Chancen für den Handel vor Ort:

Wie man König Kunde erfolgreich in die Stadt lockt

Der Mensch konsumiert mit allen Sinnen. Er möchte sehen, fühlen, manchmal auch riechen und schmecken, was er kauft. Beim Online-Handel geht das so nicht, denn zwischen Einkauf und Erleben der Ware steht der Versand. Ist das die Chance für stationären Handel?

Der „Boulevard XXL“ ist eine von mehreren Veranstaltungen der Neubrandenburger Werbegemeinschaft.
Sebastian Haerter Der „Boulevard XXL“ ist eine von mehreren Veranstaltungen der Neubrandenburger Werbegemeinschaft.

Tausende Menschen werden morgen Abend in die Neubrandenburger Innenstadt strömen. Ihr Ziel ist die Einkaufsmeile, die sich für einen Abend in einen Laufsteg verwandelt. „Boulevard NB-XXL“ heißt die Veranstaltung der örtlichen Werbegemeinschaft, bei der 16 Modehändler die Kollektion für Herbst und Winter auf einem 111 Meter langen Freiluft-Catwalk präsentieren. Der Eintritt ist frei, es herrscht Volksfeststimmung. Das, was sie von Models präsentiert bekommen, können die Kunden gleich vor Ort kaufen.

Michael Schröder von der Agentur Canvass veranstaltet und entwickelt seit Jahren etliche solcher Events für die Werbegemeinschaft Neubrandenburger Innenstadt (WGI). Das Ziel: „Mit Veranstaltungen für alle Zielgruppen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Verweildauer in der City verlängert wird.“ Dafür engagiert sich auch der Hauptvermieter der Gewerbeimmobilien in der Innenstadt, die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges), die unter der Marke „Boulevard NB“ diverse Veranstaltungen wie etwa das Halloween-Shopping fördert.

Über die Arbeitsgruppe „Attraktive City“ sitzt auch die Stadtverwaltung mit im Boot, um etwa die Aufwertung der Turmstraße zu beraten. Insgesamt scheint das Konzept zu greifen: Hatte die Werbegemeinschaft zu ihrer Gründung 1992 noch 19 Mitglieder, sind es heute 131, so Schröder. Die Fluktuation innerhalb der City sei gering. Bemerkenswert ist, dass fast die Hälfte Fördermitglieder sind, die gar kein Geschäft innerhalb der Stadtmauern besitzen. „Aber sie haben ein vitales Interesse an einer lebendigen Innenstadt.“

Das dürfte auch Michael Dittrich haben, der Manager des Marktplatz-Centers. Das viel beschworene Mantra des Handels: „Hell, sauber, sicher und stets freundlich!“ sei beileibe kein Selbstläufer – „Du musst was tun“, weiß er. Deshalb stimmen sich Center und Werbegemeinschaft regelmäßig zu verkaufsoffenen Sonntagen und ähnlichen Aktionen ab. Was die lebendige Innenstadt betrifft, sieht Dittrich trotz Fortschritten noch lange keine Grund, die Hände in den Schoß zu legen.

Der Neubrandenburger Marktplatz sei ihm noch zu wenig bespielt, er vermisse hier regelmäßige und mehr Aktionen wie einen Mittelaltermarkt. Die Kunst sei es, für alle Altersgruppen zwischen 0 und 99 ein gleichermaßen attraktives Angebot vorzuhalten. „Es muss das Gefühl verbreitet sein, hier ist immer was los, hier lohnt es sich hinzukommen.“

„Was man hat, sollte man erhalten und fördern“

Im Mittelzentrum Prenzlau ist der City-Gutschein des dortigen Geschäftsstraßenmanagements ein erfolgreiches Modell, die Menschen in die Stadt zu locken. Bei 69 Teilnehmern könne man damit schon einkaufen, freut sich City-Managerin Susanne Ramm: „Das trägt dazu bei, dass das Geld in der Stadt bleibt.“ Schon mehr als 110 000 Euro Umsatz habe man so erzielen können.

Die praktische Ergänzung dazu ist ein gedruckter Einkaufsführer, der als Wegweiser durch den Angebotsdschungel fungiert. Dazu gibt es in Prenzlau auch eine City-App und ähnlich wie in Neubrandenburg einen Facebook-Account, über die sich der Besucher zu den Angeboten der Innenstadt informieren kann. Und auch Prenzlau setzt auf Events wie eine Mode-, Kunst und Fitnessmeile, um den Erlebniseinkauf zu fördern. In den letzten fünf Jahren, so die City-Managerin, sei es gelungen, den Umsatz relativ stabil zu halten, und das bei gestiegenen Fixkosten. Leerstand gebe es in der Innenstadt kaum, die Fluktuation bei den Geschäften gehe gegen Null. Eine Werbe- und Interessengemeinschaft bündelt die Interessen der Unternehmer vor Ort.

„Eine tote Innenstadt ist für mich unvorstellbar“, beschreibt Ramm die Triebfeder ihres Tuns. Aber allein komme man als Unternehmer nicht weiter, Kommunikation und Vernetzung seien die wichtigsten Faktoren, wolle man den Status quo erhalten. Und darum gehe es schließlich, „denn was man hat, sollte man erhalten und fördern“.

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