Kunst im Bahnhof:

Wo jetzt Nina Hagen im Warteraum „rumhängt“

Im großen Berlin wird Gegenwartskunst im „Hamburger Bahnhof“ ausgestellt. Das kann das kleine Teterow auch. Hier bekommt zeitgenössische Kunst jetzt einen Großen Bahnhof – im wörtlichen, wie im übertragenen Sinn.

Clemens C. Gröszer und sein Nina-Hagen-Porträt im „Bahnhof Nummer 1“, der ersten Kulturadresse in Teterow. Foto: R. Schipke
Clemens C. Gröszer und sein Nina-Hagen-Porträt im „Bahnhof Nummer 1“, der ersten Kulturadresse in Teterow. Foto: R. Schipke

Teterow. „So mancher Bahnhof ist ein Schadfleck in so mancher Stadt“, klagt Staatssekretär Sebastian Schröder vom Schweriner Kultusministerium. Doch dem Bürgermeister von Teterow sei es gelungen, in seiner Stadt etwas aus dem 1864 an der Bahnstrecke Güstrow-Neubrandenburg gebauten Klinkergebäude zu machen.

Zum großen Kultur-Bahnhof gekommen war Schröder in Stellvertretung seines verhinderten Minister Mathias Brodkorb (SPD). Der musste sich die Premieren-Vernissage in der neuen Kunstgalerie in Teterows früheren Verkehrsknoten entgehen lassen.

Auf 250 Quadratmetern kann nun der Kunstverein mit Galeristin Sylvia Hentschel an der Spitze mehr und größere Werke zeitgenössischer mecklenburgischer und überregionaler Kunst den Teterowern und ihren Gästen präsentieren. Früher sei es ja üblich gewesen, dass der Bahnhof die Visitenkarte der Stadt war, so Schröder vor einigen Hundert Eröffnungsgästen und den beiden erstausstellenden Künstlern Clemens C. Gröszer (Berlin) und Susanne Rast (Rostock).

Am „Bahnhof Nummer 1“ ist in der Stadt nun die erste Kulturadresse. Aber auch ein Restaurant, ein Friseur und Wohnungen haben durch die aufwendige Sanierung Platz im alten Bahnhof gefunden, von dem die Bahn schon seit Jahren nur noch den Bahnsteig und Gleise nutzt. Er wollte von Anfang an die Galerie an diesem Platz: „Ein Ort, wo die Reise beginnt“, so beschreibt schon fast poetisch Teterows Bürgermeister Reinhard Dettmann (parteilos) in seinen Eröffnungsworten die neue Kulturstätte seiner Gemeinde. Reisen in ferne Welten der Fantasie sollen hier beginnen, so wünscht der Kulturenthusiast es sich und den vielen Gästen, meist automobil angereist aus nah und fern. Nicht nur das Sinnliche, auch der leibliche Genuss und die Schönheit bekämen unter diesem Dach ein neues Daheim, betont das Stadtoberhaupt.

Die erste Ausstellung in den neuen großzügigen und lichten Räumen kann auf jeden Fall als gelungen bezeichnet werden. Die grell-bunten naturalistischen Bilder von Gröszer bilden einen dialogischen Kontrast zu den teils robusten, teils zerbrechlichen Skulpturen von Susanne Rast, der Tochter des Rostocker Bildhauers Jo Jastram. Während der Berliner Maler oft Abgründe oder dunkle Seiten menschlicher Existenz in bizarren Szenerien darstellt, holt die Künstlerin engelsähnliche „Fremdlinge in der Konventionen“ aus ihrem Material, wie Laudatorin und Kunstwissenschaftlerin Katrin Arrieta es formuliert. Anklänge von gotischer Schnitzkunst sieht sie in den Holzfiguren von Susanne Rast.

Der Maler hingegen porträtiert die Punk-Sänger Nina Hagen erwartet grell und schrill in der Art eines Herrscherbildes aus der Renaissance. Jede Menge Zitate aus der Kunstgeschichte finden sich in der in Teterow ausgestellten Gegenwartskunst. Doch die beiden Erstaussteller sind „Non Vogue“, nicht Mainstream, so wie der Ort etwas Besonderes werden soll – entgegen vorherrschenden Trends – ein Platz für die Kunst im Mittelpunkt der Stadt.

Und noch mehr bietet die neue, alte Galerie der Stadt: Wie gewohnt Kunsthandwerk, Schmuck, Grafik zum Kaufen und Mitnehmen. Dazu eine gute, kräftige Tasse Kaffee und eine kleine, feine Kunstbibliothek.

Die Ausstellung „Non Vogue“ ist bis zum 24. September zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr; Samstag 10 bis 16 Uhr. www.galerie-teterow.de