:

Leere Fenster starren in die Dörfer

„Schauen Sie, das ist doch ein trauriger Anblick. Fast alle Wohnungen stehen leer. Was soll das hier noch werden?“ So wie die Lübbenowerin eines Abends ...

Auch dieser Neubau in Lübbenow wird derzeit freigezogen.

„Schauen Sie, das ist doch ein trauriger Anblick. Fast alle Wohnungen stehen leer. Was soll das hier noch werden?“ So wie die Lübbenowerin eines Abends beim Gassigehen mit ihrem Hund dem Uckermark Kurier ihre Befürchtungen klagt, denken viele in den Dörfern.
Leere Fenster gähnen in einst begehrten Wohnblöcken, wo Jung und Alt nebeneinander lebten. Längst ist auch Lübbenow ein Ort ohne Post, ohne Konsum, ohne Gaststätte. Und der erste der noch immer Neubau genannten Wohnblöcke steht auf dem Index. Kein Wunder bei der offenbar unaufhaltsamen Fluktuation im ländlichen Raum. Von einst an die 6000 Einwohner Anfang der 1990er Jahre im ehemaligen Amt Lübbenow wohnen heute noch 2850 Menschen in der Gemarkung der heutigen Gemeinde Uckerland. Da ist Leerstand vorprogrammiert, Leerstand, der die Gemeindekasse belastet. „Die Gemeindevertreter hatten sich entschieden, in welchen Dörfern Blöcke langfristig abgerissen werden sollen“, erklärt Bürgermeisterin Wernicke. Demnach sollen in Lübbenow eines der Gebäude mit 24 Wohnungen und in Gneisenau einer der Blöcke mit 18 Wohnungen der Abrissbirne weichen. Doch niemand solle seine Wohnung unter Druck verlassen müssen. „Wer jetzt nicht ausziehen will, muss das nicht“, fügt Christine Wernicke hinzu. Einige Mieter hatten sich schon dazu entschlossen, in eine andere Wohnung im „Kiez“ umzuziehen. Andere jedoch sind mittlerweile ganz aus der Gemeinde weggezogen. Junge wie Alte, die hoffen, anderswo einen neuen Lebensmittelpunkt aufbauen zu können.„Momentan handelt es sich nur um Beschlüsse, die Blöcke freizuziehen. Denn an Abriss ist vorläufig nicht zu denken“, stellt Christine Wernicke mit Blick auf das Gemeindebudget klar.
Unterstützung erhoffen sich die Uckerländer dabei aus der Windenergiebranche. Denn mit der Überarbeitung des Teilplanes Wind durch die Regionale Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim wird die Gemeinde Uckerland einer der begehrtesten Standorte im Norden des Landes. In dem Zuge sind sogenannte Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen vorgeschrieben, von denen die Kommunen selbst profitieren wollen. „Den Rückbau der Wohnblöcke wollen wir über solche Maßnahmen finanzieren“, erläutert die Bürgermeisterin. Das jedoch könne sich noch Jahre hinziehen. Zum einen sind solche Projekte nicht von heute auf morgen zu bewältigen, wie die jüngsten Ausgleichmaßnahmen für das Windfeld Hetzdorf zeigen. Zum anderen steht noch nicht fest, wann der neue Windplan der Regionalen Planungsgemeinschaft Gesetz wird. So lange werden leere Fenster weiter in die Dörfer starren.