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Wie James Bond ein Alpendorf wachrüttelt

Die vielen alten Holzhäuser haben die Filmemacher überzeugt: James Bond alias Daniel Craig kommt zu Dreharbeiten ins malerische Obertilliach. Vor Ort sind alle schon ganz schön aufgeregt.

Diese internationale Schauspiel-Crew bringt den Bond in die Berge (von links): Naomi Harris, Lea Seydoux, Daniel Graig, Monica Bellucci und Christoph Waltz.
Facundo Arrizabalaga Diese internationale Schauspiel-Crew bringt den Bond in die Berge (von links): Naomi Harris, Lea Seydoux, Daniel Graig, Monica Bellucci und Christoph Waltz.

Wer für den Geheimdienst Ihrer Majestät arbeitet, kann schweigen wie ein Grab. Egal, ob Spion mit der Lizenz zum Töten oder Wachmann mit der Lizenz zum Kettenrauchen. „Ich habe berufsbedingt Alzheimer.“ Der so von Vergesslichkeit Geplagte trägt eine weithin gelb leuchtende Jacke mit der Aufschrift „Security“ und beschützt mit zwei Kollegen einen alten Tiroler Stadl.

Die Frage lautete schlicht: „Wo ist das James-Bond-Haus?“ Die Filmcrew hat vor den Dreharbeiten zum nächsten 007-Abenteuer mit dem Titel „Spectre“ in Obertilliach in Osttirol zwar viele Spuren gelegt. Große Zelte dienen als Lagerhallen, Container als Büros, zwei Hubschrauberlandeplätze sind angelegt. Aber das monatelange Schweigegelübde zeigt in dem 700-Seelen-Dorf immer noch Wirkung.

„Die geheimdienstliche Diskretion schwebt über allem“, sagt der 67-jährige Josef Lugger
aus Obertilliach. Der Bauer, Wirt und Musikant gehörte zu den fünf Leuten, die im März vom Interesse der 007-Produzenten aus England erfuhren. Obertilliach als Kulisse für wesentliche Szenen in einem globalen Blockbuster?

Crew bucht 30.000 Übernachtungen

„So eine Chance lässt man sich nicht entgehen“, sagt Bürgermeister Matthias Scherer (44). Der ÖVP-Politiker und das Mini-Komitee sondierten die Stimmung im Dorf. Denn der PR-Coup bedeutet in heißen Drehphase ab Mitte Januar auch Einschränkungen für Bewohner und Urlauber: Einige Tage ist die Ski-Piste wegen des Top-Agenten gesperrt.

Doch die Vorteile scheinen alle überzeugt zu haben. „In der Region bleiben ungefähr vier Millionen Euro“, sagt Scherer über das unerwartete Konjunkturprogramm. Handwerker und Bauern freuen sich über Zusatzaufträge und über zum Dreh verpachtete Grundstücke, die Hoteliers über eine 350-Mann-Crew, die essen und schlafen will. Insgesamt seien in Österreich vom Filmteam 30 000 Übernachtungen gebucht, sagt der Chef der Filmförder-Agentur Location Austria, Arie Bohrer.

Die Zimmerleute aus Obertilliach und Region haben ganze Arbeit geleistet. Schon im August haben sie auf einer Wiese am Rande des Dorfes mit dem Bau eines auf alt getrimmten Tiroler Stadls und mehrerer kleiner Heuhütten begonnen. Der Stadl, dessen Holz von einem alten Bauernhof in der Steiermark stammt, gilt als „James-Bond-Haus“.

Viele alte Holzhäuser, kaum Bausünden

„Hier wird es eine Verfolgungsjagd geben“, erzählt Nachbar Emil Figl. Von der nahen Skipiste aus werde Bond wohl vor seinen Verfolgern in die Hütte fliehen, meint der 76-Jährige. In den engen Gassen des Dorfes werde das Katz-und-Maus-Spiel weitergehen.

Superstar Daniel Craig wird wohl für vier, fünf Tage zum Dreh in Osttirol sein. Schlafen wird der 46-Jährige woanders, heißt es. Der Österreicher Christoph Waltz (58), Bösewicht im neuen Bond, wird bei den Dreharbeiten gar nicht auftauchen, verriet er der „Kronen-Zeitung“.

Dass sich die Location-Scouts aus England für Obertilliach entschieden haben, ist für die Offiziellen gar nicht so überraschend. Der Ort sei schon öfter Kulisse für TV und Film gewesen, meint Scherer.„Wir sind ein sehr seltenes Landschafts-Möbel“, erklärt Lugger. Der Ort sei als altes Wehrdorf noch ganz kompakt, habe viele alte Holzhäuser und kaum eine Bausünde. Obendrein hatte der vergangene Rekordwinter mit seinen tagelangen Stromausfällen auch etwas Gutes: Die wetteranfällige Hochspannungsleitung wurde auf einer Länge von zwei Kilometern unter die Erde verlegt. Die hindernisfreie Schneise habe die Filmemacher gefreut: Für die Actionszenen habe das „super gepasst“, sagt Scherer.