Die Glaserei Wilde aus Belling bei Stendal – auf dem Foto Firmenchefin Andrea Wilde – montiert die insgesamt 75 Elemente gegenwärtig von einer Rüstung aus. Foto: Karl-Heinz Engel
Restaurierung. Das Licht in der Altentreptower Petri-Kirche schimmert ungewohnt. Der Grund: Die farbenprächtige Bleiverglasung wird montiert.
Von Karl-Heinz Engel
Altentreptow. Gut acht Monate hat die Bleiverglasung der drei Nordfenster in der Werkstatt von Andrea Wilde in Belling bei Stendal zugebracht. Alles in allem handelt es sich um 75 Elemente. Seit gestern werden sie wieder in der Altenrtreptower Petri-Kirche angebracht. Schon heute wollen Glaserin Andrea Wilde und ihre beiden Kollegen mit der Montage fertig sein. Damit findet die vor einigen Jahren begonnene Erneuerung ihren Abschluss. Anlässlich des Tages des offenen Denkmals am Sonntag, dem 12. September, wird der vom Ende des 19. Jahrhunderts stammende, jetzt frisch erstrahlende Bilderreígen geweiht.
„Er macht die Heilsgeschichte von Moses bis Petrus anschaulich, und ist wirklich von großartiger Symbolik“, erklärte Reinhard Kuhl, Pfarrer in Kartlow und ausgewiesener Experte in Sachen Bleiverglasung. Er schaute gestern bei den Arbeiten vorbei. Die Idee für den Zyklus stamme vom Architekten Friedrich August Stüler, der seinerzeit mit der Restaurierung der Kirche betraut gewesen sei.
Die Bleiverglasung war in der Werkstatt von Andrea Wilde gründlich gesäubert und untersucht worden. „Teils mussten ganze Segmente ersetzt werden, weil das Glas entzwei war, teils haben wir die Farbe erneuert“, berichtet Andrea Wilde. Die sorgsame Ausmalung geschah nach alten Vorlagen und spielte sich auf einem Leuchttisch ab, um auch die feinste Struktur erkennen und beurteilen zu können.
Löten und Börteln gehörte schließlich ebenfalls dazu. Die Montage lässt sich so schnell erledigt, weil alle Vorkehrungen, einschließlich der 12 Meter hohen Rüstung getroffen waren. Berührung mit der Außenluft hat die Bleiverglasung indes nicht mehr. Das helle Klarglas der Kirchenfenster schützt sie nach außen. „Die Bildmotive werden davor montiert“, so Karsten Wolbach, ein Mitabeiter von Andrea Wilde. Die leidige Feuchtigkeit werde sich deshalb vor allem an den Außenfenstern niederschlagen.
Die Restaurierung war nicht billig. Knapp 50 000 Euro hatte die Kirchgemeinde aufzubringen. Das Geld kam durch Spenden zusammen. Spender konnten für 300 bis 1000 Euro Patenschaften übernehmen für einzelne Teile. So gelang es der Gemeinde, die Mittel aufzubringen. Andrea Wilde hat fast ausschließlich mit der Glasrestaurierung in Kirchen zu tun hat und kennt viele Gotteshäuser im Nordosten Deutschlands. Als sie das erste Mal in der Petri-Kirche war, sei sie sich vorgekommen wie in einem Dom. „Wirklich beeindruckend für eine doch recht kleine Stadt“, so die Handwerkerin.