Ehrung für den besten Restaurantfachmann:

Alle Barrieren einfach weggelächelt

Während andere die Karriereleiter mühsam hoch klettern, scheint Martin Sommer die Stufen zu überspringen. Als Restaurantfachmann verbindet der ehemalige Förderschüler Leidenschaft und Beruf.

Perfekte Haltung, überzeugendes Lächeln. Martin Sommer ist Restaurantfachmann aus Leidenschaft und wird dafür gleich mit mehreren Preisen geehrt.
Robert Kiesel Perfekte Haltung, überzeugendes Lächeln. Martin Sommer ist Restaurantfachmann aus Leidenschaft und wird dafür gleich mit mehreren Preisen geehrt.

Der Scharfrichter, ausgerechnet. In schwarzem Gewand, mit finsterer Miene vollstreckt er Sterbeurteile, richtet über Leben und Tod. In der Alten Schlossbrauerei Mirow geschieht das natürlich nur zum Spaß, zur Unterhaltung der Besucher. Das todbringende Gewand wirft sich dafür Martin Sommer über. Ein Restaurantfachmann, der ansteckt.

Womit? Mit seinem Lächeln. "Das ist wirklich eine Gabe, in der Hinsicht hat Martin allen anderen etwas voraus", sagt Martine Heyden. Sie ist Inhaberin des Hotels "Alte Schlossbrauerei" in Mirow, Martin ihr bestes Pferd im Stall. "Er hat Bock auf diesen Beruf, ist grundfreundlich, kann auf Knopfdruck lachen", führt die Chefin ihre Lobeshymne fort.

Ohne Schulabschluss sahen die Berufschancen erst mau aus

Dem Gelobten selbst ist das sichtlich unangehm. Als Jahrgangsbester im Bereich Restaurantfachmann wird er in wenigen Tagen von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostmecklenburg geehrt, hinzu kommt der Titel des Botschafters der Landesfachkräftekampagne MV. Viel Ehre für einen 24 Jahre jungen Mann, dessen beruflicher Werdegang zunächst eher Schlaglochpiste denn Autobahn war. Eingeschränkt durch eine Leserechtschreibschwäche verließ Martin die Schule ohne Abschluss, drückte zuletzt die Bank einer Förderschule. Seine Berufs-, ja Karriereaussichten - eher mau. Doch aufstecken zählt nicht, nicht für Martin. Eine erste geförderte Ausbildung zum Lagerhelfer absolvierte er so gut, dass er den Fachlageristen gleich anschloss. Ein erster Beruf, dazu den Hauptschulabschluss in der Tasche, Martin wollte mehr.

Was genau das sein sollte, wusste er früh. "Die Gastronomie, der Umgang mit den Gästen, das war schon immer mein Traum", erzählt Martin heute. Auf ein erstes Praktikum folgte der Job in der Alten Schlossbrauerei, alles neben der Ausbildung versteht sich. Disziplin und Engagement zahlten sich aus. Martina Heyden stellte Martin als Lehrling ein, zunächst zur Fachkraft im Gastgewerbe. Und als wäre es ein Leichtes, wiederholte Martin den Coup der doppelten Ausbildung. Statt Fachkraft im Gastgewerbe darf er sich seit April Restaurantfachmann nennen, die Auszeichnung folgt in Kürze.

Martin ist ein Vorbild für die Azubis

Während er selbst mit einer unbefristeten Festanstellung belohnt wurde, danken es ihm die Gäste mit Anerkennung. "Es gibt Einträge in unserem Gästebuch, die drehen sich nur um Martin", erzählt Martina Heyden. Diese Geschichte selbst zu erzählen, dafür ist Martin zu bescheiden. So nimmt er auch das Wort Vorbild nicht in den Mund. "Trotzdem versuche ich den anderen zu helfen, ihnen Tipps zu geben", so Martin über die Zusammenarbeit mit den aktuellen Auszubildenden, die natürlich zu ihm aufschauen. Und wenn er selbst ein Erfolgsrezept parat hat, dann jenes: "Ich lass es einfach darauf ankommen, überlege nicht groß, bevor ich auf den Gast zugehe." In den allermeisten Fällen scheint das auszureichen. Für alle anderen hat Martin immer noch sein Lächeln.

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