Musik-Festival:

Zappanale - Vom Traktoranhänger zum Kultfest

In Bad Doberan hat sich das weltweit größte Festival zu Ehren von Frank Zappa stark entwickelt – von einer Außenseiter-Party zum Kult-Event. Ein Verdienst von Gründer Wolfhard Kutz.

Zappanale-Chef Wolfhard Kutz mit seinem Idol, Musik-Star Frank Zappa. Seit der Wende organisiert Wolfgang Kutz das Festival zu Ehren des Künstlers. Am kommenden Wochenende findet es zum 25. Mal in Bad Doberan statt.
Jens Büttner Zappanale-Chef Wolfhard Kutz mit seinem Idol, Musik-Star Frank Zappa. Seit der Wende organisiert Wolfgang Kutz das Festival zu Ehren des Künstlers. Am kommenden Wochenende findet es zum 25. Mal in Bad Doberan statt.

Mit 17 Jahren hielt der Kühlungsborner Wolfhard Kutz seine erste Schallplatte von Frank Zappa in den Händen. Die Begeisterung für das unangepasste Rock-Genie und dessen Musik hält bis heute – 41 Jahre später – unvermindert an. Das Arbeitszimmer des Gründers des Musikfestivals Zappanale in Bad Doberan sieht aus wie ein Museum, der Schrank quillt vor Platten und raren Sammlerstücken über. Zappa (1940-1993) galt als großer Erneuerer der Rockmusik. Doch seine anarchisch-rüden Texte kamen im prüden Amerika nicht gut an, in der DDR landeten sie auf dem Index.

Als Teenager Kutz Anfang der 1970er Jahre zum ersten Mal die Platte „Burnt Weeny Sandwich“ hörte, erkannte er, dass mehr hinter dieser ungewöhnlichen Musik steckt. „Zappa war jemand, der auf intelligente Weise gegen den Staat rebelliert hat.“ Darin sah Kutz einen Berührungspunkt. „Er hat seine Kritik so geäußert, dass er nicht in den Knast musste, das habe ich auch so gemacht.“

Ein Traktoranhänger als erste Bühne

Über Kontakte und riskante Schmuggeltouren nach Polen und in die Tschechoslowakei kam Kutz an immer mehr Zappa-Platten und wurde zum Trendsetter in der heimatlichen DDR-Provinz. Doch seine Umtriebe blieben nicht unbemerkt: „Später konnte ich das in meiner Stasi-Akte lesen.“ Bis zu 24 informelle Mitarbeiter waren auf ihn angesetzt.

1990 gleich nach dem Mauerfall organisierte er mit Freunden eine erste Zappa-Party, als Bühne diente ein Traktoranhänger. Nur wenige Besucher kamen zur Zappanale #1, dafür waren sie leidenschaftlich. „Es war nicht geplant, daraus ein großes Festival zu machen – aber es hat sich aus Spaß weiterentwickelt“, resümiert Kutz. Am Freitag beginnt die 25. Ausgabe der Zappanale auf der Galopprennbahn.

Besucher entscheiden, welche Bands spielen

Bad Doberans Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) ist stolz auf die Zappanale. „Hier treffen sich Freunde und Fans aus dem In- und Ausland, sie verbindet Generationen.“ Das Festival hat auch positive Auswirkungen auf den Tourismus der Kleinstadt, die sich sonst nur mit dem Seebad Heiligendamm international in den Schlagzeilen findet.

Schnell entwickelte sich die Zappanale zum Kulttreff, Bands aus dem Ausland wurden aufmerksam. Schon im ersten Jahr spielte die Gruppe Muffin Man aus England. Diese wird, ebenso wie die Band Ace 9, die einst die erste Zappanale auf dem Traktoranhänger eröffnete, am kommenden Wochenende spielen. Der Kontakt zu Bands und Fans ist geblieben, sagt Kutz, die Zappanale lebt von der familiären Atmosphäre. Die Besucher dürfen mitentscheiden, welche Bands auf ihrem Festival auftreten, Kutz führt jedes Jahr ein Voting durch.

Nach dem Rekord-Minus wieder aufgerappelt

Ansonsten hat der Chef eines IT-Unternehmen mit 130 Mitarbeitern die Planung fest im Griff. „Sonst versinkt man im Chaos“, lacht Kutz. Er nennt die Zappanale sein Hobby, er und seine Mitstreiter vom Verein Arf Society organisieren das Festival ohne Gewinnstreben.

Das war nicht immer so: 2012 sollte das Festival wachsen, Künstler wie Alice Cooper wurden verpflichtet. Doch das kam nicht gut an, ein Rekord-Minus war die Folge. Kutz dachte ans Aufhören, besann sich aber bei einer Wanderung auf dem Jakobsweg. Seither denkt er nicht mehr ans Aufhören – die Planungen für die 26. Zappanale sind schon zu 70 Prozent fertig. Er plant das Festival immer so, dass er selbst alle Bands sehen kann.

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Kommentare (1)

Das schreibt sich ja schnell dahin: "Doch seine anarchisch-rüden Texte kamen im prüden Amerika nicht gut an, in der DDR landeten sie auf dem Index." Das erste stimmt, das zweite nun aber gar nicht. Zappas Zitat "Kein Akkord ist hässlich genug, um ... zu kommentieren, was die US-Regierung in unserem Namen verübt" wurde natürlich in den DDR-Medien begeistert wiedergegeben. Davon abgesehen, erinnere ich mich an mehrere einstündige Radiosendungen, in denen Zappas Musik ausführlich gespielt und kommentiert wurde. Aber trotzdem danke für den aktuellen Bericht.