine Bilder bis in die 70-er in Fort Worth, Texas, gemacht. Daraus habe ich das Buch „Bill Wood´s Business“ gemacht. Ich habe 1980 ein Buch mit eigenen Fotografien herausgebracht, das „Reservations“ heißt. Es zeigt Hotel-Lobbys. Ich habe versucht, eine Fotografin zu sein, aber meine Aufnahmen waren nie so gut. Aber ich liebe die Sprache der Bilder.

Zu Ihren Talenten gehört auch das Schreiben.

Ja, ich habe ein paar Bücher geschrieben. Ich kann immer nur meine Meinung zu Dingen wiedergeben. Jemand hat mal angeregt, ich solle ein Buch mit Tiergeschichten schreiben, weil ich mich für den Tierschutz engagiere. Dazu habe ich ein Interview mit Leuten vom „Helen Woodward Animal Center“ geführt, dessen Vorstand ich angehöre. Dort gibt es auch eine Abteilung für Therapie, Menschen mit psychischen Problemen oder Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit oder Hyperaktivität werden mit den Tieren in Kontakt gebracht. Ich habe dieses Gespräch geführt und aufgenommen. Aber als ich damit arbeiten wollte, habe ich festgestellt, dass es nicht funktioniert. Es ist schwer. Mir fällt es sehr leicht, meine Gedanken auszudrücken, davon zu erzählen, was ich gemacht habe und was für eine Frau meine Mutter war. Aber das ist nicht dasselbe. Ich würde mich nicht als Schriftstellerin bezeichnen. Ich schreibe gern über die Dinge, die mich bewegen.

Schriftsteller ist ohnehin ein einsamer Job.

Aber ein sehr interessanter. Ich mag es sehr, vor dem Computer zu sitzen und Texte zu redigieren. Ich spreche die Sätze laut aus, ich bin Schauspielerin. Es macht mir Spaß, die Absätze zusammenzubringen. Ich lese dann alles laut vor und nehme meine Änderungen vor. Dann lese ich es wieder und so weiter. Für mich ist das nur eine weitere Form, um mich auszudrücken.

Haben Sie sich als Frau im Filmgeschäft immer gleichberechtigt gefühlt?

Ja. Natürlich haben die Männer immer mehr Geld verdient als die Frauen. Aber die Frauen haben trotzdem gut verdient. Die Männer führen das Kommando. Und sie sind immer noch tonangebend im Action-Genre. Aber warum auch nicht? Wer will schon immer dieses Geballere? Ich habe mich nie schlecht behandelt gefühlt. Manchmal war ich zornig über Dinge, hätte mir vielleicht einen anderen Regisseur gewünscht. Aber das waren Kleinigkeiten, wie sie an jedem Arbeitsplatz vorkommen. Es kann nicht immer alles nach deinen Wünschen gehen. Ich wurde stets korrekt behandelt. Sorry, dass es da nichts zu erzählen gibt. (lacht)

Diane Keaton:
Bekannt wurde die Kalifornierin durch die Rolle der Kay Adams-Corleone in der Filmtrilogie „Der Pate“ (1972–1990). Woody Allen drehte wiederholt mit seiner damaligen Lebensgefährtin, unter anderem die Komödie „Der Stadtneurotiker“, die Keaton 1978 den Oscar bescherte. Die ikonische Rolle der Annie Hall hatte Allen nach Keaton benannt, die als Diane Hall zur Welt kam und von Freunden „Annie“ genannt wird.

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