Mindestlohn:

8,50 Euro reichen vielen nicht aus

Ein halbes Jahr gilt: Arbeitnehmer im Nordosten bekommen den Mindestlohn. Dennoch viele kämpfen um mehr Gehalt.

Mitarbeiter von Callcentern bekommen den Mindestlohn. Doch der reicht vielen nicht aus.
Jens Wolf Mitarbeiter von Callcentern bekommen den Mindestlohn. Doch der reicht vielen nicht aus.

Die Arbeit im Callcenter ist ein harter Job. Die Mitarbeiter sind ständig psychischem Stress ausgesetzt, sagt ein ehemaliger Angestellter eines Greifswalder Callcenters. Bei Pausen werde knallhart auf die Uhr geschaut, Nachtschichten seien normal. Den Angestellten wird viel abverlangt. Und das meist nur für einen Niedriglohn.

Die Arbeitsbedingungen in der Callcenter-Branche sind „höchst problematisch“, bestätigt Henning Foerster, gewerkschaftspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag. Im September 2014 arbeiteten in den 78 Callcentern in MV 12 108 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Davon hatte nur knapp die Hälfte einen Vollzeitjob. Mehr als die Hälfte derer erhielt 2013 noch Gehälter unter der Niedriglohnschwelle von 1545 Euro. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Mindestlohn = Niedriglohn?

Wer mit 8,50 Euro die Stunde bezahlt wird, komme mit 174 Arbeitsstunden im Monat auf ein Gehalt von rund 1479 Euro, rechnet Wolfgang Kolley, Vorsitzender der Telemarketing-Initiative MV vor. Für ein Gehalt unter der Niedriglohnschwelle hält er den Mindestlohn aber nicht. „Da kann ja jeder einfach eine Zahl in den Raum werfen. Wir richten uns nach der Gesetzeslage“, sagt der Chef eines Neubrandenburger Callcenters.

Friseure zahlen oft drauf

Auch in anderen Branchen hat der Mindestlohn Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen. Das Hotel- und Gaststättengewerbe fordert flexiblere Arbeitszeiten. Derzeit sind maximal zehn Arbeitsstunden am Tag möglich. Das könnte in Spitzenzeiten nicht ausreichen, sagt Matthias Dettmann, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands MV.

Zu einigen Entlassungen hat der Mindestlohn im Friseurgewerbe geführt. Gerade bei Berufseinsteigern zahlen einige Betriebe durch den Mindestlohn 100 bis 150 Euro drauf, weil sie nicht so einen großen Kundenstamm haben, sagt Ingo Thalmann, stellvertretender Vorsitzender im Landesinnungsverband der Friseure Brandenburg.