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Abzock-Briefe von Inkasso-Anwalt

"Letzte Mahnung" und "Gerichtsverfahren droht" steht fett auf den roten Briefen: Ein Rechtsanwalt Patrick Richter aus Hamburg versucht damit, in Neubrandenburg und Umgebung Geld zu kassieren.

Gefordert werden letztlich - einschließlich Verzugszinsen, Inkassokosten und Auslagenpauschale - 254,54 Euro.
Bodo Marks Gefordert werden letztlich - einschließlich Verzugszinsen, Inkassokosten und Auslagenpauschale - 254,54 Euro.

"Natürlich sind die angeschriebenen Verbraucher verunsichert und von der Aufmachung des Schreibens irritiert", sagt Horst Frank von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.

Angeblich gibt es eine Tonaufzeichnung im Internet

Überschrieben sind die Briefe mit "Vollstreckungsbescheidsverfahren wegen offener Forderung - Gewinnspielservice MWS - 2010 – Forderung der türkischen Firma Atli Telemarket Ltd.". Die Angeschriebenen werden informiert, dass sie im Frühjahr 2010 angeblich telefonisch einen wirksamen Vertrag über die Teilnahme an einem Gewinnspieldienst abgeschlossen haben. Danach hätten die Verbraucher sich verpflichtet, für einen Zeitraum von drei Monaten monatlich 59 Euro zu zahlen.

Das Telefonat sowie der spätere Kontrollrückruf seien mit Zustimmung des Verbrauchers aufgezeichnet worden, man könne sich eine Beispielsaufzeichnung auf einer Internetseite anhören. Eine Widerrufsbelehrung sei erfolgt, auch dafür sei ein Muster auf der Internetseite einsehbar.

Fantasie-Summen genannt

Gefordert werden letztlich - einschließlich Verzugszinsen, Inkassokosten und Auslagenpauschale - 254,54 Euro. Zahle der angeschriebene Verbraucher unverzüglich,  könne er sich die Zinsen ersparen, heißt es in den Briefen weiter.

"Dem Verbraucher wird außerdem klipp und klar vermittelt, dass bei Nichtzahlung ein Wirtschaftsauskunftsdienst beauftragt wird, die Zahlungsfähigkeit zu überprüfen und dann die Forderung gerichtlich beigetrieben wird. Dadurch könne sich die Schuld mehr als verdoppeln", so Verbraucherschützer Frank.

Schriftlich widersprechen!

Die Verbraucherzentrale rät, sich von diesen Schreiben des Rechtsanwaltes nicht verunsichern zu lassen. "Zahlen muss nur derjenige, der am Telefon tatsächlich einen rechtsgültigen Vertrag abgeschlossen hat", weist Frank auf die Rechtslage hin. Dazu gehöre allerdings, dass sich beide Vertragsparteien während des Telefonates über den wesentlichen Inhalt ihrer Absprache - Vertragsgegenstand, Kosten, Laufzeit, Kündigungsfristen - geeinigt haben. "So wie uns betroffene Verbraucher schilderten, ist ihnen ein Telefonat aus 2010 mit diesem Inhalt keineswegs erinnerlich", meint der Verbraucherschützer und rät: "Ist kein Vertrag zustande gekommen oder wurde dieser durch Täuschung untergeschoben, sollten Betroffene der Forderung gegenüber dem Rechtsanwalt schriftlich widersprechen".