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Power-Beine: Wolff liebt laufend Extreme

Neubrandenburg ist ideal zum Drumherumrennen, meinte der Student Arne-Christian Wolff nach seiner Ankunft in der Stadt und machte sich auf die Socken.

Gern in den Bergen unterwegs: Arne-Christian Wolff.
Privat Gern in den Bergen unterwegs: Arne-Christian Wolff.

Ein Verrückter sei er. Das bekommt Arne-Christian Wolff öfter zu hören. Etwa wenn er an seinem Treppentrainingstag zum 35. Mal am Stück die 164 Stufen zum Jahnstein im Brodaer Holz hochjagt. Pro „Gang“ in durchschnittlich 57 Sekunden. Verrückt? Wolff, Student an der Hochschule Neubrandenburg, zuckt mit den Schultern und stimmt zu. „Ein Laufverrückter, das ist nicht ganz falsch. Aber wer nicht läuft, weiß auch nicht, was ihm entgeht.“

Abenteuer. Glücksgefühle, Außergewöhnliches schaffen zu können. Wie zuletzt bei dem „Salomon Zugspitz Ultratrail“ im ­bayerischen Grainau, einem der größten Bergläufe in Deutschland. Ein Höhepunkt für den 25-Jährigen mit der Hippie-Frisur. „Schwarz vor Augen ist mir erst eine Stunde nach dem Zieleinlauf geworden“, erzählt er. „Ich war längst geduscht und stand auf einem Andenkenbasar. So lange reichte das Adrenalin im Körper.“ Dann ging kurz das Licht aus: Wolff hatte 36 Kilometer mit - sage und schreibe - 1900 Höhenmetern in den Knochen und war mit seiner Zeit von 3:53 Stunden auf den 12. Platz unter 700 Teilnehmern gekraxelt. „Zehnter in meiner Alters­gruppe. Auch dank dem Jahnstein.“

Wolff weiter: „Ab Kilometer 17 war der Anstieg so steil, dass man im Gehschritt schneller vorankam. Die Zuschauer denken, man ruhe sich aus. Doch die Herzfrequenz ist gleich.“ Hart war der Wechsel zurück in den Laufmodus, die Muskeln brannten. „Der Kopf will nicht mehr, wenn du denkst, du seist endlich oben, dann aber doch noch eine Rampe folgt und noch eine.“ Aufzugeben sei allerdings nie eine Option gewesen.

Arne-Christian Wolff einen Hobbyläufer zu nennen, würde viele Jogger fies unter Druck setzen. „Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob ich so ein Rennen schaffe, sondern in welcher Zeit“, sagt der aus Niedersachsen stammende Wahl-Viertorestädter. Bei 1,87 Meter Körpergröße wiegt er 70 Kilogramm, davon ist keins zu viel. „Ich wäre gern kleiner, also wendiger auf Cross-Strecken“, fällt ihm zu seinen Maßen ein.

Mit 20 Kilo mehr auf den Rippen und ohne sportliche Ambitionen kam er vor drei Jahren in Neubrandenburg an. „Ich hatte hier einen Studienplatz gekriegt, Naturschutz und Landschaftsplanung, und mich kurzfristig dafür entschieden. Ohne viel über die Gegend zu wissen, überhaupt einen Schlafplatz zu haben, kam ich hier an“, erinnert sich Wolff. Ein spontaner Typ. Neubrandenburg erwies sich nicht wirklich als Partyzone, aber landschaftlich reizvoll gelegen - ideal zum Drumherumrennen. „Mein Vater ist ein leidenschaftlicher Läufer, ich selbst lief als Kind auch, war aber nie das Riesentalent.“

Arne-Christian Wolff machte sich wieder auf die Socken, verbiss sich in die Sache. „Mein Studium ist nach Trainingsplänen ausgerichtet“, klärt der junge Mann auf. Und doch hält er einen „ganz guten Notendurchschnitt“. Für ein Jahr klinkte er sich sogar ins Training der älteren Sportgymnasiasten ein, an Vor- und Nachmittagen. „Vorher trainierte ich fünf Mal pro Woche, dann zehn Mal. Das hat unheimlich viel gebracht.“ Power in den Beinen – und Erfolge. Beim Transalpine-Run 2013 über 260 Kilometer in acht Tagesetappen mit etlichen Gipfeln und Steinpfaden hielt er im Team Inov-8/Skinfit super durch. Ein Extrem-Erlebnis quer durch die Vegetationszonen. „Erst geht‘s noch locker zu. Aber das ändert sich. Man wird müde, quält sich.“ Wolff gewann im vorigen Jahr den Burgenlauf und wurde
10 000-Meter-Vize von MV auf der Bahn, im vorigen Monat holte er den Sieg auf der 10-Kilo­meter-Strecke beim Tollenseseelauf.

Apropos: Sollte ein Bergläufer wie er nicht einmal den hügeligen Marathon des Tollenseseelaufs angreifen? Arne-Christian Wolff kann sich mit diesem Gedanken für 2015 anfreunden: „Ich traue mir zu, den zu gewinnen, wenn auch nicht in Rekordzeit. Damit würde ich am Ende meiner Neubrandenburger Zeit eine Duftmarke hinterlassen.“