Forscher wollen resistente Bäume züchten:

Absterben der Eschen nicht mehr aufzuhalten

Jede zweite Esche im Land ist schon abgestorben, und die noch lebenden Bäume kämpfen gegen einen tödlichen Pilz. Jetzt wollen Forstwissenschaftler die wenigen resistenten Bäume für einen Neuanfang in einer Samenplantage nutzen.

So wie hier im Forstrevier Friedrichsthal bei Wittenförden sehen fast alle Eschenbestände in Mecklenburg-Vorpommern aus. Ein Pilz hat die Bäume befallen, schnürt die Wasserzufuhr ab. Die Eschen vertrocknen und sterben schließlich ab.
Ralph Sommer So wie hier im Forstrevier Friedrichsthal bei Wittenförden sehen fast alle Eschenbestände in Mecklenburg-Vorpommern aus. Ein Pilz hat die Bäume befallen, schnürt die Wasserzufuhr ab. Die Eschen vertrocknen und sterben schließlich ab.

Die Lage scheint aussichtslos. Noch vor 14 Jahren bestimmten Eschen auf einer Fläche von 16  000 Hektar das Bild der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern. Inzwischen ist jeder zweite Baum abgestorben, infiziert von einem Tod bringenden Pilz, der sich durch die Triebe frisst und ganze Baumwipfel vertrocknen lässt. Den Rest besorgen den abgeschwächten Bäumen Schädlinge wie Käfern, Parasiten und Hallimasch-Pilze. Binnen drei bis fünf Jahren sterben die Bäume.

Inzwischen seien ausnahmslos alle Eschen von dem sogenannten Falschen Weißen Stengelbecherchen befallen, sagt Forstexperte Peter Röhe. "Der Pilz ist überall." Vor allem in
den artenreichen Feuchtwäldern Vorpommerns, wo noch die letzten Schreiadler brüteten, seien die Verluste verheerend.

Der Verlust der Eschenbestände sei nicht nur ökologisch ein Desaster, sondern auch finanziell, sagt Umweltminister Till Backhaus (SPD). Denn das harte und elastische Holz der Esche, aus dem Werkzeugstiele, Turngeräte und Kurbelstangen hergestellt würden, sei gefragt. Bei Sägeholz lägen die Festmeterpreise bei
100 bis 200 Euro. "Für gutes Stammholz, das zu Furnieren für die Möbelindustrie verarbeitet wird, werden sogar über 1000 Euro bezahlt."

Irgendwann aus heimischen Wäldern verschwunden

Immerhin führt die große Nachfrage nach diesem Holz dazu, dass die Erlöse aus der Zwangsabholzung ausreichten für eine Wiederaufforstung der Nassstandorte vor allem mit jungen Erlen. Eschen dagegen werden auf absehbare Zeit nicht mehr in den heimischen Wäldern zu sehen sein.

Doch es besteht noch eine winzige Hoffnung. Denn zur Überraschung der Revierförster gibt es einige ganz wenige Bäume, denen der Pilz nichts auszumachen scheint, die mit vollem Grün inmitten sterbender Eschen der Gefahr trotzen. Mit dem genetischen Material der offenbar resistenten Eschen wollen Forscher deshalb die Grundlage dafür legen, dass es irgendwann doch einmal wieder Eschenwälder in Mecklenburg-Vorpommern geben wird.

Für das vom Bund mit 725  000 Euro geförderte Projekt "ResEsche" streift derzeit Marco Schrader von der Landesforst mit dem Fernglas durch die Forstreviere, um den Bestand der vitalen Eschen zu erfassen. "Wir gehen von etwa 300 gesunden Eschen aus, deren Gewebeproben zunächst im Thünen-Institut für Forstgenetik im brandenburgischen Waldsieversdorf phytopathologisch und genetisch untersucht werden sollen", sagt er. Am Ende hoffe man, wenigstens 80 Bäume ausfindig gemacht zu haben, die tatsächlich immun seien gegen den Schadpilz.

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