Weltweit einmalig:

Wo Golfbälle im Takt der Musik übern Platz fliegen

Wenn die Neubrandenburger Philharmonie zu Golf & Classics im Land Fleesensee antritt, spielt die Musik nicht allein die Hauptrolle.

Elvira und Fredi Uecker (links) aus Anklam fiebern vor allem mit einem Golfer mit: ihrem Schwiegersohn Matthias Wiegand.
Frank Wilhelm Elvira und Fredi Uecker (links) aus Anklam fiebern vor allem mit einem Golfer mit: ihrem Schwiegersohn Matthias Wiegand.

Es muss schon etwas Besonderes sein, wenn bei einem Konzert eigentlich noch nicht viel passiert ist, fast 1000 Menschen aber bereits trotzdem lautstark applaudieren und johlen. 14 Mini-Golfcarts rollen leise auf die Bühne am Golfplatz des Land Fleesensee zu, auf der die Neubrandenburger Philharmonie „The Flight To Neverland“ spielt. Die kleinen Elektromobile bringen die Golfonics zu ihrem Auftritt. Schnell wird klar, sie haben die Herzen der Zuhörer und Zuschauer schon vor ihren ersten Schlägen erobert. Die 14 jungen Golfer – darunter zwei Frauen – zeigen ein paar Kunststückchen mit Schläger und Ball, ehe das Spektakel erst richtig beginnt.

Immerhin, so betont Generalmusikdirektor Stefan Malzew, handele es sich um eine weltweit einmalige Angelegenheit: Die Golfer spielen mal solo, mal im Duo, mal in der 14er-Gruppe ihre Bälle im Takt der Musik – natürlich im Rhythmus der jeweiligen Stücke. Beim Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms schlagen die Golfonics im wahrsten Sinne des Wortes das erste Mal richtig zu. Ein Raunen geht durch das Publikum, als sich das metallische Klacken der Driver – der schwerste Golfschläger für den Aufschlag – mit den eingängigen Rhythmen der beliebten Komposition vereinigt.

Das Arrangement der Stücke für Orchester und Golfspieler stammt aus der Feder von Stefan Malzew, der vor einigen Jahren mit dem Chef des Radisson Blu im Land Fleeesensee, Daniel Bojahr, auf die Idee für Golf & Classics kam. Mit im Publikum sind Elvira und Fredi Uecker. Das Ehepaar aus Anklam gehört eher nicht zu den klassischen Konzertgängern. „Ich finde es aber total wunderbar“, schwärmt Elvira Uecker.

Einen der jungen Golfer beobachtet sie besonders genau: Matthias Wiegand trägt die Nummer elf der Golfonics auf dem Rücken und ist ihr Schwiegersohn. Erst vor einigen Wochen ist er Vater geworden, die Ueckers Großeltern. Matthias Wiegand zeigt sich sichtlich beschwingt. „Das läuft heute einfach super!“ Er ist bereits zum vierten Mal, also von Anfang an dabei, kann die Qualität des Spektakels daher gut beurteilen. Dieses Jahr seien viele neue Azubis dabei, die den Beruf des Golflehrers im Land Fleesensee in Göhren- Lebbin erlernen wollen. „Und die sind richtig gut.“ Bereits seit Juni üben die jungen Golfer in ihrer Freizeit für die Veranstaltung. Mittels Tonbändern, auf denen die Musik und die Abschlagkommandos von Malzew persönlich aufgezeichnet worden sind.

Das Training hat sich gelohnt. Was die Golfonics mit ihrem Auftritt zum berühmten Schostakowitsch-Walzer aus der Jazzsuite Nr. 2 noch einmal grandios belegen. Beeindruckende Lichteffekte unterlegen den Klangteppich von Golf & Classics. Gegenüber diesen Showeffekten muss die Musik etwas zurücktreten. Vergessen werden darf sie aber trotzdem nicht: Malzew hat mit dem Diknu Schneeberger Trio (Gitarre, Jazzgitarre und Bass) ein wunderbar improvisierendes Ensemble eingeladen, das insbesondere in den gemeinsamen Stücken mit der Philharmonie brilliert. Der Höhepunkt dann zum Ende: Mit Ravels Boléro nimmt die Philharmonie ihr Publikum gefangen. Beim abschließenden „Hummelflug“ sausen Hunderte leuchtende Golfbälle durch den Himmel.

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