Medizinskandal:

Mehr Frauen als geahnt mit Hepatitis C in der DDR infiziert

Es war einer der größten Medizinskandale der DDR-Geschichte: Mehrere Tausend junge Frauen wurden mit dem Virus angesteckt, weil sie sich impfen ließen. Der Nordosten ist nicht nur betroffen, er könnte auch Ausgangspunkt sein.

Die Impfung hatte für die betroffenen Frauen fatale Folgen.
Jens Wolf Die Impfung hatte für die betroffenen Frauen fatale Folgen.

Offenbar sind zu DDR-Zeiten deutlich mehr Frauen durch verunreinigte Impfstoffe mit Hepatitis C infiziert worden als bislang bekannt. Angaben der Bundesregierung zufolge waren allein in MV etwa 700 Frauen betroffen, in Brandenburg rund 800. Insgesamt seien in den neuen Bundesländern mehr als 4600 Frauen mit der damals noch unbekannten Hepatitis C infiziert worden. Ältere Schätzungen waren von rund 3000 Fällen ausgegangen.

Die Angaben dazu stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Neben detaillierten Fallzahlen wollte diese wissen, wie die Entschädigungspraxis zugunsten der Betroffenen gelockert werden könne. Mit den Antworten zeigte sich die Linken-Abgeordnete Birgit Wöllert wenig zufrieden. „Wir fordern schon lange, dass alle Folgeschäden durch die Hepatitis C bei der Entschädigung berücksichtigt werden müssen. Doch noch immer müssen die Betroffenen oft hart um die ihnen zustehenden Zuwendungen kämpfen, oft auch erfolglos."

Tatsächlich mussten viele Betroffene lange um die Anerkennung ihrer im Anschluss an die sogenannte „Anti-D-Prophylaxe“-Impfung erlittenen Gesundheitsschäden ringen. Ausschlaggebend ist dabei der Grad der Schädigung. Er entscheidet über Anspruch und Höhe der zu gewährenden Leistungen. Das im Jahr 2000 verabschiedete „Anti-D-Hilfe-Gesetz“ wird dem Leid der Betroffenen aus Kritiker-Sicht vielfach nicht gerecht.  

 

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