"Inselfrische" setzt ganz auf Vor-Ort-Vermarktung:

Insel-Molkerei wird von Klinkenputzerin zur Sternekoch-Lieferantin

Vor 17 Jahren hat sich die Agrarwissenschaftlerin Sylva Rahm-Präger auf Rügen mit einer kleinen Molkerei selbstständig gemacht. Heute beliefert ihre Firma Hotels, Handelsketten und sogar einen Michelin-Sterne-Koch.

Auch wenn die Preise hier meist höher liegen als bei Durchschnittswaren im Supermarkt: Im kleinen Hofladen der Poseritzer Molkerei Inselfrische sind viele Einheimische längst Stammkunden. Auch Urlauber machen hier auf ihrer Heimreise einen Abstecher, um sich noch einmal mit frischen Milch- und Frucht-Produkten von der Insel Rügen zu versorgen.
Sommer Auch wenn die Preise hier meist höher liegen als bei Durchschnittswaren im Supermarkt: Im kleinen Hofladen der Poseritzer Molkerei Inselfrische sind viele Einheimische längst Stammkunden. Auch Urlauber machen hier auf ihrer Heimreise einen Abstecher, um sich noch einmal mit frischen Milch- und Frucht-Produkten von der Insel Rügen zu versorgen.

Im kleinen Hofladen geben sich die Kunden die Klinke in die Hand. Über die Theke gehen Käsebällchen in Öl, Naturquark, Waldfrucht-Aufstriche, Sanddorn-Holunderbeer-Gelees und das neue Brombeer-Vanille-Dessert wie warme Semmeln. Und draußen auf der Café-Terrasse plaudert man bei Buttermilchkuchen und frisch geschlagener Sahne. Gleich nebenan, in den Produktionsräumen der kleinen Molkerei Naturprodukt GmbH in Poseritz auf Rügen, schneiden sechs Frauen gerade angelieferten Kürbis für einen neuen
Fruchtaufstrich.

„Jährlich verarbeiten wir inzwischen hier rund 400 000 Liter Milch und 20 Tonnen Wildfrüchte, inklusive sechs Tonnen Sanddorn“, sagt Sylva Rahm-Präger, die 1998 die Firma Rügener Inselfrische gründete und diese zu einem Aushängeschild für einheimische Produktverarbeitung machte. Das Unternehmen, das 2014 fast 900 000 Euro Umsatz schaffte und nun die Millionen-Grenze anvisiert, bezieht seine Milch direkt von der benachbarten Agrarprodukt GmbH und macht daraus vielerorts begehrte naturbelassene Leckereien.

„Der absolute Reißer ist unser Naturjoghurt“, sagt die Agrarwissenschaftlerin. Der nicht wärmebehandelte Joghurt mit noch lebenden Milchsäurebakterien habe schon vor Jahren bei der Laufkundschaft zu einem Siegeszug angesetzt, dem sich inzwischen auch der Großhandel nicht entziehen kann. Anfangs habe man noch bei der Hotellerie Klinken putzen und für die Produkte werben müssen, erinnert sich die 54-Jährige. Heute beliefere der firmeneigene Kühltransporter mindestens einmal wöchentlich rund 40 Hotels auf Rügen mit Frischwaren.

Konzept: Naturbelassene Produkte von der Insel Rügen

Etwa 60 Prozent des gesamten Sortiments gehen an Großkunden, darunter auch Supermärkte wie Marktkauf in Greifswald, Citti und Real in Stralsund oder Edeka auf Rügen, die täglich über eine Fremdspedition beliefert werden.

Auch die Haute Cuisine schätzt die handgemachten Produkte der kleinen Molkerei längst. Zu den Fans von Inselfrische gehört zum Beispiel der Michelin-Sternekoch Ralf Haug, der in Binz das Restaurant „Freustil“ betreibt und dort auch fangfrischen Ostseefisch, knackfrisches Gemüse vom Rügen-Gut Rosengarten oder Mecklenburger Wild serviert. „Wir bevorzugen Produkte mit kurzen Anfahrtswegen von Produzenten, die wir persönlich kennen“, unterstreicht der Küchenchef.

Molkerei-Inhaberin Rahm-Präger hat noch manche Idee, mit der sie das Sortiment bereichern könnte. „Im Bereich Frischkäse zum Beispiel wollen wir demnächst noch ein Rezept mit Rügener Rapsöl kreieren“, sagt die Unternehmerin, die inzwischen 13 Mitarbeiter beschäftigt. An ihrer Grundidee aber lässt sie nicht rütteln: „Wir konzentrieren uns auf naturbelassene Produkte, und zwar möglichst von der Insel Rügen.“

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