Fußball:

FCN-Trainer Kolacki droht mit Vertragsauflösung

Beim 1. FC Neubrandenburg 04 scheint die Herrlichkeit vom Saisonstart endgültig vorbei zu sein. Coach Kolacki fühlt sich vom Vorstand allein gelassen.

Unzufrieden mit der Gesamtsituation: FCN-Trainer Dariusz Kolacki.
Roland Gutsch Unzufrieden mit der Gesamtsituation: FCN-Trainer Dariusz Kolacki.

Dariusz Kolacki hat offenbar die Nase gestrichen voll von Fußball-Oberligist 1. FC Neubrandenburg 04. „So wie jetzt kann ich nicht arbeiten. Wenn meine Mannschaft am Sonnabend im Heimspiel gegen den SV Lichtenberg 47 die vierte Niederlage in Folge kassiert, ziehe ich meine Konsequenzen. Dann löse ich meinen Vertrag zum Ende der 1. Halbserie auf, und der Verein hat genug Zeit, sich einen anderen Trainer zu suchen.“ Meint er: Einen anderen Dummen?

Kolacki zog im Nordkurier-Gespräch vom Leder. „Wir verlieren dreimal am Stück, und vom Vorstand lässt sich keiner blicken, um das Gespräch mit der Mannschaft zu suchen oder eine Ansage zu machen. Das kann denen doch nicht egal sein?! Es gibt überhaupt keine Verbindung zwischen Vorstand und Trainer, zwischen Vorstand und Spielern“, bemängelt der 40-Jährige. Er fühle sich allein gelassen, zumal ihm noch immer kein „Co“ an die Seite gestellt worden sei. Ohne Hilfe aus der Chefetage drohe eine ähnliche Grotten-Saison wie 2013/2014.

Dabei fing die Spielzeit des Viertorestädter Landescupsiegers furios an. Mit einer abgefeimten Konter-Taktik war die FCN-Truppe von Jürgen-Bogs-Nachfolger Kolacki zu drei Startsiegen und zwei respektablen Unentschieden in Spitzenkicks gekommen. Zudem hatte man im DFB-Pokal-Spiel gegen Zweitligist Karlsruher SC rund 3500 Zuschauer begeistert (1:3) – zugleich ein schöner Zahltag für den Club. All das ließ Erwartungen sprießen. Dann aber war es vorbei mit der Herrlichkeit. Es folgten Pleiten in Rathenow (2:3), gegen den Malchower SV (1:3) und am vorigen Sonnabend beim Brandenburger SC Süd (1:3).

Wie es dazu kommen konnte? Für Dariusz Kolacki sonnenklar: „Schlechte Trainingsbeteiligung, Lustlosigkeit der Spieler, ein Torhüter-Problem. Geht es in dem Stil weiter, wird überhaupt kein Spiel mehr gewonnen.“ In der Saison-Vorbereitung habe er noch über rund 20 Fußballer bei seinen Übungseinheiten verfügt. Da sei es möglich gewesen, vernünftig an Fitness und Spielzügen zu feilen. Wenn derzeit ein Dutzend Spieler am Team-Training teilnehme, sei das schon viel.

„Von einer Krise zu sprechen fände ich übertrieben“, sagt Mannschaftskapitän Daniel Nawotke, auf die drei jüngsten Negativresultate angesprochen. „Wir sind nach den bisherigen neun Oberliga-Spielen mit 14 Punkten Tabellenachter . Nach unten ist noch Luft. Im Vorjahr wären alle über so einen Zwischenstand heilfroh gewesen“, ließ der 25-jährige Kapitän kein Krisengerede gelten. Allerdings: „Stimmt schon, zuletzt sind wir nicht mehr so richtig als Mannschaft und mit der notwendigen Ordnung im Spiel aufgetreten wie zu Beginn der Saison. Das war ärgerlich.“ Man wolle am Sonnabend (Anpfiff 14 Uhr) gegen die elftplatzierten Lichtenberger „zumindest nicht verlieren“.

Dabei helfen könnte Defensiv-Kicker Denny Meincke, der seine Gelb-Rot-Sperre abgebrummt hat. Auch Dominik Czech sollte wieder zum Aufgebot gehören – ebenso der zuletzt angeschlagene Maciej Melerski.

Offensivmann Nawotke hat gleichfalls den Eindruck, dass die FCN-Saison am Scheideweg steht. „Die positive Grundstimmung fehlt zurzeit. Wir müssen aufpassen, nicht in ein Jahr wie das vorige abzurutschen, als wir am Ende noch froh sein mussten, die Klasse zu halten“, erklärte der sprintstarke Spieler, der wegen akuten Stürmermangels nach ganz vorn beordert worden ist und mit fünf Treffern und fünf Torvorlagen seine Sache bislang gut gemacht hat.

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