Russlandtag in Rostock:

Alt-Kanzler überschüttet Sellering mit Lob

Keine politische Schelte, dafür wirtschaftliche Harmonie: Trotz der Sanktionen wegen der Ukraine-Krise setzen Unternehmer weiter auf Geschäfte den Russen. In Warnemünde gab es dazu schon handfeste Ideen.

Ministerpräsident Erwin Sellering beschwichtigt.
Jens Büttner Ministerpräsident Erwin Sellering beschwichtigt.

Wer Krimsekt erhofft hatte, wurde enttäuscht: Kaffee, Tee, Wasser und Gebäck
warten in der Pause auf die gut 400 Teilnehmer des umstrittenen Russlandtages, zu dem die Landesregierung am Mittwoch nach Warnemünde eingeladen hatte. Verzicht auch auf folkloristisches Brimborium beim Wirtschaftstreffen – keine Matrjoschkas, kein Brot und Salz beim Empfang von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und auch kein Original-Donkosakenchor.

An den weiß gedeckten Stehtischen zwischen Ständen von Gazprom, dem Holzproduzenten Timber aus Wismar und russischen Unternehmensverbänden steht auch Marian Suhr, Management-Direktor des Hamburger Logistik-Unternehmens Ladoga Express GmbH. „Es ist eine wichtige Geschichte, in solchen Zeiten miteinander zu reden“, sagt er, ohne die Ukraine-Krise und die EU-Sanktionen direkt anzusprechen. Vom Russlandtag erhoffe er sich Kontakte: „Schon gestern haben wir mit einer russischen Delegation Gespräche geführt. Für Geschäfte ist es noch zu früh, aber man kennt sich jetzt.“

Das wird sicherlich auch Erwin Sellering erbauen. Der sitzt in der ersten Reihe und lauscht den Worten des Alt-Kanzlers und nunmehrigen Gazprom-Lobbyisten Schröder. „Lieber Erwin, mich hat es gefreut, dass du bei
der Vorbereitung und der Durchführung der Veranstaltung standhaft geblieben bist“, lobt Schröder den SPD-Ministerpräsidenten.

Vertreter aus der Wirtschaft sind begeistert

Zuvor hatte es mehrfach Forderungen nach einer Absage oder Verschiebung gegeben. Das sei aber nur der „publizistische Mainstream“, schimpft Gerhard Schröder, während „die Menschen insbesondere in MV Rückgrat respektieren“. Immer wieder fordert der Ex-Kanzler dann, verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen. Dazu könne auch der Russlandtag beitragen. „Die gegenseitigen Sanktionen schaden beiden Seiten immens. Deswegen mahne ich an, dass sowohl die russische als auch die europäische Seite aus der Spirale von immer schärferen Wirtschaftssanktionen herausfinden müssen.“ Die rund 400 Vertreter vor allem aus der Wirtschaft sind begeistert.

Und schon dankt auch Ministerpräsident Sellering – und zwar den Sponsoren, zu denen auch Gazprom gehört. „Wir werden hier und heute keine außenpolitischen Konflikte lösen, aber zum besseren Verständnis beitragen“, wirbt er. Die Landesregierung setze bei der Zusammenarbeit mit Russland vor allem auf die Gesundheitswirtschaft und erneuerbare Energien. Chancen gäbe es da im Leningrader Partnergebiet, denn dort solle gerade die Kliniklandschaft modernisiert werden. Auch beim Bau neuer Gaskraftwerke gäbe es Potenzial: Wir können da den Standortvorteil der in Lubmin anlandenden Pipeline nutzen.“

Bei so viel Harmonie will auch der russische Eigner der Werften in Wismar und Rostock sowie jetzt auch der in Stralsund, Vitaly Yusufov, nicht abseits stehen: „Als deutscher Unternehmer und russischer Staatsbürger ist es mir doppelt angenehm, so viele warme Worte über meine Heimat zu hören“, sagt er beim Podiumsgespräch. Und im Übrigen setze er darauf, dass sein Unternehmen die „temporären Störungen“ erfolgreich überleben könne. 

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