Parteitag:

Alfa-Partei kürt Lucke zum Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl

Die Alfa-Partei hat ihren Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl bestimmt: Es ist wie erwartet Bernd Lucke. Der 53-Jährige teilte in einer Rede gegen die AfD aus.

Alfa-Parteigründer Bernd Lucke zusammen mit Generalsekretärin Ulrike Trebesius, die den Parteivorsitz von Lucke übernehmen soll.
Bernd Wüstneck Alfa-Parteigründer Bernd Lucke zusammen mit Generalsekretärin Ulrike Trebesius, die den Parteivorsitz von Lucke übernehmen soll.

Der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Lucke wird die Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf 2017 führen. Der 53-Jährige wurde am Samstag beim Bundesparteitag in Demmin mit großer Mehrheit zum Spitzenkandidaten gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht, die Abstimmung war offen.

Die derzeitigen Umfragewerte seien ein „Misstrauensvotum für die politischen Parteien“, sagte Lucke. CDU und SPD hätten früher bis zu 90 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt, bei letzten Umfragen aber nicht mal mehr 50 Prozent. „Das erinnert an die Auszehrung in der Weimarer Republik.“ Die Alfa-Partei wolle den Wählern eine Alternative in der Mitte bieten.

Bundesvorsitz abgegeben

Im Streit um die Flüchtlingspolitik werde man sich nicht zu einfachen Parolen hinreißen lassen, sagte Lucke. „Wer in Not ist, dem soll geholfen werden.“ Das sage schon das Grundgesetz. Jeder könne in Deutschland glauben was er wolle, solange er die Rechte der Mitbewohner achtet. Aber Flüchtlinge seien in Europa auch in jedem EU-Land sicher. So dürfe Deutschland auch Flüchtlinge an seinen Grenzen zurückweisen. Maßstab dafür sei die Aufnahmekapazität der Kommunen, „die Vorbildliches leisten.“

Lucke gab zugleich den Bundesvorsitz bei Alfa ab, „da die Gründungsphase nun vorbei ist.“ Die rund 250 Delegierten wollten am Nachmittag einen neuen Bundesvorstand bestimmen. Den Vorsitz soll die bisherige Alfa-Generalsekretärin Ulrike Trebesius übernehmen. Sie sitzt zusammen mit Lucke im Europaparlament. Der Parteitag bereitet auch die Landtagswahlen im September 2016 in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern vor. Bei den Landtagswahlen im März hatte Alfa in Baden-Württemberg mit rund einem Prozent ihr höchstes Ergebnis. Alfa war im Juli 2015 von Ex-AfD-Mitgliedern um den Wirtschaftswissenschaftler Lucke gegründet worden, die schon damals einen „Rechtsruck“ der AfD beklagten.

Kritik an der AfD

AfD-Gründer Bernd Lucke hat seine ehemalige Partei Alternative für Deutschland erneut scharf kritisiert. „Die AfD ist bei ihrer Reise nach Rechtsaußen schon beim Front National angekommen“, sagte der Alfa-Vorsitzende Lucke beim Bundesparteitag. Der Front National gilt als stärkste rechtsextreme Kraft in Frankreich. Die Bürger rieben sich schon verwundert die Augen, wenn die AfD sich jede Woche mit einer anderen Organisation zoffe und nun bei der deutschen Nationalmannschaft angelangt sei. Dabei seien die wahren politischen Gegner Sigmar Gabriel (SPD), Jean-Claude Juncker (EU-Kommissionspräsident) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Der AfD-Vizechef Alexander Gauland hatte in den letzten Tagen mit Äußerungen über die Fußballer Jérôme Boateng und Mesut Özil für Empörung gesorgt. Der AfD-Bundesvorstand hatte als Reaktion auf die Empörungswelle erklärt: „Wir sind stolz auf unsere Nationalmannschaft und auch stolz auf all diejenigen, welche für sie spielen (...).“

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