Jubilar:

Ein Schulgärtner, der kein Rennpferd sein wollte

Klaus-Dieter Ziese – einer, der den Sport liebt, zum Fußball eine besondere Beziehung hat und in gleich mehrfacher Hinsicht von Nehmer zum Geber wurde, feierte diese Woche seine 60. Geburtstag.

Sportlehrer Klaus-Dieter Ziese mit seinen Jungen von der Pestalozzi-Grundschule Prenzlau beim Straßen-Staffel-Tag kurz vor dem Start.
O. Spitza Sportlehrer Klaus-Dieter Ziese mit seinen Jungen von der Pestalozzi-Grundschule Prenzlau beim Straßen-Staffel-Tag kurz vor dem Start.

Grundschullehrer, Fußballfan seit Kinderjahren, aktiver Kicker, der einst bei der ZSG Schmölln als 15-Jähriger sein erstes Spiel auf einem Großfeld absolvierte und bis 2011 weit über 500 Spiele in der Stadtliga Prenzlau zwischen den Pfosten stand. Über allem könnte stehen – „den Sport lieben gelernt und diesen Funken mehr als tausendfach weitergegeben“. Das in nun fast 40 Berufsjahren und vielen Jahren im Ehrenamt als Nachwuchstrainer bei den Rot-Weiß-Kickern aus Prenzlau.Er wuchs in Damme auf. Und er bekennt, dass ein Spartakiade-Erlebnis für ihn der Türöffner zum Sport war. „Unsere Schule stellte eine Mannschaft für den Wettbewerb auf dem Kleinfeld, denn auf dem Großfeld traten jene an, die schon in Vereinen des Kreises Prenzlau regelmäßig spielten. Wir waren die Überraschungssieger dieses Wettbewerbs. Man, waren wir darauf stolz.“ Als Aktiver stand er für die ZSG Schmölln ab 1968 auf dem Feld. Mein Lehrer prägte damals einen Satz, denn ich viele Jahre später im Uckermark Kurier fast im gleichen Wortlaut einmal von Clemens Wenzel, einem ehemaligen Schüler von mir, der erfolgreicher Ruderer wurde, hörte: „Aus einem Achergaul kann man kein Rennpferd machen.“ Will heißen: Ziese ab ins Tor.In solcher Funktion erlebte man ihn ab 1970 für die ISG Wissenschaft Templin, obwohl er da am Institut für Lehrerbildung mit Uwe Schwenke einen starken Torwart-Konkurrenten hatte. „Aber Schwenke ist ja etwas älter, also beerbte ich ihn auf dieser Position bald.“Dann aber war die Ära Prenzlau/Uckermark für ihn beendet. Nach dem Abschluss 1974 als Unterstufenlehrer (so die Berufsbezeichnung in der DDR für den heutigen Grundschullehrer) ging es für ihn ab ins Mecklenburgische nach Gielow. Dort überraschte er auf ungewohnte Weise. Neben Deutsch und Mathematik als Pflichtfächern für seinen Beruf musste im Studium ein Wahlfach belegt werden. Von den am Institut in Templin angebotenen – Musik, Sport, Werken, Schulgarten – hatte er ausgerechnet Letzteres gewählt. Warum nicht Sport?„Ich sage nur Ackergaul. Interessiert hätte mich das mit dem Sport schon. Aber da gab es in der Ausbildung ja noch mehr als die Ballsportarten. Laufen war schon nicht mein Ding. Aber so was wie Gerätturnen lag mir erst recht nicht.“Doch der junge Schulgärtner in Gielow hatte die Liebe zum runden Leder im Blut. „Ich gründete eine Mannschaft. Und als wir in der Kreismeisterschaft überraschend gegen Lok Malchin gewannen – bei Lok übrigens damals Thomas Doll dabei – stand das prompt in großen Lettern in der Bezirkszeitung ,Freie Erde‘.“Und Gielow wurde auch zur Geburtsstunde von Sportlehrer Ziese. „Als dort die Sportlehrerstelle frei wurde, habe ich mich beworben.“ Das war dann fast so was wie eine Zwickmühle, denn nun musste der Schulgärtner junge Rennpferde formen. Aber damit, und den Spaß am Sport zu vermitteln, hatte er keine Probleme.Die Liebe lockte ihn zurück in die Heimat. 1984 fing er an der kleinen Strehlower Schule an. „Das war ein schönes, ruhiges Arbeiten mit sportwilligen Kindern.“ Seine nächsten Schulstationen hießen Artur-Becker-Oberschule, Hackert-Oberschule und Oberschule Dedelow. Von dort kam er 1994 an die Pestalozzi-Grundschule Prenzlau. Eine ganze Reihe befragter ehemaliger Schüler bestätigten, gern bei Klaus-Dieter Ziese Sportunterricht gehabt zu haben. Irgendwie wurde das auch unausgesprochen nach außen deutlich. Im uckermärkischen Sport bekannte Aktive wie Clemens (Rudern) und Josephine Wenzel (Handball), Marlen Hein (Judo), Eric Tegge (FB-Schiedsrichter) oder Udo Burmeister (Fußball) gehörten zu jenen Pestalozzi-Schülern, die auch mit Ziese- Hilfe ein Leben mit dem Sport vermittelt bekamen und dieser Maxime treu blieben. Viel andere wiederum lernten unter seiner Führung zu siegen. Beim Straßen-Staffel-Tag von Uckermark Kurier und TSV 62 Prenzlau spielten Staffeln der Pestalozzi-Grundschule stets eine große Rolle: 15-mal Gold, das schaffte keine andere Grundschule, nur die Pestalozzi-Flitzer.Sein Sohn Eric brachte ihn dann auf eine ganz andere Schiene. Aus dem Stadtliga-Torwart wurde ein Nachwuchstrainer bei Rot-Weiß Prenzlau. „Acht Jahre habe ich an seiner Seite als Nachwuchstrainer gearbeitet.“ Das seien tolle und viele schöne Erlebnisse gewesen, wenn das sportlich und erzieherisch Vermittelte in Erfolge mündete.Aber 2011 war auch damit Schluss. „Das waren für mich traurige, ganz schwere Momente, als bei mir Parkinson diagnostiziert wurde. Aktiver Sport, das Traineramt und auch der Einsatz als Sportlehrer, das war einmal. Nun muss ich mit Tabletten leben. Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt. Wenn auch die Arbeit als Klassenlehrer gesundheitlich bedingt nicht immer leicht ist, aber Spaß macht sie mir allemal.“Sportlich gesehen ist noch ein Wunsch offen. Die Mannschaft, für die er einst die Basis legte, ist schlecht in die Saison der B-Junioren-Landesklasse gestartet. Auch am Ziese-Geburtstag hatte sie kein Geschenk für ihn, obwohl er an der Außenlinie stand und zuschaute. In Schwedt gab es eine 0:8-Schlappe. „Aber da müssen die Jungen durch. Das Zeug dazu haben sie.“

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