Zauberhaftes Tanzmärchen in Neubrandenburg:

Wenn der Wolf die Märchen durcheinanderbringt

Der Hüter der Märchenbücher hat Stress. Nicht nur, weil der graue Wildfang aus seiner Geschichte ausgestiegen ist.

Der mit dem Wolf tanzt - der Hüter der Märchen mit dem ausgerissenen Wildfang.
Frank Wilhelm Der mit dem Wolf tanzt - der Hüter der Märchen mit dem ausgerissenen Wildfang.

Sie haben noch kein Nikolaus-Geschenk für Ihre Kinder oder Enkel? Wie wär's denn mal mit einer Theaterkarte statt des neuesten Spiels für die Konsole! Ein Stück lässt sich für die Vorweihnachtszeit ruhigen Gewissens empfehlen: "Es war einmal ..." - ein Tanzmärchen, dargeboten von der Deutschen Tanzkompanie, das am Freitag im leider nur mäßig besetzten Neubrandenburger Schauspielhaus seine viel bejubelte Uraufführung erlebte. Die phantasievolle Idee, geschöpft und umgesetzt von Kirsten Hocke (Idee, Inszenierung, Choregrafie) und Oliver Hohlfeld (Libretto und Dramaturgie): Der junge Wolf "Wildfang" ist aus dem Märchenbuch ausgerissen und treibt nun sein Späße, indem er die anderen Märchen durcheinanderbringt. Der Prinzessin und dem Froschkönig wird die goldene Kugel entwendet, die wiederum im Korb der bösen Stiefmutter von Schneewittchen landet. Das Mädchen bleibt dafür vom vergifteten Apfel verschont. Auch mit Rapunzel treibt der Wolf seine Späße - schnipp, schnapp und ab ist der Zopf. Da hat der Prinz natürlich keine Chance mehr, den Turm zu erklimmen. Märchen futsch.

Eigentlich, denn es gibt ja noch den Hüter der Märchenbücher - der aussieht wie der Zauberer Gandalf aus "Herr der Ringe", hier allerdings Heinrich heißt. Der sorgt nicht nur dafür, dass in den Rapunzel-Turm eine Tür gezaubert wird. Der Hüter muss vor allem den Wolf wieder einfangen, was allerdings gar nicht so einfach ist. Dabei hilft ihm das junge Publikum von Anfang an. Herrlich, wie die Kinder im Saal mit dem Hüter kommunizieren: "Da, da, da ist der Wolf!!!" schreien sie immer wieder gen Bühne. Apropos Bühne: In einer generell tadellosen Inszenierung gebührt Bühnenbildner Oliver Opara und  Kostümbildnerin Julia Mottl besonderes Lob. Herrlich die Idee, ein großes, klassisches Märchenbuch auf die Bühne zu stellen, das dann Szene für Szene umgeblättert wird. Phantasievoll auch die Kostüme der Tänzer - allein schon das aus blonden Locken bestehende Kleid von Rapunzel.

Wer hierzulande in den Genuss von "Es war einmal" kommen möchte, muss sich noch einige Wochen gedulden. Die Tanzkompanie geht mit dem Märchen auf Reisen, unter anderem nach Brüssel, Zwickau und Fulda. Erst ab Mitte Dezember ist das Stück in Neustrelitz beziehungsweise Neubrandenburg zu erleben - allerdings nur wochentags um 10 Uhr, nicht gerade ideal für arbeitende Familien.

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