Sonderparteitag:

AfD-Kandidatenliste zur Landtagswahl könnte wackeln

Seit Wochen beschäftigt die Personalie Federau die AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Der 46-Jährigen wird vorgeworfen, bei der Aufstellung der Kandidatenliste für die Landtagswahl ein heikles Detail aus ihrem Leben verschwiegen zu haben.

Die AfD trifft sich am Sonnabend zu einem Sonderparteitag.
Julian Stratenschulte/Symbolbild Die AfD trifft sich am Sonnabend zu einem Sonderparteitag.

Die AfD zieht ihre Stärke vor allem aus der Unzufriedenheit vieler Wähler mit der Politik in Bund und Ländern, bekennt Mecklenburg-Vorpommerns Landessprecher Leif-Erik Holm. „Klar, wir sind auch eine Protestpartei“, sagt der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im September. Doch Protest und Unzufriedenheit bekommt der als eher gemäßigt geltende Holm derzeit ebenfalls in der eigenen Partei zu spüren. Für Samstag berief der Landesvorstand einen Sonderparteitag ein, um eine der bekanntesten AfD-Vertreterinnen von der Landesliste zu kippen. Doch könnte dabei gleich die ganze, bereits bestätigte Kandidatenliste ins Wackeln kommen.

Die neuerliche Diskussion kommt für die AfD Mecklenburg-Vorpommern zur Unzeit. Statt die inhaltliche Vorbereitung auf die Landtagswahl in drei Monaten voranzutreiben und für ihre familienpolitischen Vorschläge zu werben, muss sie sich nun in Binz auf Rügen mit einer delikaten Personalie befassen. Es geht um die Schweriner AfD-Politikerin Petra Federau. Die 46-Jährige wird dem stramm national-konservativen Flügel zugerechnet. Ein Ruf, den sie unter anderem mit abfälligen Bemerkungen über Ausländer im Internet begründete und mit aktuellen Facebook-Einträgen bestätigt.

Federau schweigt auch gegenüber der Parteispitze

Nun aber machten Medienberichte öffentlich, dass Federau für einen Escort-Service arbeitete, der junge Frauen auch in arabische Länder wie Abu Dhabi und Dubai vermittelt haben soll. Federau will sich trotz mehrfacher Nachfrage zu ihrer Rolle dabei und auch zu ihren politischen Plänen nicht äußern. „Ich gebe keine Interviews“, lautet die stets freundlich vorgetragene Standardantwort.

Eine Haltung, die sie offenbar auch gegenüber dem Landesvorstand ihrer Partei an den Tag legt. „Alle unsere Versuche, mit ihr ins Gespräch zu kommen, liefen ins Leere“, sagt Holm. Nach seiner Überzeugung hat Federau den Landesparteitag, der Mitte Februar die Reihenfolge der AfD-Landtagskandidaten auf der Landesliste beschloss, getäuscht. „Indem sie bei der Vorstellung dieses Kapitel ihres Lebens aussparte, lagen den Parteitagsteilnehmern vor der Abstimmung nicht alle Informationen vor“, erklärt Holm. „Wenn man das verschweigt, macht man sich ja auch erpressbar.“

Weil Federau nicht freiwillig verzichten wolle, schlage der Vorstand dem Sonderparteitag deren Abwahl von Listenplatz drei vor, sagt Holm. Nachfolgende Kandidaten würden aufrücken. Doch hat Federau auch Unterstützer, die sie auf ihrem Platz halten wollen. Zudem stellen einige der landesweit rund 420 Parteimitglieder die Liste generell in Frage. Laut Holm lagen bis Donnerstag zwei Anträge zur Neuwahl der Liste vor, die maßgeblich die Mandatsvergabe an nicht direkt gewählte Landtagsmitglieder bestimmt. Ein Antrag zur Abwahl von Co-Landesparteichef Matthias Manthei wurde nach Angaben Holms, der mit ihm das Führungsduo bildet, unterdessen aber zurückgezogen.

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