Hobby mit Lupe und Pinzette:

Wer sammelt heute eigentlich noch Briefmarken?

Es sind meistens ältere Herren, die sich diesem Hobby verschrieben haben. Und generell immer weniger Menschen. Für Philatelisten ist klar, dass sich was tun muss.

Rund 200 Briefmarkenfreunde stellen ab morgen ihre gesammelten Werke in der Nähe von Magdeburg aus.
Jens Wolf Rund 200 Briefmarkenfreunde stellen ab morgen ihre gesammelten Werke in der Nähe von Magdeburg aus.

Ob er noch Briefmarken klebt? Alfred Schmidt schüttelt den Kopf. Er schreibe E-Mails. Und für die Geschäftspost seiner Apotheke habe er eine Frankiermaschine. Dabei würde es gerade zu dem 47-jährigen Apotheker gut passen, wenn er regelmäßig Briefmarken benutzen würde. Schließlich ist er Sammler und hat dieses Jahr die „Multilaterale“ organisiert – eine internationale Ausstellung von Briefmarkenfreunden. Morgen wird die dreitägige Schau in Haldensleben bei Magdeburg eröffnet.

Rund 200 Philatelisten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Liechtenstein zeigen Exponate. Fünf Verbände organisieren im Wechsel alle drei Jahre eine solche Schau. Die Aussteller hoffen auf ein gutes Urteil der Jury, die Briefmarken, Stempel, Umschläge und Literatur kritisch unter die Lupe nimmt. Denn die besten Teilnehmer qualifizieren sich für eine Weltausstellung.

Nachwuchs nutzt vor allem das Internet

Allerdings sind Medaillen und Urkunden das Eine, das hohe Alter der Mitglieder des Bundes Deutscher Philatelisten das Andere – und zwar ein Problem. Der Altersschnitt außerhalb des Jugendverbands liegt bei 67 Jahren. Apotheker Schmidt, der kürzlich in den Bundesvorstand des Verbands aufgestiegen ist, gehört mit seinen 47 Jahren also zu den jüngeren. Der Mitgliederschwund ist enorm: In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Mitgliederzahl von 80 000 auf 40 000 halbiert.

Wolfgang Maassen, Sammler, Jurymitglied und Publizist, beschwichtigt dennoch. Alle großen Organisationen von Kirchen über Parteien bis zu Sportvereinen teilten das Problem, dass sich junge Menschen nicht fest binden wollten, sagt der 65-Jährige. Im Internet – etwa bei dem Online-Auktionshaus Ebay oder in bestimmten Foren – zeige sich, dass junge Menschen sehr wohl Interesse hätten, auch wenn sie kaum noch in Berührung mit Briefmarken kämen. „Der Nachwuchs ist da, aber er bewegt sich in anderen Räumen“, sagt Maassen.

Die Schau findet in der Provinz statt

Der Briefmarkenexperte Maasen ist in Haldensleben nicht nur Juror für gedruckte Literatur, sondern auch für Websites. Erst seit 2012 können digitale Veröffentlichungen gleichwertig an Philatelie-Ausstellungen teilnehmen. Um diese Seiten schare sich oft eine Klientel, das viel jünger sei als der Verbandsdurchschnitt, sagt Maassen.

Neun Internet-Seiten und fünf E-Books sollen nun in Haldensleben beurteilt werden. Eine Seite etwa dreht sich um moderne Postgeschichte, eine andere ist eine Datenbank deutscher und ausländischer Poststempel.

Dass die Philatelisten mit Problemen zu kämpfen haben, zeigt aber auch die Auswahl des Ortes für die internationale Ausstellung: Große Messehallen wie in Berlin, Hannover der München sind für den Verband zu teuer geworden. Daher findet die Schau nun in der Provinz statt.

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