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Abgehängt! Vorpommern bei Wirtschaftskraft hinten

In einer aktuellen Rangliste der deutschen Landkreise schneidet die gesamte Region schlecht ab und belegt die letzten Plätze bundesweit. Das hat Folgen für die Einwohner zwischen Müritz und Bodden.

Ein Mähdrescher dreht sein Runden - doch Landwirtschaft allein, wird der Region keinen Aufschwung bescheren.
Stefan Rampfel Ein Mähdrescher dreht sein Runden - doch Landwirtschaft allein, wird der Region keinen Aufschwung bescheren.

Weniger Geld in der Tasche, weniger Investitionen, mehr Arbeitslose: In Vorpommern befinden sich die wirtschaftlich schwächsten Regionen Deutschlands. Zu diesem Ergebnis kommt die Zeitschrift „Focus Money“ bei einem bundesweiten Vergleich der Landkreise, bei dem erstmals die neuen Großkreise in Mecklenburg-Vorpommern berücksichtigt werden.

Deutsches Schlusslicht bei der Auswertung statistischer Daten ist demnach Vorpommern-Greifswald auf Rang 388. Kaum besser zeigt sich die wirtschaftliche Lage in Vorpommern-Rügen auf Platz 387 und in der Mecklenburgischen Seenplatte auf dem drittletzten Rang 386.

Die schwache wirtschaftliche Entwicklung schlägt insbesondere auf die Kassenlage der Einwohner durch (siehe Grafik). In Vorpommern-Greifswald stehen pro Kopf und Jahr im Durchschnitt 15 130 Euro an Lohn, Rente oder Hartz-IV zur Verfügung. „Diese Einstufung trifft uns nicht unerwartet“, sagt Jörg Hasselmann, Vize-Landrat in Vorpommern-Greifswald. Mit dem Tourismus und der Landwirtschaft werde die Region durch die Dienstleistungsbranche geprägt, in der Saisonarbeit üblich sei. „Auf die eine große Industrieansiedlung zu hoffen bringt aber nichts. Wir bemühen uns, kleinere Unternehmen anzusiedeln und zu erhalten“, so Hasselmann.

Investorensucher sollen es richten

„Die Rangliste zeigt deutlich, dass die Region in der wirtschaftlichen Entwicklung einen erheblichen Nach-holbedarf aufweist. Wir haben noch Luft nach oben“, findet Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg. Allerdings müsse die Erreichbarkeit des Nordostens auf Straße und Schiene deutlich verbessert werden. Haasch verweist darauf, dass die Unternehmen ihre Lage laut einer IHK-Umfrage besser bewerten, als es das Focus-Money-Ranking vermuten lässt. Die Firmen schätzten ihre Situation zu 94 Prozent als befriedigend oder besser ein. Für die Mecklenburgische Seenplatte setzt Landrat Heiko Kärger auch auf die Investorensucher von Invest in MV, die sich stärker auf den Osten des Landes konzentrieren sollen.

Die einst kreisfreien Städte Greifswald und Neubrandenburg werden nach der Gebietsreform nicht mehr gesondert ausgewiesen. Gerade Greifswald hatte vor einem Jahr mit Rang 156 besonders gut abgeschnitten. Neubrandenburg war auf Rang 348 gelandet. In Ostdeutschland am besten war in diesem Jahr der Rand-Berliner Landkreis Oberhavel, der an die Mecklenburgische Seenplatte grenzt. Das deutschlandweit beste Ergebnis erreichte die Autoregion Ingolstadt.