Neu im Kino:

Wo der Fuchs die Gänse stiehlt: Die neue Wildnis

Naturdokumentationen fürs Kino sind nach wie vor in. Ein besonders schönes Exemplar dieser Gattung stellt ein Naturschutzgebiet vor, das es in punkto Wildlife locker mit der Serengeti aufnehmen kann. Dabei ist es uns ganz nah.

Ein Fuchs liegt in einer Szene aus dem Film "Die neue Wildnis" im Gras.
Paul Klaver Ein Fuchs liegt in einer Szene aus dem Film "Die neue Wildnis" im Gras.

Mehrere Jahrzehnte lang haben sich viele Naturfilmer darauf konzentriert, entlegene Orte der Erde aufzusuchen und eine exotische Tierwelt auf Film zu bannen. Mit dem Ergebnis, dass dem Zuschauer heute Pinguine und Löwen vertrauter zu sein scheinen als die Kreatur vor der eigenen Haustür. Aber warum von der Ferne schwafeln, wenn das Gute doch so nahe liegt? Ein exzellenter Naturfilm aus den Niederlanden zeigt, dass man schöne, spannende und dramatische Szenen aus dem täglichen Überlebenskampf auch in Mitteleuropa einfangen kann, nur eben mit anderen Protagonisten.

Nur 30 Kilometer von der quirligen Metropole Amsterdam entfernt, auf einem Stück Land, das der Mensch dem Meer abgerungen hat, befindet sich das Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen. Ein unberührter, beeindruckender Ort, an dem sich eine vielfältige Fauna angesiedelt hat. Hunderte von wilden Konikpferden durchstreifen das Areal, Biber errichten imposante Burgen und Seeadler ziehen ihre Kreise. Der Fuchs zeigt, warum man ihn gern des Gänsediebstahls bezichtigt. Er jagt hier bei Tag, anders als an den meisten anderen Orten. Das Fressen und gefressen werden wird in diesem Film nicht ausgeklammert, aber auch nicht zu drastisch illustriert. In diesem Ökosystem greift alles ineinander, jeder hängt vom anderen ab, profitiert von und dient der anderen Spezies.
 
Der beim Thema Naturschutz stets engagierte Schauspieler Hannes Jaenicke führt den Zuschauer durch eine Naturdokumentation, die sehr traditionell aufgebaut ist. Die Dramaturgie richtet sich nach dem Kreislauf der Jahreszeiten, der Kommentar vermenschlicht die Tiere mitunter. Insofern erinnert „Die neue Wildnis“ an Grzimek oder Sielmann, was sicher nicht ehrenrührig ist. Atemberaubend und voll auf Höhe der Zeit ist freilich die Qualität der Aufnahmen, die winzige Insekten ebenso zu Leinwandhelden machen wie putzige Fuchsbabys und Fohlen. Sehr coole Zeitraffer sorgen zusätzlich dafür, dass die anderthalb Stunden in der freien Wildbahn wie im Fluge vergehen. Vielleicht hätte Regisseur Mark Verkerk seinen Soundtrack-Komponisten gelegentlich etwas zurückhalten müssen, aber das ist auch schon der einzige Kritikpunkt an einem exzellenten Naturerlebnis für junge und ausgewachsene Tierfreunde.

Verleih: Busch Media
Bundesstart: 09. April 2015
Genre: Dokumentation

Mehr Infos unter: www.dieneuewildnis.de

Wertung

Anspruch: 3
Spannung: 2
Action: 2
Humor: 0
Erotik: 0