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Löcknitz hat jetzt wieder einen Kaiser

VonAngela StegemannSind denn die Löcknitzer größenwahnsinnig geworden? Sie habenmit Torsten Liekfeld wieder einen Kaiser. Was hat es denn damit auf ...

Das Schützen-Kaiserpaar Sabine und Torsten Liekfeld. Sie gehen in die Schützen-Geschichte ein. Vor 131 Jahren gab es in Löcknitz nämlich den letzten Schützen-Kaiser.  FOTOs: A. Stegemann

VonAngela Stegemann

Sind denn die Löcknitzer größenwahnsinnig geworden? Sie haben
mit Torsten Liekfeld wieder einen Kaiser. Was hat es denn damit auf sich?

Löcknitz.Der Kaiser lächelt, ist freundlich, aber ziemlich zurückhaltend. Wahrscheinlich muss er sich mit seiner neuen Rolle erst einmal anfreunden. Denn schließlich hatte die Randow-Gemeinde vor 131 Jahren den letzten Schützenkaiser. Der hieß Friedrich Rohde und war Kaufmann. Danach starb die Tradition. Auch mit der Neugründung des Vereines 1990 wurden wieder Schützenkönige ermittelt. Doch zum
20. Schützenfest soll die ganz alte Tradition wieder aufleben, sagt Präsident Wolfgang Zimmermann. Den Titel des Schützenkaisers erschoss sich Torsten Liekfeld. Der 50-Jährige ist Maurer, steckt derzeit in einer Umschulung. Das Sportschießen betreibt er schon seit 1977. Seine Kaiserin heißt Sabine. Die dürften vor allem die Pasewalker als Wohnungsverwalterin bei der Woba kennen. „Ich fühle mich sehr gut“, sagt sie. Mitglied im Verein ist sie zwar nicht, begleitet ihren Mann aber gern. Der Erste Ritter des Kaisers ist Mathias Pliquett, Zweiter Martin Sy. Der war übrigens beim ersten Schützenfest 1992 der erste Schützenkönig. „Damals war alles noch ein bisschen einfacher“, erinnert sich der Präsident. Ausgeschossen wurde da auch noch ein Bürgerschützenkönig.
Angefangen wurde mit 13 Mitgliedern, heute sind es 52. Auf Traditionen wird viel Wert gelegt. Die Löcknitzer Schützen wissen, dass ihre bis in das Jahr 1848 zurückreicht. Da sich die aber nicht lückenlos zurückverfolgen lässt, gründeten sie sich nach der Wende neu. Weil das Geld seitdem aber immer weniger wird, sagten Schützen und Gemeinde sich um 2000: lieber ein ordentliches als drei halbe Feste feiern. Das 20. Schützenfest war deshalb auch gleich Dorf- und Kindertagsfest. Gefeiert wurde
von Freitagabend bis Sonntagmittag. Es gab einen Fackelumzug, ein Platzkonzert mit der Rossower Schalmeienkapelle und den Kaiserlich-Königlichen Kürassiermusikanten und sogar ein Feuerwerk. Der Arbeitslosenverband zeigte eine Modenschau, sorgte für Kinderschminken und Kuchenbasar. Bürgermeister Lothar Meistring (Die Linke) weiß, was er an seinen Vereinen hat. Ohne sie wäre das Leben im Dorf um vieles ärmer. Auch viele Gäste kamen nach Löcknitz, so von den befreundeten Schützenvereinen und -gilden aus Pasewalk, Ueckermünde, Jatznick und Blumenthal. Landespräsident Gerd Hamm und der Vorsitzende der Kreisschützen, Rudi Tadewald. Bevor sich alle auf dem Festplatz einfanden, marschierten die Schützen von der Randow-Halle durch das Dorf. Ihr Ziel war zuerst das Haus ihres Schützenbruders Hans-Jürgen Otto, der letzter Schützenkönig wurde.