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Alles richtig gemacht

tgg

Neubrandenburg. Er macht sein Ding, egal was die anderen sagen. Mitbewerber interessieren Heiko Asmus überhaupt nicht, wenngleich er mit einigen sogar befreundet ist. Aber als Konkurrenten nimmt der Raumausstatter sie kaum wahr. Die Auftragsbücher sind voll, seine zehn Mitarbeiter und die zwei Lehrlinge haben alle Hände voll zu tun. „Alles richtig gemacht“, bilanziert der 46-Jährige.

Ja, früher, sinniert er, da wäre er wohl auch gern studieren gegangen. Aber die Lehre und dann der Meistertitel reichten aus, um die Pflicht zu erfüllen und in die Fußstapfen des Vaters und vormals des Großvaters zu treten: um das Familienunternehmen zu übernehmen. Dessen Gründung jährt sich dieser Tage nun zum 70. Mal.

Kaum aus der Kriegsgefangenschaft zurück machte sich Opa Erich 1946 auf, sein Gewerbe als Tapezierer anzumelden. Seine Lehre und erste Berufsjahre absolvierte der noch zu Zeiten der Weimarer Republik, da galt ein Tapezierer noch gleichzeitig als Maler und als Polsterer, kümmerte sich um Möbel und Gardinen. So hätte es Vater Peter auch gern weiter gehalten, als der 1980 die Firma übernahm. Doch schon in den 70er Jahren wurde Asmus das Geschäft mit den Gardinen aus der Hand genommen. Die PGH, Produktionsgenossenschaft des Handwerks, war am Zuge. Die Polsterei sollte sich ganz den Polsterarbeiten widmen, immerhin gab es Wartezeiten für diese Leistungen von bis zu zwei Jahren. „Wir Privaten wurden ja nur geduldet in den Gewerken, die die Volkseigenen Betriebe nicht hinbekommen hatten“, so der Eindruck des damals noch kleinen Heiko Asmus.

Als der 2005 das Unternehmen vom Vater übernahm, war er längst reingewachsen. „Mit 14 Jahren hatte ich solche Schwielen an den Händen. Ich wollte Geld für ein Moped verdienen und habe in 6 Wochen 80 Stühle bezogen“, erinnert er sich.

Und Pünktlichkeit. Es ist eine von vielen Handwerker-Tugenden, die Heiko Asmus schon von seinem Großvater mitgegeben bekommen hat. Mit sechs Jahren bekam er seine erste Taschenuhr geschenkt. Die Vorliebe für Chronometer ist bis heute geblieben.

Als Junge aber hatte er einen großen Verschleiß an Zeitmessern. Sein Opa ging mit ihm jedes Mal eine neue Uhr kaufen. Und jedes Mal schien der Weg zum Laden endlos zu sein. Nach nur fünf Metern Fußmarsch kannte der ehrwürdige Handwerker jemanden, blieb stehen, hielt einen Snack. Heute würde es den beiden Kindern von Heiko Asmus nicht anders ergehen.

„Ist doch klar. Ich bin doch nicht nur Handwerker, sondern auch Dienstleister. Da redet man miteinander“, rechtfertigt der Raumausstattermeister. Von den meisten Kunden kenne er deren Kinder, deren Krankheiten, deren Kleiderkammer. „Sie gewähren mir Einblick in ihre tiefste Privatsphäre“, bringt Heiko Asmus es auf den Punkt. Es gebe sogar Leute, die haben sich seine Arbeitszeit und die seiner Mitarbeiter schon mal reserviert. „Die wissen mitunter noch gar nicht, was sie wollen. Aber die haben sich einen schönen Urlaub gebucht und während dieser Zeit ihrer Abwesenheit sollen wir dann in ihrem Heim werkeln“, erzählt der Jubilar nicht ohne Stolz über soviel Vertrauen. Die Winterferien und auch die nächsten Sommerferien sind bereits geblockt.

Nach der Schule begann Heiko Asmus die Lehre zum Raumausstatter, die Berufsbezeichnungen Polsterer oder gar Tapezierer gab es im Westen ja gar nicht mehr. „Ich weiß noch genau, wie 1990 das Schreiben von der Berufsgenossenschaft kam, in dem es hieß, mein Vater dürfe oder müsse sich von nun an ‚Raumausstatter‘ nennen. Das war schon schwierig, denn mit dem Begriff konnte ja hierzulande niemand etwas anfangen“, erzählt Heiko Asmus.

Diese Unwissenheit ist längst vorbei. Das Handwerk hat goldenen Boden, sein Handwerk hat goldenen Boden. Möglicherweise sorgt dafür irgendwann auch Sohn Eric, der jetzt aber erst einmal die Abiturklassen absolvieren muss. Dann wird auch er schon sein Ding machen.

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Susanne Eichler