Rosa gegen Hellblau:

Was soll der Geschlechterkampf der Spielwaren?

Unbedingt pink, wünscht sich die Tochter. Auf keinen Fall pink, trotzt der Sohn. Die Eltern suchen derweil verzweifelt nach einem Spielzeug in neutralen Farben – aber das ist selten geworden.

Komikerin Mirja Boes hat bestimmt nicht nur mit rosa Pferdchen gespielt, als sie ein Kind war.
Daniel Karmann Komikerin Mirja Boes hat bestimmt nicht nur mit rosa Pferdchen gespielt, als sie ein Kind war.

Das Einhorn hat ein rosa Fell, das Spielzeughaus mit der lila Fassade steht neben dem knallpinken Roller, und selbst die Konstruktionsbausteine sind in einer Prinzessinnenkutsche verpackt. Keine Frage: Dieser Teil des Spielzeugladens ist den Mädchen vorbehalten. Nur wenige Meter weiter dominieren düstere und aggressive Farben das Bild – in der Jungenabteilung geht es mit Kampffiguren und Abenteuerwelten robuster zu. Die fortschreitende Aufteilung der Spielzeugwelt in Jungs- und Mädchenprodukte spiegelt sich auch auf der derzeit stattfindenden Spielwarenmesse in Nürnberg wider. Bei Experten lässt sie sämtliche Warnglocken schrillen.

„Diesen Rückwurf auf einen geschichtlichen Status zu beobachten, den man bereits einmal überwunden hatte, löst in der Genderforschung Entsetzen aus“, sagt Susanne Wunderer, Expertin für geschlechtersensible Erziehung in Kindergärten.

Alle Kinder kommen gleich auf die Welt

Seit etwa 15 Jahren nimmt das „Gendermarketing“ von Spielsachen massiv zu. Inzwischen werden auffällig viele Spielsachen, mit denen früher beide Geschlechter einträchtig gespielt haben, explizit als Mädchen- oder Jungenprodukte beworben und sind anhand der Aufmachung auf den ersten Blick zu unterscheiden. Die Farben an sich wären aus Sicht der Geschlechterforscher dabei nicht so dramatisch – wenn die Zuordnung nicht mit Bedeutung aufgeladen wäre. Spielzeug für Jungen wird mit Attributen wie aktiv, wild und mutig verbunden, Mädchensachen hingegen mit niedlich, süß und dekorativ. Buchautor Sascha Verlan kritisiert, dass da ein 50er-Jahre-Ideal entworfen werde.

Durch Blicke, Gesten und Kommentare lernen Kinder extrem früh, welches Spielzeug ihnen zugedacht ist und welches Verhalten ihnen zugestanden wird. Auch Wunderer betont: „Alle Kinder kommen mit der gleichen Neugier auf die Welt. In die Richtung, in die man sie ermuntert, gehen sie weiter.“ Am Ende landen die einen in schlecht bezahlten Dienstleistungsberufen und die anderen auf gut dotierten Entwickler- oder Führungsposten. Wunderer verweist auch auf die emotionalen Folgen stereotyper Geschlechterrollen: Mädchen dürfen nicht zu lebhaft sein. „Und Jungs wird das Gefühlsrepertoire, weinerlich und ängstlich zu sein, abtrainiert. Sie gelten sonst als Heulsusen.“

Kinder kein Spielzeug vorenthalten

Ein Paradox, findet Stevie Schmiedel von der Kampagne „Pinkstinks“, die sich gegen überkommene Rollenbilder wendet. „Wir erwarten von Männern heute, dass sie stark im Haushalt und der Kindererziehung präsent sind, und gleichzeitig finden wir es völlig absurd, dass kleine Jungs mit Puppen spielen könnten – da haben wir gleich das Bild ‚homosexuell‘ im Kopf.“

Was also sollten Eltern tun? Auf keinen Fall den Kindern die heiß erwünschte Prinzessin oder den Actionhelden immer verweigern, sind sich die Fachleute einig. Aber sich über deren Einfluss bewusst sein und gezielt auch andere Produkte schenken. „Wir müssen allen Kindern möglichst viele Erfahrungen ermöglichen“, betont Verlan.

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Hier der Link zur Homepage der erwähnten Autoren: http://ich-mach-mir-die-welt.de/