Sprengungen am Tollensesee:

Altes Panzerwerk soll bunter Stadtteil werden

Seit mehr als 70 Jahren hielt der alte Bunker auf dem Gelände der Neubrandenburger Fahrzeugwerke allem stand. Jetzt wird er Stück für Stück gesprengt. Die neuen Investoren wollen aber nicht nur einreißen, sondern Interessantes aufbauen.

Sprengmeister Karl-Heinz Bühring – der Mann fürs Grobe – will dem Bunker den Garaus machen.
Frank Wilhelm Sprengmeister Karl-Heinz Bühring – der Mann fürs Grobe – will dem Bunker den Garaus machen.

Dieser Betonklotz hat es in sich. Selbst Karl-Heinz Bühring fühlt sich herausgefordert. Obwohl der Mann von der Feldberger Abbruchfirma „Otto Freerk“ ein erfahrener Sprengmeister ist, schaut er anerkennend zu seinem „Gegner“ hinüber. „Der tut sich schwer“, sagt Bühring mit Blick auf den Bunker mitten im RWN-Gelände in Neubrandenburg gelegen. RWN – diese Abkürzung steht nach wie vor für das Reparaturwerk Neubrandenburg. Der Volkseigene Betrieb (VEB) mit seinen Zweigstellen in Teterow und Gützkow und rund 4000 Beschäftigten war mit Abstand der größte Industriebetrieb im ehemaligen Bezirk Neubrandenburg. Dort wurden bis zur Wende die Panzer der NVA aus der gesamten DDR instand gesetzt. In den Bunkerräumen lagerten die Spezialfarben für die Militärtechnik.

Anfang der 40er-Jahre gebaut, steckt einiges drin in dem Koloss, der rund 1000 Quadratmeter Grundfläche einnimmt. Die Decke ist aus etwa zwei Meter starkem Beton gegossen. Die Außenwände sind zwischen 1,50 und 2 Meter dick, sagt der Neubrandenburger Architekt Torsten Viebke. Hinzu kommt ein meterdickes Fundament, das einen Meter tief ins Erdreich führt. Aber Sprengmeister Bühring wird auch diesen Koloss bezwingen. Kommende Woche will er noch etwas stärkere Sprengladungen in dem Beton versenken.

Der Bunker liegt seit einigen Jahren ungenutzt mitten in dem mit am besten vermieteten Gewerbegebiet der Viertorestadt. An dieser Stelle soll endlich Platz geschaffen werden für eine neue, moderne Produktionsstätte, für „ein sehr interessantes Unternehmen aus Süddeutschland“, sagt Viebke. Die Firma könnte hier Brennstoffzellen produzieren. Die Forschungsabteilung befindet sich bereits unmittelbar neben dem Beton-Ungetüm, dessen Tage gezählt sind.

Mix aus Kunst, Kultur und Gastronomie

Torsten Viebke hat zusammen mit dem Unternehmer Owe Gluth, dem Tiefkühl-Großhändler Bernd Herrmann, dem Bauunternehmer Torsten Krentz und Michael Ernst, Chefarzt am Klinikum, ein etwa acht Hektar großes Teilstück des RWN-Geländes vor gut einem Jahr für 3,5 Millionen Euro erworben. Ziel des Neubrandenburger Investoren-Quintetts ist es, einen vielfältigen, bunten Stadtteil zu kreieren. Vor allem die Lage macht das Gebiet zu einem Filetstück. Es grenzt unmittelbar an den Tollensesee. Ein Mix aus Kunst und Kultur, Gastronomie sowie innovativen Firmenansiedlungen – das wollen die Investoren, sagt Viebke, der auf dem Gelände mit seinem Kollegen bereits die eigene „Architekturfabrik“ betreibt. Owe Gluth träumt von Loft-Wohnungen in den alten Industriehallen.

Ziel soll es sein, insbesondere junge Menschen in ihrer Heimatstadt zu halten oder in die Viertorestadt zu locken – vor allem mit interessanten Jobs. „Wir haben hier 160  000 Quadratmeter Beton, die seit 25 Jahren vor sich hindümpeln“, sagt Viebke. Es sei an der Zeit, dass etwas passiere.

Erbaut wurde der Bunker als Luftschutzbanker für die Angestellten der Torpedoversuchsanstalt (TVA). Auf dem benachbarten Tollensesee wurden Torpedos für den Seekrieg getestet. Damit galt das Gelände natürlich als bevorzugtes Ziel angloamerikanischer Bomber. Aus heutiger Sicht erschien eine sinnvolle Nutzung nicht mehr möglich, sagt Viebke.

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