Allgemeinmediziner dringend gesucht:

Ärztekammer-Chef fordert neue Wege gegen Landarztmangel

Wer als Arzt schon nicht dauerhaft in einer Landarztpraxis praktizieren möchte, soll dies zumindest tageweise tun. Das schlägt der Chef der Landesärztekammer MV, Andreas Crusius, vor. Mehr gegen Landarztmangel tun müssten aber alle.

Jens Büttner Im Land fehlen rund 117 Allgemeinmediziner. In einigen Gegenden droht eine Unterversorgung.

Auf dem Land fehlen oft nicht nur Ärzte, sondern auch die gesamte Infrastruktur, sagt der Präsident der Ärztekammer M-V, Andreas Crusius. Er fordert daher für die Zukunft neue Modelle. Um die größte Not in der gesundheitlichen Versorgung abzufangen, könnten nach seinen Vorstellungen in der Stadt niedergelassene Ärzte für einen Tag in der Woche in einer Zweigpraxis auf dem Land praktizieren. Sprechstunden wie in Woldegk im südlichen Mecklenburg, wo nach diesem Modell in einem "Gesundheitshaus" bereits tageweise Patienten behandelt werden, müssten öfter angeboten werden, forderte er. Damit könnte die größte Not abgefangen werden. Sammeltaxis könnten Menschen aus abgelegenen Dörfern in diese Sprechstunden bringen.

Der Chef der Ärztekammer M-V betonte, dass der Staat die Daseinsvorsorge im Krankenhaus und im ambulanten Bereich habe. Doch säßen letztlich alle in einem Boot. "Bürgermeister, Gemeinden und Kommunen müssen sich Gedanken machen, was vor Ort sein muss, um Anreize zu schaffen", sagte Crusius. Denn Ärzte scheuten sich aus denselben Gründen wie die Durchschnittsbevölkerung davor, aufs Land zu ziehen. Gerade in kleinen Dörfern zwischen 5000 und 15 000 Einwohnern gebe es große Probleme, eine attraktive Infrastruktur zu schaffen. Hier müsse man ansetzen.

Zusätzlicher Anreiz: Honorar-Boni

Doch auch die Mediziner sieht Crusius in der Pflicht: Es gebe Ärzte, die sehr engagiert und bereit seien, bis zu 50 Kilometer aufs Land zu fahren, um dort Patienten zu behandeln. Viele lehnten dies jedoch ab. Hier sei zusätzliche Motivation dringend nötig, beispielsweise durch Honorar-Boni.

Auch Modelle wie Tele-Medizin kann sich Crusius vorstellen. Dort behandeln Ärzte Patienten mittels Videoschaltung. Diese Form sei allerdings aus Sicherheitsgründen nur für Kontrolluntersuchungen und nicht für den Erstkontakt geeignet, so Crusius.

Im Land fehlen rund 117 Allgemeinärzte

In MV gibt es vor allem einen Mangel an Hausärzten. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) fehlen im Land rund 117 Allgemeinmediziner. So viele Zulassungen sind laut der neuen Bedarfsplanung der Ärzte und Krankenkassen frei. Besonders dünn ist die Hausarztversorgung demnach im Rostocker und Schweriner Umland (19, bzw. 14,5 freie Zulassungen) sowie in und um Wismar (11,5) und im Raum Güstrow (9). Ärztliche Unterversorgung drohe laut KV auch in Parchim, Grimmen und Ludwigslust.

Aus einer Anfrage der Linken an die Landesregierung aus dem Juli geht hervor, dass es selbst in größeren Orten mit 2000 Einwohnern vielfach keinen Allgemeinmediziner gibt. Im Schnitt betreut landesweit ein Hausarzt 1325 Menschen.
 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung