Zelten im Winter:

An der Küste kommt der Weihnachtsmann noch hoch zu Ross

Weihnachten ist das Fest der Tradition. Auf der Ostseeinsel Ummanz haben die Bewohner ihre ganz eigene Festregel. Bei ihnen kommt der Weihnachtsmann hoch zu Ross und leicht zu früh.

Kein Schnee, keine Rentiere. Die Weihnachtsreiter von der Insel Ummanz ließen sich davon nicht abschrecken und beschenkten mehr als 180 Inselbewohner.             
Jens Büttner Kein Schnee, keine Rentiere. Die Weihnachtsreiter von der Insel Ummanz ließen sich davon nicht abschrecken und beschenkten mehr als 180 Inselbewohner.  

Auf der Ostseeinsel Ummanz müssen Weihnachtsmänner nicht nur fleißig sein, sie müssen auch reiten können. So wie Norbert Briesemeister, Pferdezüchter und Landwirt. Immer am letzten Adventswochenende schlüpft der 75-jährige in die Rolle des Weihnachtsmannes und verteilt vom Pferderücken oder Kutschbock aus Geschenke. Das Ummanzer Weihnachtsreiten gibt es seit 40 Jahren.

„Ho, ho, ho“, dröhnt Briesemeisters Bass beruhigend. Seine Stuten Neila und Jamila spüren die wachsende Anspannung und tänzeln aufgeregt auf der Stelle. Mit ihnen müssen sich die rund ein Dutzend Weihnachtsreiter ordentlich sputen, wollen sie bis zum Einbruch der Dunkelheit möglichst viele der 270 Insulaner beschenkt haben. Auf Ummanz, das seit 1901 erst über eine kleine Brücke mit Rügen verbunden ist, ticken die Uhren noch langsamer als anderswo im Norden, wie der frühere Bürgermeister Briesemeister meint. Viele Ältere leben auf dem einsamen Eiland, die Jungen seien längst fortgezogen, schildert das Insel-Original. 180 Rentner sollen besucht werden.

Ehrenamtliche helfen beim Päckchen packen und austeilen. Bunte Beutel mit Kaffee, Süßigkeiten und Obst holen die berittenen Weihnachtsboten und Kutschfahrer auf jedem Hof aus ihren Rucksäcken. Gespannt wartet im Dörfchen Mursewiek schon die 86-jährige Edith Uerkvitz auf die weihnachtliche Prozession: „Wo sonst gibt’s denn so was noch?“ Hilfs-Weihnachtsmann Berthold Eichhorn macht die Tour über Ummanz immer viel Spaß. „Die alten Leutchen warten das ganze Jahr auf uns, die Freude in ihren Gesichtern ist der schönste Dank.“ Ein paar freundliche Worte, das Wiehern der Pferde dazu, das zaubert den Leuten immer ein Lächeln ins Gesicht. Nach vier Stunden im Sattel und auf dem Kutschbock sitzen die Weihnachtsreiter und ihre fleißigen Helfer ab.

Auch Weihnachtsreiter brauchen mal eine Pause. Viel Zeit bleibt nun nicht mehr zur Bescherung einer ganzen Insel, wissen die Pferdefreunde. Doch am Ende des Tages, wenn die Tiere mit einer extra Portion Hafer und Äpfeln versorgt sind, werden sie ihre roten Mäntel ablegen und den Abend gemeinsam beschließen.

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