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Wenn Sexpraktiken zum Fall für den Notarzt werden

Sex macht Spaß – kann aber auch gefährlich werden. Einige Methoden sind besonders riskant und können tödlich enden.

Felix Kästle Immer mehr Menschen nehmen sich heute die Freiheit, ihre sexuellen Wünsche auszuleben. Und der Hang zu Lack- und Leder ist da nur eine von vielen Spielarten.

Der Mann in der Notaufnahme klagte über einen stark geschwollenen und schmerzenden Penis. Der Grund für sein Leiden: Er hatte sich eine Metallmutter über sein bestes Stück gestreift und nicht mehr abbekommen. „Das steht in keinem Lehrbuch, wie man so einen Fall behandelt“, sagt der Notfallmediziner und Urologe Michael Burgkhardt. Das über den Penis gezogene Metallteil sollte wohl dem Lustgewinn dienen.

Autoerotismus nennen Mediziner diese Herbeiführung sexueller Erregung an sich selbst, ohne dass jemand dabei ist. Die Männer oder Frauen führen sich Kerzen und Flaschen ein, stimulieren ihre erogenen Zonen mit elektrischen Impulsen oder schnüren ihre Genitalien ab. Einige der Praktiken sind nicht ganz ungefährlich. „Das Einführen von Gegenständen kann innere Blutungen und Darmverletzungen verursachen“, erklärt Burgkhardt, der auch Vorsitzender der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte in Deutschland (BAND) ist.

Besonders gefährlich: Sauerstoffmangel

Besonders riskant sind laut Burgkhardt sexuelle Praktiken, die zur Atemkontrolle oder einem Sauerstoffmangel im Gehirn führen. Anhänger dieser Hypoxyphilie genannten Praktik strangulieren sich selbst oder stülpen sich eine Plastiktüte über den Kopf. Die Folgen können tödlich sein. „Sie werden bewusstlos, können sich nicht mehr befreien und ersticken dann“, erklärt der Notfallmediziner. Nach Schätzungen sterben jährlich etwa 100 Menschen in Deutschland bei der Ausübung dieser gefährlichen Praktik. Sie soll zu einer der häufigsten Todesursachen in der sadomasochistischen Szene gehören. Auch bei Todesfällen von Prominenten gibt es immer wieder Spekulationen über deren Suche nach dem Sex-Kick durch Strangulation. Als etwa 1997 der damals 37-Jährige Michael Hutchence, Sänger der Rockband INXS, tot in einem Hotelzimmer gefunden wurde, hieß es, er habe sich beim Sex-Spiel selbst erwürgt. Offiziell war sein Tod jedoch ein Selbstmord durch Erhängen.

"Masseneffekt unwahrscheinlich"

Die Häufigkeit autoerotischer Unfälle ist nur schwer zu ermitteln. Auch dem Verband der Notärzte liegen keine konkreten Zahlen vor. Dass der Film „Fifty Shades Of Grey“ reihenweise Nachahmer motivieren könnte und die Zahl der Unfälle steigen werde, glaubt der BAND-Vorsitzende nicht. „Da mag es Einzelfälle geben. Aber einen Masseneffekt halte ich für unwahrscheinlich“, sagt Burgkhardt. „Die wenigsten Ärzte werden so einen Fall behandeln müssen“, sagt Mediziner Burgkhardt. Und wenn doch? Dann müssen die Mediziner mitunter improvisieren.“ Wie beim Mann mit der Schraubenmutter auf dem Penis. Er erhielt schließlich Hilfe von einem Fachmann in einem blauen Kittel. „Der Hausmeister wurde dazu gerufen“, erinnert sich Burgkhardt. Der klinikeigene Handwerker sägte die Metallmutter kurzerhand auf.

Feuerwehr gibt Tipps für Fesselspiele

 

Damit Sexspiele mit Handschellen oder ähnlichen Fesselwerkzeugen nicht in einer peinlichen oder gefährlichen Situation enden, gibt die Londoner Feuerwehr folgende Ratschläge:

• Beim Liebesspiel mit Handschellen immer den Schlüssel bereit halten

• Die Partner sollten ihren gesunden Menschenverstand einschalten. Die Profiretter geben zu bedenken: Eine Sache, die nicht sicher aussieht, ist es vermutlich auch nicht. Der Ratschlag der Feuerwehrleute: „Also lassen Sie es.“

• Besonders eindrücklich warnen die Retter: Finger und elektrische Geräte passen nicht zusammen, besonders wenn letztere Klingen haben.

Mehr Infos zum Thema stellt die Londoner Feuerwehr auf ihrer Internetseite bereit:

http://www.london-fire.gov.uk