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Defektes Ventil am Tanklaster sorgte für Salpeter-Havarie

Die Sperrung der A24 ist am Dienstagabend nach der Salpeter-Havarie aufgehoben worden.

Das Abpumpen der Flüssigkeit wird Stunden dauern.
Paul Zinken / dpa Das Abpumpen der Flüssigkeit wird Stunden dauern.

Aus einem Tankwagen ausgelaufene Salpetersäure hat den Verkehr auf der Autobahn 24 Berlin-Hamburg am Dienstag für Stunden zum Erliegen gebracht. Die Polizei riet allen Autofahrern auf dem Weg zur Ostsee oder auch von Mecklenburg-Vorpommern nach Süden, die Region Neuruppin/Wittstock möglichst weiträumig zu umfahren. Salpetersäure wirkt ätzend auf Haut und Atemwege.  

"Der Grund für das Ausfließen der Salpetersäure ist ein kaputtes Ventil an dem Tanklaster", sagte die Pressesprecherin der Polizeidirektion Nord, Dörte Röhrs. Verletzt wurde bei der Rettungsaktion, an der rund 200 Feuerwehrleute beteiligt waren, niemand. Salpetersäure wirkt ätzend auf Haut und Atemwege. Es kann zu Geruchsbelästigungen kommen. 

200 Feuerwehrleute im Einsatz

Der Fahrer des Gefahrguttransporters hatte am Montagabend auf dem Weg nach Hamburg an der Raststätte Walsleben-Ost ein Leck bemerkt. Danach wurden beide Autobahnseiten und auch beide Raststätten komplett geräumt und gesperrt. Der Lkw hatte 23 Tonnen 53-prozentige Salpetersäure in zwei Tankbehältern geladen. Zuerst wurde bis Mittag die Säure im kaputten Behälter abgepumpt. An dem Einsatz waren knapp 200 Kameraden - darunter auch eine Gefahrguttruppe aus dem Seenplatten-Kreis aus Röbel - beteiligt. Acht Mitarbeiter waren so erschöpft, dass sie medizinisch behandelt werden mussten. Anwohner wurden nicht verletzt.

Verkehrsbehinderungen bis Mittwochmorgen

Die A24 gilt mit der sich anschließenden A19 nach Rostock als Hauptstrecke von und zur Ostsee. Walsleben liegt zwischen Neuruppin und Wittstock. Auf beiden Seiten bildeten sich bis zu zehn Kilometer lange Staus. Die Sperrung der A24 wurde am Dienstagabend wieder aufgehoben.

Auch Anwohner evakuiert

Insgesamt verlor der Lkw rund eine Tonne Salpetersäure, erklärte die Polizeisprecherin. Dabei hatten Anwohner und Autofahrer auch Glück. "Es hatte sich eine Gaswolke gebildet, die in Richtung Feld und Wald abzog", sagte Röhrs. Zehn Erwachsene und drei Kinder mussten in Walsleben aus Häusern in Sicherheit gebracht werden. Nach dem Abpumpen sollte die ätzende Säure auf der Fahrbahn noch neutralisiert werden. Danach sollte geprüft werden, ob die Fahrbahn ausgetauscht werden muss. Die Ursache des Lecks soll ein defektes Ventil gewesen sein.

Der ätzende Stoff Salpetersäure

Salpetersäure (HNO3) wird unter anderem in der Industrie zur Reinigung von Flächen und Behältern verwendet. Dabei wird der gefährliche Stoff allerdings nur verdünnt eingesetzt. Auch zur Herstellung von Düngemitteln, Farbstoffen und Sprengstoffen wird die stark riechende Säure eingesetzt.

Die farblose Flüssigkeit Salpetersäure wirkt stark ätzend. Auf der Haut kann die Mineralsäure schwer heilende Wunden verursachen. Im Kontakt mit anderen Stoffen kann Salpetersäure heftige Reaktionen auslösen. Bei Berührung mit brennbaren Stoffen besteht Feuergefahr.

Organisches Material entzündet sich bei Kontakt mit Salpetersäure von selbst. Die dabei entstehenden nitrosen Gase wirken als schweres Atemgift. Flüssige Stoffe wie Aceton oder andere organische Lösungsmittel führen in der Reaktion mit Salpetersäure zu heftigen Explosionen.