Fußball:

Abwehr-Leuchtturm stolz auf Profi-Vertrag

Matthias Zeugner kennt die TSG Neustrelitz nicht allein aus der Fußballer-Perspektive: Im Bundesfreiwilligendienst war er auch als Müllmann gefordert.

Am liebsten Innenverteidiger: Matthias Zeugner.
Roland Gutsch Am liebsten Innenverteidiger: Matthias Zeugner.

Vom Bufdi zum Profi: Auf seinen ersten Vertrag als Berufskicker angesprochen, lächelt Matthias Zeugner von oben herab. Um Missverständnisse zu vermeiden – der junge Mann ist
mächtige 1,97 Meter lang, er kann also nicht anders, als sich in seinen Höhen­lagen zu freuen. „Mein Jahr im Bundesfreiwilligendienst bei der TSG Neustrelitz läuft aus, und dass ich nun einen Vertrag als Fußballer vom Verein bekommen habe, ist einfach ideal“, sagt der Abwehr-Leuchtturm.

Der Vertrauensvorschuss ist nicht unverdient. Nach dem Wechsel vom 1. FC Neubrandenburg 04 zur TSG im Sommer 2013 war angedacht, dass Zeugner in seinem ersten Männer-Jahr zwar mit dem Regionalliga-Team trainieren, Spielpraxis aber zunächst in der Neustrelitzer Landesliga-Zweiten sammeln sollte. Am Ende standen für ihn immerhin elf Kurzeinsätze in der „Ersten“ und damit Titel-Aktien zu Buche.

Meister-Trainer Thomas Brdaric machte sich noch stark für einen Zeugner-Kontrakt, ehe er die TSG-Truppe gen VfL Wolfsburg II verließ. „Dem habe ich einiges zu verdanken“, weiß der 20-Jährige, sieht indes seine Chancen unter Neu-Coach Torsten Gütschow nicht schrumpfen. Im Gegenteil: „Das ist eine neue Möglichkeit, mich zu empfehlen. Ich hoffe auf längere Spielzeiten.“ Möglichst als Innenverteidiger. „Meine Lieblingsposition. Man kann mich aber auch als Sechser vor der Abwehr bringen.“

Im Landespokal-Spiel der TSG-Truppe am vergangenen Wochenende beim FSV Mirow/Rechlin (2:1) saß Zeugner auf der Ersatzbank – und da blieb er auch bis zum Abpfiff. Bleibt abzuwarten, wie es zum Regionalliga-Auftakt am kommenden Freitag (19 Uhr) – Heimspiel gegen Viktoria Berlin – für ihn aussieht.

Für ein Aufmerken bei den Talente-Spähern sorgte Matthias Zeugner einst mit starken Auftritten in der Junioren-Truppe des 1. FC Neubrandenburg 04, bei dessen Vorgänger FC Tollense der gebürtige Viertorestädter im Jahr 1999 mit dem Fußballspielen begonnen hatte. Beim Übergang in den Herren­bereich landete Zeugner auch durch Vermittlung von André Schröder – einst sein A-Junioren-Trainer beim FCN, nun TSG-II-Coach – in Neustrelitz. Das Angebot überzeugte: Ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) und Training mit Leistungssport-Anspruch. „Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, auch wenn viele von mir eigentlich erwartet hatten, dass ich für die Neubrandenburger Männer spielen würde. Doch wie man sieht, habe ich den richtigen Schritt gemacht“, so der Jungprofi.

Sein Vater sei nach dem Neustrelitz-Wechsel mächtig stolz gewesen, dass der Sohn nunmehr zur hiesigen Fußball-Nummer eins gehörte. „Er kommt zu jedem Heimspiel, und mittlerweile hat er auch meine Mutter angesteckt, die ist schon ein echter TSG-Fan“, erzählt der Filius, der nach wie vor bei den Eltern in Neubrandenburg wohnt.

Matthias Zeugner setzt derzeit alles auf die Karte Fußball: „Einen Plan B gibt es nicht. Ich will es beruflich im Sport packen, mich hier durchsetzen.“

Im aktuellen Regional­liga-Kader voller Neuzugänge dürfte Zeugner zu denjenigen gehören, die am besten wissen, wie die TSG tickt. Als Bufdi fuhr er Plakate aus, kreidete Plätze, organisierte Nachwuchsturniere mit, ­sammelte den Stadionmüll nach Spielen auf, in denen er tags zuvor mitgewirkt hatte. „Ich habe schon geschnallt, dass zum Fußball mehr gehört, als gegen den Ball zu hauen“, sagt Matthias Zeuger. „Sehr gut war, dass ich den Job gut mit dem Training kombinieren konnte.“

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