Dieser Trend ist ungebrochen:

Im Internet informieren, im Laden kaufen

Händler beklagen immer wieder, dass die Kunden Geräte im Geschäft ausprobieren, dann aber doch im Internet kaufen. Ist diese Sorge um den Beratungsklau berechtigt?

Frank Wilhelm Martina Leffin-Scholz und ihr Zweirad-Mechaniker Mario Heuchert: Die Unternehmerin sorgt sich weniger um den so genannten Beratungsklau.

Kunden von Martina Leffin-Scholz kommen häufig mit Ausdrucken von Internetseiten in ihren Fahrrad-Laden. Abgebildet ist das Wunsch-Rad, das dann aber in der Regel im Geschäft gekauft wird. „Für unsere Kunden ist es wichtig, das Fahrrad zu sehen und draufzusitzen“, sagt Martina Leffin-Scholz. Der Preis sei in der Regel eher zweitrangig. Die Nähe zum Kunden und der Service vor Ort zähle in der Branche noch, sagt die Geschäftsfrau. 1979 starteten ihre Eltern mit dem Fahrradhandel. 2003 hat die Tochter übernommen. Sie hat frühzeitig erkannt, dass das Internet wichtig für sie als Händlerin ist. Vor gut drei Jahren startete das Fahrradhaus mit einem eigenen Online-Shop. Renn- und Trekkingräder, Kinder- und E-Räder findet der Interessent dort genauso wie diverses Zubehör.

Zwar würden von Neubrandenburg aus auch online Räder in ganz Deutschland verkauft. Der Handel übers Internet könne aber nach wie vor nicht mithalten mit den Umsätzen im Laden, sagt Martina Leffin-Scholz. Trotzdem sei die Internetseite längst unverzichtbar für sie. Hier könnten sich die Kunden bequem vom Sofa aus über das Angebot informieren und dann eben auch das Angebot fürs Wunsch-Fahrrad ausdrucken.

Das Internet ist der Showroom

Im Internet informieren und im Geschäft kaufen – auch wenn der Online-Handel in Deutschland unaufhaltsam auf dem Vormarsch scheint, funktioniert dieser Weg nach wie vor öfter als umgekehrt, sagt Tino Zimmermann, Einzelhandelsexperte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg. Deutschlandweit würden sich knapp 40 Prozent der Kunden erst im Internet informieren, um anschließend im Laden um die Ecke einzukaufen. Bei den Konsumenten unter 25 Jahren sind es sogar fast 55 Prozent. „Online-Shops sind Showrooms des stationären Handels mit zunehmender Bedeutung“, sagt Zimmermann.

Der umgekehrte Weg werde seltener beschritten. 10,3  Prozent der Kunden würden sich erst im Geschäft umschauen, ehe sie doch im Internet einkaufen. Auch wenn dieser Wert eher gering erscheint, im konkreten Fall ist dieses Kaufverhalten schmerzhaft für lokale Händler. Immer wieder ließen sich Kunden im Geschäft einen Fernseher vorführen, um dann doch bei Amazon oder im Media Markt zu kaufen, sagt Ronny Gottschalk, Geschäftsführer der Firma Elektro-Gottschalk, die Filialen in Prenzlau und Neubrandenburg betreibt. Mit den Preisen für Fernseher beispielsweise könne er als relativ kleiner Händler nicht mithalten. Er versuche, mit Service zu punkten: „Wir bringen den Fernseher nach Hause, schließen ihn an und richten ihn für den Kunden ein.“

Service vor Ort sowie die Möglichkeit, die Ware in Augenschein nehmen zu können, das ist der wichtigste Grund, warum 95 Prozent der Menschen im Nordosten bei einem Händler vor Ort einkaufen, wie eine Nordkurier-Umfrage ergab. Weitere Gründe: eine sichere und unkomplizierte Zahlungsweise (91 Prozent), der einfache Umtausch (83) sowie der direkte Kontakt zum Händler (82).

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung