Fußball:

„Horschtl“ holt die Gütschows nach

Torsten Gütschow ist kein Brdaric-Typ. Ein Pendeln zwischen Job und Zuhause kommt für den Neu-Trainer der TSG Neustrelitz nicht in Frage.

Der neue TSG-Trainer Torsten Gütschow (rechts) mit seinem "Co" Marco Weißhaupt.
Andy Bünning Der neue TSG-Trainer Torsten Gütschow (rechts) mit seinem "Co" Marco Weißhaupt.

Warum ihn alle (Fußball)-Welt „Horschtl“ nennt? Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Torsten Gütschow: „Wie Spitznamen eben so entstehen. Als ich 14 war, wurde ich von Dynamo Görlitz nach Dresden auf die Kinder- und Jugendsportschule geschickt. Und im Klassenbuch stand nicht etwa Torsten Gütschow, sondern Horst Gütschow. So hieß mein Vater!“ Ein großer Heiterkeitserfolg bei seinen Mitschülern. „Daraus wurde dann Horschtl.“ Die sächsische Horst-Variante. Später, in seiner starken Zeit als Torjäger von Dynamo Dresden, war beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung vom Stadionsprecher zu hören: „Die Nummer 11 – unser Horschtl!“ Und jeder wusste, wer gemeint war.

Am Montag hat Gütschow, seit diesem Sommer der Trainer von Regionalliga-Meister TSG Neustrelitz, seinen 52. Geburtstag. Gut möglich, dass sich auch der Norden um ein anständiges Sächseln bemüht und wünscht: Alles Gute, mei Horschtl!

Der hat momentan den Kopf voll. Spätestens zum Regionalliga-Start am 1. August im Heimspiel gegen Viktoria Berlin soll ein Team funktionieren, das hochprozentig aus Neuzugängen besteht. Am Sonnabend um 17 Uhr gilt‘s vorher schon mal im Landespokal-Kick bei Nachbar FSV Mirow/Rechlin.

Und privat? „Ich will, dass meine Frau und meine Töchter hier bei mir sind. Darum bin ich auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung oder einem Haus für uns vier“, sagt Torsten Gütschow. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Thomas Brdaric, der als Pendler nie ein Hehl daraus machte, Neustrelitz als Zwischenstation zu betrachten, kommt der „Neue“ mit Sack und Pack und ganz in Familie. „Anders ist das für mich gar nicht denkbar. Ich möchte nicht nur ein Vereinsangestellter sein, sondern zu dieser Gegend gehören. Das geht nur, wenn man mit seinen Lieben hier lebt, ansonsten würde etwas auf der Strecke bleiben. Hängt wohl damit zusammen, dass ich ein alter Ostler bin.“

Dass er die Seenplatte-Region auch landschaftlich schätzt, beweist ein Kuriosum: „Noch ehe ich auch nur ahnen konnte, dass ich Trainer bei der TSG werde, habe ich für meine Familie und Freunde einen Ferienplatz in der Wesenberger Ecke gebucht. Ich find‘s gut hier.“ Nun arbeitet er da, wo er auch Urlaub machen würde.

Die Gütschow-Zwillinge Lucienne und Adrienne sind acht Jahre alt. „Die eine ist als Rollschuhläuferin sehr begabt, die andere als Eiskunstläuferin. Das können sie nicht von mir haben“, lacht der stolze Papa, der zudem aus erster Ehe eine 28 Jahre alte Tochter in Dresden hat. Seine Frau arbeitet in einem Krankenhaus im niedersächsischen Rotenburg/Wümme nahe Zeven, wo die Familie jetzt noch wohnt. Das wird sich in den kommenden Wochen ändern. Viel zu tun, mit der TSG, mit dem Umzug – da wird es wohl vorerst nix mit einem ordentlichen Skat-Kloppen, das der Coach gern mal macht.

Torsten Gütschow, jungenhaft auch jenseits der 50, hat einen Schlüsselbund in der Hand. Daran ein Anhänger mit einem geschwungenen „D“. Das steht für Dynamo Dresden. „Dort habe ich als Fußballer meine beste Zeit gehabt. Die Verbundenheit bleibt“, sagt Gütschow. Telefonisch hält er Kontakt mit einstigen Größen wie Dixie Dörner, Dieter Riedel, Ulf Kirsten und Ralf Minge.

Zweimal DDR-Meister, dreimal Pokalsieger, dreimal Oberliga-Torschützenkönig: Wer sich für den Ostfußball interessiert, kennt Gütschows Top-Ausbeute. Nach der Wende holte der Ex-DDR-Auswahlstürmer mit Galatasaray Istanbul 1993 den türkischen Titel und war für die Zweitbundesligisten Jena, Hannover und Chemnitz als Goalgetter auf Achse.

Trainer-Ämter bekleidete Gütschow kurz beim Bremer FC Oberneuland und sechs Jahre lang bei TuS Heeslingen in Niedersachsen. Mit Letzterem packte er drei Mal sportlich den Aufstieg in die Regionalliga, doch der Verein erhielt nie die Lizenz dafür. Dreifache Tragik.

Wo auch immer im Job, Torsten Gütschow ließ es sich nicht nehmen, für Dresdens Alt-Herren-Dynamos anzutreten. „Im Sturm, klar. Wo denn sonst?!“

In der vergangenen Saison war es damit allerdings Essig. Drei Fußoperationen musste er über sich ergehen lassen. „Zuletzt hatte ich sogar noch eine Entzündung da drin, böse Sache“, blickt der Betroffene auf den rechten Fuß. „Dass ich im Neustrelitzer Training zunächst auf Socken unterwegs gewesen bin, liegt also nicht daran, dass ich keine Sportschuhe hatte.“ Nun wird es besser. Der Schuh wird passen,
und der Ball lockt.

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